Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 11 (6.7.1886)
- Date
- 1886-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Durch den Umstand, daß die meisten unserer Mitarbeiter bei anderen zionfreundlichen Actionen in den letzten Tagen voll' auf beschäftigt waren, erlitt das Erscheinen dieser Nummer eine Verspätung, für die wir hiemit um Entschuldigung ersuchen. Die Red aetion. philosemilismus. Dil Geschichte der neueste» Zeit lehrt, daß die Jude» mehr noch als die anderen Völker sich besinnuligslos dem Zauber gewisser Schlagwörler hiiigeben/'wiewol' diese Vei derben" und Unheil in sich bergen. Sollte also an dem von seindlicher Seite ihnen gemachte» Vorwurfe, daß sie die übrigen Nationen mit ihren losg-laffene» Phrasen und hingeworfkiien Losungsworte» hinter's Licht führen, in der That etwas Wahres sein, so würde diese Schuld hinreichend ausgewogen durch den Uiiistand. daß sie g-gen sich selbst nicht bester sind, daß sie sich selbst mit diesem Geflunker jimi Beste» halten. Ein derartiges Schlagwort,, das ihnen mächtig impomn und ihrer vollen Sympathien sich zu erfreuen .pflegt, ist der in den letzten Jahren so oft genannte „Philosem,tiLmns". Sie fragen sich freilich dabei nicht, worin eigentlich das Wesen des „Philosenntismus" bestehe, es genügt ihnen seln Name, der ja „Semitenfreundlichkeit" bedeutet. Wir Nationaljuden aber, die wir immer zaglos den Schein, die' Halbheit, die Formalität bekämpfen und die Wahrheit, die Entschiedenheit und die Thatsächlichkeit verfechten — wir wollen uns durch den Klang des Wortes nicht täuschen lassen, sondern furchtlos prüfen, ob dem. Klange'der Inhalt entspricht. Eine Weile ,blos nach jenem geschichtlich denkwürdigen' Momente, in dem' das Wort „Antisemitismus" das Licht der Welt erblickte' ward die menschliche Sprache um ein zweites neugeborenes Kind' bereichert; „Pbilosemitismus" hieß diese abermalige Be^checrung. Die Herkunft dieses .zweiteil Kindes lst. nicht zu eruiren, doch werden Stimmen laut,' welche wissen wollen, daß es jüdischer. Abstammung sei, weil auffälliger Weise sogar die'enrägiri testen sogenannten „Philosemiten" sich selbst mit diesem Namen höchst selten bezeichnen. Doch, mag dem wie immer' sein, das Wort besteht einmal und es gibt L ute, auf die man es anwendet, und die dadurch- Gegenstand der Verehrung Tausender sind. Womit verdiene» sich eigentlich die „Philosemilen" diese Ehre? Ist es wahr, daß sie an jene Männer erin lern, welche im ersten und zweiten Viertel unseres Jahrhunderts unter dem Namen „Philhellenen" bekannr waren und in reiner und selbstloser Liebe zu dem aus langem Schlafe erwachenden. Griechenvolke erglüht wären? Nach kurzem Vergleiche müssen wir unbedingt eine vernei- . neüd^AntWo.r.tj. gdUiu. ^er sogenannte „Philösemitisinüs" in vielfacher Hinsicht gefährlicher für uns werden kann als' der „Antisemitismus", daß, während l e tz t e r e r der F e i ii d der I n d e n ist, e r st e r e r der F e i n d d e s I u d e n t h n m s genannt werden muß. ' Die „Philhellenen" riefen den Grieche» zu: „Gebt »ns Gelegenheit und wir wollen in treuer Freundschaft und interesselos Euch hrlfki,; wir wollen Eure Feinie lehren, Euer Volksthum, EnreExistenzwürvigkeit achten; wir wollen Euch in Eurem Wieüerbelebnngswerke ermuntern und fördern!" Das war die Sprache Jener und die Sprache der „Philosemiten?" — .„Gebt uns Euer nationales Gefühl, opfert uns Eure V e r g an g eil h e rt. un d En r e Zukunft,' werdet zu Verrät Hern an En rem eigenen „überlebten" Volke u n d seinen „veralteten" Ideen und. dann ne h m et un s er e Freunds chaft dafür in Kauf!" Wer ei» solches Anerbieten ein Freundschaftsanbot nennen will, der mag es thün, aber dem gestiuven Menfchenperstande kann es nie und nimmer als solches e> scheinen.' der gesunde Menschenverstmd wird es. ausschlagen. Die B e d i ngn n g t ii der „P h i l o s e m i te n" si nd e ine sch m achbolle B e l e i d ig nn g n n se re r Bolksehre, die nur dadurch gemildert wird, daß sie wenigstens unsere Menschenwürde unberührt lassen und uns mit ganz allgemeinen Schmeicheleien beruhigten.'Der praktische Nutzen aber dieser sogenannten Achtung von Seiten der „Philosemiten" ist ein sehr fraglicher. Was frommen uns ihre „Complimente", wenn wir durch Er»"' süllung ihrer Wünsche unsere edelsten Gefühle ertödten, unsere heißeste» Wünsche ersticken müssen? Da loben wir uns ja noch den „Antisemitismus", der wenigstens unsere Bolksexistenz nicht angi eist und uns auf diese Weise die Möglichkeit offen läßt, doch einstens einmal seine erbärmlichen Angriffe auf unser Menschenthum zurück'- zuweisen und de» Herrn Europäern die jo lange uns verweigerte Achtung einzuflöße». Ja, ist der „Antisemitismus" die Ruthe Gottes, mit der er den gesiebten Sohn züchtigt, so ist drr „Philof e m i t i s m » s" die L o ck s p e i s e d e s BösenU mit der er de »Ge haßten, in seine Netze ziehen will. Noch problematischer wird der Werth des „Philoseinitismus" für »n8, wenn wir seine thatsächlichen Kräfte prüfen, seine Träger in Augenschein nehmen. Der sogenannte „Philo» semitismus" wirthschaftet von Tag zu Tag mehr ab: Die Lehren des „Antisemitismus" fassen immer tiefere Wurzeln im Volke, und nur wenige Männer unter den jetzigen „Philosemiken" können zu den wenigstens „Wohlmeinenden" gezählt werden. Die Mehrzahl sind „Judenfreunde" aus Berechnung, ihre Juden» frenndlichkeit ist eine Frage der Zit, und sie sind gewiß nicht Diejenigen, welche geachtet genug sind, um die arisch-christliche!, Kreise für de» „Philosemitismus" einzunehmen und dem Umsichgreifen des Antisemitismus vorznbeugen. „Welch' trauriges Zukunftsbild!" werden vielleicht so Manche auSrufen. „NirgendsFreunde, überall Feinde! Trostlos trübe sind die Aussichten unseres Volkes!" Nein! antworten wir darauf, — sehet nach in den Blättern der Ge» schichte! Wann hat Arael je viele Freunde gehabt? — und doch ist es bestehen geblieben^ Durch die Reihen feiner Feinde von rechts und links schreitet es unversehrt seit Jahrtausenden; vereinsamt und verlaff.n schöpft es seine Kräfte immer nur aus der Tiefe d.r eigenen, gotiec» leuchteten Seele und das Ende droht ihm nur dann, wenn man dieses göttliche Licht seiner nationalen Sitten und Gebräuche ausznlöscherr trachtet — und käme auch der verlöschende- Hauch aus FreuudeSimmde. Doch liegt es' un agr Die nächste Nummer erscheint am 16. Juli. "WM