Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 10 (16.6.1886)
- Date
- 1886-06-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr^ lü Sel bst-E ui ancipation! „Ausflüchte? Oh nein; ich liebe Dich von ganzer Seele, Kadmiel." „Das ist doch seltsam!" „Siehe, Kadmiel, Dn bist, wiewohl ein Prophet Gottes, noch jung an Jahren und die Jugend läßt Dein Blut siedend heiß Waste», wie das meine. Du aber darfst Dich nicht von den Gefühlen und Empfindungen, von den Wünschen und Leidenschaften anderer Menschenkinder leiten lassen. Du hast höhere Aufgaben zu erfüllen. Siehe, das Weib verlangt vom Manne, daß er ihr den größten Theil seines -tzs^us dem tiefen Pfuhle der verdammniß ^' Steigt ein finster Schreckgespenst einpor, „Ich bin Juda's fieißig Wandernnglück" Tönt es höhnend an der Menschheit Ohr. „Ha I wie wird dies Volk von mir gequälet Und gepeitscht schon mehr als tausend Jahr, Sitze wie ei» Egel ihm im Nacken, Saug' die Kraft ihm aus dem Mark fürwahr. Neue Arbeit Hab' ich nun bekommen," Und das Antlitz des Gespenstes grinst, - „Neues Elend stecht mir zu Gebote, "'Das sich sicher tausendfach verzinst. Kommet Kinder, kommt mit mir von dannen, Spanien ist für Luch mehr kein Af^l; Heisa I Wandert lustig mit mir weiter, „Uebcrall und Nirgends — ist das Ziel l" Dröhnendöffiien sich Sevillas Thore Für die jammervölle Pilgerschaar, Die die Stadt verläßt entschlösse», Taufe meidend und die Lodsgefahr. Ringsum steht die Bürgerschaft und höhnet Grausam, roh. mit initleidslosem Spott, Und so manches Fluchwort folgt dem Volke, Das verlassen und verdammt von Gott. Jetzo fallen knarrend zu die Thore, Und auf freiem Feld der Zug nun steht, Horch, ein lauter, wilder werdend Schluchzen Durch die Reihe» der vertrieb'nen geht! -Jetzt heißt's Abschied von einander nehmen, Denn nach west und Ost, nach Süd und Nord Lenken wir die irren Wanderschritte Aus dem schönen 'Spanierlande fort. Sinnens und Trachtens widmr, das Weib ist für den Mann ein Ballast, der ihn an der Erde festhält und ihn hindert, mit seinem Geiste und Gemüthe die lichte» Himmelsregionen aufzusuchen. Und ich soll Dir ein solches Hinderniß sein; wir der Tochter deS Davidischen Königshauses, sollen künftige Geschlechter vorwerfen können, ich hätte den Erlösung verkündeten Propheten seiner volksbefreienden Aufgabe entfremdet, ihn zum Alltagsmenschen erniedrigt? Nimmermehr, Kadmiel, ich kann und will das nicht! Du mußt es ji selbst einsehen." Auf den Gräbern. Doch laßt uns, bevor wir zieh'», besuche». Unsre thenren Todten noch einmal; Laßt uns holen von der Väter Gräbern Trost und Ruhe für die Wanderqual l" — Schwarz von Mensche» ist der Gotte sack r, welche klage», tief in Schmerz gehüllt; Wehe, welch' cin herzzerreißend Jammern Jetzt die heil'ge Todenstadt erfüllt l Blos elu junger Mann steht ohne Thränen In der gramdnrchtobteu Gräberstadt, Seine Augen käuneu gar nicht weine». Weil sein Herz des Leides ist zu satt. Traurig düster sieht er auf die Jungfrau, Die an einem Grabmal dorten lchut. Deren strahlend schönes Lngeisantlitz Heißer Schmerz noch tausendfach verschönt, Ja, so kam es: Feindlich sind die Väter, Doch die Kinder liebte» sich mit Gluth, Und sie hoffte» auf den Tag der Hilfe, Harrten sehnend auf das Lud' der Wuth. Fahre hin du schöne Liebeshoffnung, Denn, vertriebe» aus dem Heimatsort, Wollen ihre Litern nach Kanaan, Und die seinen weit nach Frankreich fort! „Soll ich nimmermehr sie - ied ersehen? l" — Tobt's und tost's in ihn» verzweisinngsvoll, — „Großer Gott, zeig' mir de» Weg der Rettung, Den ich wähle», de» ich wandeln soll I" plötzlich stammt es auf in ieinem Auge: „Ja, so läßt sich ändern das Geschick". Gehet rasch zum Rabbi hin und bittet Um Gehör für einen Augenblick. Lifrig spricht der Jüngling zu dem Greise, Dieser hat ihn sinnend angehört: „Nun ich glaub', ich kan» Dir, Jüngling, helfen Glaub's, da Unglück Menschen Demuth lehrt". Der junge Mann hatte mit Wonne und Entzücken den Worten des Mädchens gelauscht. „Und wenn ich es nicht rinsehe, Scholchonnah, wenn ich behaupte, es wären irrige Ansichten, die Dn aufstellst, Trugschlüsse, die Du bildest?" „Dann müßtest Dn mir diese Behauptung erweisen, dann "müßtest Du mich überzeugen, und das dürfte Dir kaum gelingen," sagte sie in bestimmtem Tone. (Fortsetzung folgt.) . Spricht's, der Rabbi, and in froinmer Weisheit Hat er bald die schöne That geübt: Zwei, die Feinde sich set Langem waren, Sind, als war' die Fre indfchaft nie getrübt. „Koinm.t!" ruft der Rabbi in die Menge, „Meine Kinder, habt genug geweint. Lasse: uns mit Frohsinn vo.i hier scheiden, Venn auch dies h.t Gott ja gut gemeint. Don Ahrou und Don Jochai, die Feinde, Knüpften jetzt ei» festes Freundfchaftsband, Und zum Zeichu des erneuten Bundes Reiche» ihre Kinder sich die Haadl" Solches hat der Todesort noch nie gesehen: Jetzo wird der Baldachin gestellt, Mitte» unter ihräueunaffen Gräber» wird ein liebend Paar vermählt. — Das Gespenst verzerrt das finstre Antlitz, Ihm behagt die Freudeufcene kaum. Giftig schweife» seine Höllenblicke Ueber'u menschenvollen Todtenraum. Jo, daS ärgert es an diesem Stamme, Daß es ihn nicht ganz bezwingen darf. Daß ei» Ziel gesetzt ist seinem Treiben, Ja, ein festes Ziel, so klar und scharf. wie sie jubelnd ziehen in die Weite! Ahnen sie, daß einst die Zeit noch koinmt, wo die Herrschaft des Gespenstes endet. Wo dann feine grause Jagd nicht frommt? All' sei» Hetzen, Jagen ist vergebens. Den» f i e kommt noch einst, die Freudenzei», — Dieses Fest ist ja ein heilig Zeichen, — wo das wandervolk vereint, befreit.