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Selbst-Emancipation · 1886-03-02 · Heft 5 (2.3.1886) · p. Seite 9

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 5 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5 Selbst-Em an cipa tion! ®PT. Die Brautgeschwister. „Jüngling, Dank für Deiner Worte Güte, Die die Furcht vor dieser Nacht gebannt; Freude, seit gewelkt ist Judas Blüthe Hab' auch ich nicht mehr gekannt. „Milkah, hoide Sklavin, perlt noch immer Dir im schwarzen Feueraug' die Thrän'? Immer noch enttSnt ein leis' Gewimmer Deinem Munde, der so schön? Nein, beim Zeus, nicht länger will ich's tragen. Daß von Schmerz gebleicht Dein Angesicht l wahrlich, enden muß Dein stilles Klagen, Das mir in die Seele sticht l Und ich Hab' den Balsam auch gefunden. Der den Schmerz Dir, Milkah. lindern soll: Durch die Lieb' wird das Gemüth gesunden, welches krank und trauervoll; Linen Sklaven hat mein Freund erstanden Deines Stammes und so prächtig schön, wie — beim Jupiter I — in allen Landen Nie desgleichen ich gefeh'n. Zu verbinden Schönes nun mit Schönem, Daß ein hehr' Geschlecht daraus erstehe. Sollst Du — so beschlossen wir — jetzt Jenem Liebend folgen in die Lhe."-- j Stille Nacht ist's, dunkel ist das Zimmer, Drinnen ruht die schöne Sklavenbraut; Lief aufseufzend, zu dem Sternenschimmer Milkah feuchten Auges schaut. - Plötzlich preßt sie, an das Herz die Hände, Zittern überläuft den schönen Leib, Denn sie hört ihn nahen,schon behende, Dem sie Zwang bestimmt zum Weib. „Jungfrau", spricht er zärtlich und doch duster In der trauten Muttersprache Tönen, „Nich, durch bräutlich tändelnd Liebgeflüster will ich unfern Schmerz verhöhnen. Seit der Römer wuth mein Volk vertrieben, Und mich selbst zum Sklaven hat gemacht. Seit durch sie verwaist ich bin geblieben Und gedrückt, gebeugt, verlacht, Hört' ich gänzlich auf, an mich zu denken, ' Mied ich ängstlich jede Freud' und Lust, " ' will, da Zion fiel. Gehör nicht schenken Einem Wunsch der eig'nen Brust." Lodernd züngelten die Tempelflamme», In den Straßen Zions floß das Blut, Vater, Mutter, beide treu zusammen. Starben in der Feuergluth. Meinen Bruder — lieb war mir der Knabe — Riß ein Römer fort von meiner Seit'; weiß der Himmel, wo er weilt als Sklave Auf der Lrde, die so weit l Ach, von Iuda's stolzem Adel stammend. Sank zur Römersklaoin ich herab l Röthe färbt d'rob meine Wangen flammend; Fänd' ich lieber, ach l das Grab l" „Jungfra -, uns find ähnliche Geschicke I Denn auch mir viel edle Ahnen find; Line Schwester auch durch Römertücke Büßt' ich — Milkah hieß das Kind." „Milkah heiß' ich, so wie Deine Schwester, Darum will ich lieben Dich wie sie; Sei ein theurer Bruder mir, o Bester, Den der Himmel mir verlieh l" wie das edle Mädchen dies gesprochen, Fällt der Morgendämm'rung erster Strahl Auf der Beiden Antlitz, die gebrochen' Sind durch ihres Volkes «Dual. Jetzt erst können'sie die Blicke schärfen Und im ersten Sonnendämmerschein Rasche Blicke auf die Züge werfen, Die so edel und so rein. wie sie aber in's Gesicht sich sehen. Da entringt sich beider Mund ein Schrei: „Milkah l" „Raben l" „welch' ein Wiedersehen l Dank dem Himmelsoater feil" Und sie hielten sich umschlungen Beide, Ganz beseelt von Wonne und von Schmerz,. Bis allmälig still durch Schreck und Freude Stand der Brautges ch w i st e r Herz.

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