Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 2 (15.1.1886)
- Date
- 1886-01-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Srlbst- Emancipatio 11! Seite 5 aus Deutschland und 397 aus Rumänien. Von diesen blieben 11.227 in New-Iork, während sich der Rest von 7306 in die übrigen Länder Amerikas zerstreute. Erzählt das Blatt auch, wie viele unserer Stammrsgenossen dort in dem neuen gelobten Lande elend verkommen sind? Ob dem betreffenden Statistiker bei seiner Zahlenarbeit auch eingefallen ist, daß mit dieser Massenauswanderung sich ein weiterer Act einer großen Volkstragödie abspiett, daß hierin die Vorbereitungen für die Schaffung europäisch-jüdischer Uebelstände in Amerika liegen? . (Antisemitische Kleinigkeiten.) Angele de Gub e r n a t i s, einer der hervorragendsten Gelehrten Italiens, spricht sich in einem zu Florenz von ihm erschienenen Werke „La Hongrie politique et sociale" für den Antisemitismus aus. - - Der Gesamint-Ausschuß der über 3000 Einwohner zählenden Gemeinde Breitensee bei Wien, hat in seiner Vollversammlung am 18. December den Beschluß gefaßt, eine neu eröffnete Gasse nach dem bekannten deutsch - nationalen Antisemitenführer „Schönerer-Gasse" zu nennen. — Wie freundlich die Wiener Volkskreise den Juden gesinnt sind, beweist die Thatsache, daß, als bei der Genossenschafts- Versammlung der Schuhmacher, am 25. December v. I.. bei der über 2000 Personen anwesend waren, der Jude Adler die Tribüne bestieg, das ganze Publicum in ein Gelächter ausbrach und „Ö je, ein Jud'!" ausrief. (Eine Statue der „Religionsfreiheit".) Die jüdischen Unterihanen der Bereiiiigien Staaten Amerikas haben als Beweis ihrer Dankbarkeit für den ihrem Glauben gewährten Schutz der Nationalregierung eine kolossale Statue der „Religionsfreiheit" verehrt. Die Statue ist die Schöpfung Ezekiel's, des großen amerikanischen jüdischen Bildhauers und stellt Amerika, mit gegen einen die Religion repräsentirenden Jüngling wie zum Schutze ausgestreckten Arme, dar. Die linke Hand der „Amerika" ruht auf einer Gcsetzesrolle der Vereinigten Staaten. Am Fuße befindet sich der amerikanische Adler mit seinen Krallen am Halse der Schlange „Intoleranz". Wenn nur mit deni Glaubensschutz, der bereits in den meisten civilisirten Staaten geübt wird, dem Unglück unseres Stammes wirklich begegnet wäre! Korrespondenzen. Lemberg. Wie in den meisten Gemeinden, wurde auch hierorts die Mendelssohn-Feier im israelitischen Tempel begangen. Prediger Löwen st ein sprach die Gedächtnißrede. Derselbe schilderte im Verlaufe seiner Rede Lessing's intimes Verhältniß zu Mendelssohn, und schloß mit der Bemerkung: „Trotzdem Lcssing einer fremden Religion und auch einem f r e md e n Sta m m e angehörte!" (Also Mendelssohn war kein Deutscher!) Redner erzählte ferner ein Histörchen vom König Friedrich, der am Tischah b’Aw an einer Synagoge vorüberging und das Jammern der Juden darinnen hörte. Auf sein Befragen, was dies zu bedeuten habe, konnte ihm keiner die gehörige Aufklärung verschaffen, erst Mendelssohn hat ihm die Antwort durch die treffliche Uebersetznng der herrlichen Klagelieder und der Sehnsucht nach unserem t h e u r e n, geliebten Zion gegeben. Der König dachte nun anders von den Juden und sprach: „In diesen Leuten istnoch Leben, und wer w e i ß, w a s ihnen die Zukunft n o ch bringen wird!" (Also Prediger Löwenstein scheint doch der Ansicht zu sein, daß der jüdischen Nation eine Zukunft blühe!) Zum Schluffe erwähnte noch Redner den Abfall der Nachkommen Mendelssohn's vom Judenthum und charakterrsirte dies durch die Worte: „Die Zweige sind abgefalle», doch der S t a m m steht felsenfest!" — Waren die Aeußerungen des Predigers Löwenstein Absicht oder Zufall?! * * * Der Warschauer „Izraelita" bringt in der letzten Nummer über Lemberg eine Revue des Jahres 1885. Alles wird rühmlichst erwähnt; selbstverständlich gebührt die Palnie den Agudas Achim-igelbeu für ihre überaus heroischen Thaten! Nilr dieser „P a n j u d a i s m u s" verkündende Verein „Mikra-kodescii" ist dem lieben „Izraelita“ ein Dorn im Ange. Doch eine» süßen Trost findet der Warschauer Compagnon unserer „Oj-cjy-zna" darin, daß die Intelligenz d i e s e m v e r d e r b e n b r i n g e n d e n, r ü ckschrittlichenVereine „Mikra-kodesch" ganz ferne stehe, und nur „F i n st e r l i n g e" demselben angehören! So?! Also die Mitglieder des Vereines, wie beispielsweise Rabb. Dr. Kodak, Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, königl. serbischer Stadtarzt Dr. Bierer, Cultusvorsteher Jacob Stroh. Cultusrath Ignaz Lilien, Cultnsrath Dr. Holzer, Vertreter der Alliance israelite, Moriz Diamant», Advocat Dr. Sokal, hebräischer Literat Braudes, die stattliche Anzahl von Akademikern, Talmudisten, Handelsbefließenen rc. rc. gehören ebenfalls zu den Finsterlingen?! Es wäre dein verehrtesten „Izraelita" im eigenen Interesse dringendst anzurathen, künftighin die Wahrheit nicht so stiefmütterlich zu behandeln. —x.— Bkody. Die Kampfesweise der löblichen „Ojczyzna“ wurde in Ihrem geschätzten Blatte so oft schon in's rechte Licht gestellt, die Mittelchen, deren sie sich zur Vergrößerung ihres Kundenkreises bedient, schon so vielfach hervorgehoben, daß es ivahrlich überflüssig ist, darüber weiter noch ein Wort zu verlieren. Wenn ich daher auf den Gegenstand zurückkomme und die Art und Weise erwähne. rvie die Herren Agudianer bewährte jüdisch-nationale Gesinnuirgsgknossen in ihr Lager hinüberzuziehen trachten, indem sie ihnen in ihrem Eutjudungsblatte nuaufgeforderr allerlei Weihrauch streuen, so geschieht es nur, um unsere Gesinnungsgenossen vor derlei Sirenenrufen zu warnen. Es ist zwar nicht zu zweifeln, daß Herr M. A. Landau in Brody, Herausgeber des dortigen Lokalblattes „Chronik", der einmal zur jüdisch-nationale» Fahne geschworen, derselben, wie es einem ehrlichen Manne geziemt, auch fernerhin treu bleiben werde, — immerhin läßt sich aber nicht bestreiten, daß Herr Landau, welcher früher in seinem Blatte für's nationale .Judenthum so muthig eingetreten, der z. B. in der Nummer vom 30. Oktober 1884 unter der Ueberschrift: „Die neue Wiener Hochschule und der akademische Verein „Kadimali“ einen Artikel veröffentlichte, welcher eine förmliche Apologie auf die „Kadimab“ und ihre Tendenzen ist, wo er selbe den Stolz der jüdischen Jugend nennt und ihre Gründung als ein Morgenroth in der Geschichte des Judenthums feierte (sie!), nunmehr, da ihn die „Ojczyzna" in die Reihe der semitisch-politischen Patrioten aufzunehmen und ihm eine — in der Wirklichkeil nie einpfuudene — Begeisterung für die heilige Sache der Assimilation zu imputiren geruht, in seinem EnthusiasmuS bedeutend herabgekommeu, sein Blatt nicht nur zweisprachig, sondern auchdoppelsinnig erscheinen, und überhaupt die frühere Anhänglichkeit an die jüdische n Interessen vermissen läßt. — Wenn Herr Landau bei der Mickiewiez-Feier, die hier auf seine Veranlassung von der jüdischen Jugend speeiell veranstaltet wurde, Geld für die preußischen Ausgewiesenen sammelte, so ist> dies gewiß mchts weniger als tadeluswerth, aber da könnte mau doch verlangen, daß dieses von Jude»« gesammelte Geld auch verwendet werde zu Gunsten der ungleich hilfloseren jüdischen Ausgewiesenen, nicht aber, daß man es dem antisemitischen „Lnryer Lwowski“ zur Verfügung stelle, — deshalb, weit selber ein Associs der jüdisch-antisenlitischen „Ojczyzna“ ist. Iwri Anochi. Odessa, 24. December 1885. (5. Jänner 1836.) Das 25jährige Amtsjubiläum des Ober-Rabbiners und Predigers Herr» Dr. S. Schwabacher wurde gestern von der