Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 1 Selbst -Em q neip a t i o n! Seite ll Dramatisirte Anekdote in einem Aufzuge von Dramatisirte Anekdote in einem Aufzuge von F-d-*) Personen: Gabriel Strömling, ein gutmüthiger Greis. Ernst Srrömling, Gutsbesitzer, dessen Sohn. Regina, Tochter [ b 8 ß Bernhard Zeder, Pflegesohn / m ®rnp- Ein Diener. Die Handlung spielt in einer Kleinstadt Galiziens. — Die Scene stellt ein Zimmer in Ernst's Häufe vor. Liste Scene. Regina (allein.) (In einem Lehnsessel, ein erbrochener Brief liegt vor ihr.) So wird er heute endlich wiederkommen, Der brave Jüngling, der mein Herz mir stahl. — — Der Jahre fünf sind einsam hingeflossen. Seitdem er von uns schweren Abschied nahm. Nach Wissen strebte seine edle Seele, Des Körpers Bau und Heilkunst zu erspäh'»; Nun hat er seine Studienbahn.geendigt Und heute werde ich ihn wiederseh'n. (Man klopft. — Sie richtet sich auf.) Herein! — Wer mag denn wohl erscheinen? Hab' ich mit Recht geahnt? — Wer ist's? — Herein! Zweite Scene. Bernh a r d und Vorige. Bernhard (im Reisemantel, eilt der Regina entgegen und ergreift ihre Hand mit Wärme.) Gegrüßt seist Du, o Seele meines Daseins! j Wie mächtig Hab' ich mich nach Dir gesehnt! Regina (mit gesenktem Blicke.) Wie konntest Da so lange ferne bieiben? Ich habe Tag und Nacht an Dich gedacht! Bernhard. Du liebes Mädchen! Deiner Augen Sonne War mir ein Talisman in jeder Noth: Im Wachen und im Träumen hat Dein Antlitz Geschwebt vor meinem wonnetrunk'nen Geist. Von Dir, o Holde, sich geliebt zu wissen. Wie hat das mich zum Eifer angespornt, Wie hat das mich zur Strebsamkeit begeistert! Regina (ihn zärtlich anblickeud.) Du loser Schmeichler! — Warte hier ein Weilchen; Ich will dem Vater melden, daß Du kamst. (Geht'ab.) Dritte Scene. Bernhard (allein.) . Ein reizend Bild aus blauen Himmelshöh'n: Sie hat'sich herrlich, wunderschön entfaltet! (Legt den Mantel ak) Ich glaubt' es nicht, daß mich, den tlock'ncn Denker, Der blinde Heidengott je treffen wird; *) Der unseren Lesern schon bekannte Mitarbeiter unseres Blattes versucht es — wie wir hoffe», in gelungener Weise — die Folgerichtigkeit der jüdisch-nationale» Idee und die Ungereimtheit der Assimilation in dramatisch-dichterischer Form und in gedrängter Kürze dem Leser vorzuführen. „Der Bekehrte" lehrt uns die Pflichten gegen unser Land und unsere Sprache, zeigt uns aber auch, daß wir .selbst ohne diese durch gemeinsame Culturarbeit und gemeinsame Abstammung eine Nation bilden — freilich nicht in glücklichster Lage, fügen wir, gewiß in Uebereinstimmung mit unserem geehrten Freunde, hinzu. Besonders: machen .wir auf das in dieser Arbeit vorkommende allegorische Gedicht vom Spatz und den Sttegelitzen aufmerksam. Die Redaction. Er zielte gut: ich bin zu Tod verwundet. Es lebt ein Blick von ihr mich wieder auf. Gierte Scene:. Gabriel, E r n st, R e g i n a, Voriger. Ernst (den Bernhard umarmend.) Sei herzlich mir willkommen in der Heimat, Geliebter Sohn! Ich Hab' Dich stark vermißt. Bernhard. Habt Dank für Eure grenzenlose Güte! Ihr Schuldner bleibe ich mein Lebelang. Regina. Papachen, soll ich einen Thee serviren? Gabriel. Das wollt' ich eben sagen. Geh' Regina! Ernst. Ja, thu' das, Kindchen, aber sällm' nicht lang. (Regina ab.) Gabriel (reicht dem Bernhard die Hand.) Du bist ein hübscher Bursche worden, Bernhard. Bernharo. Und wie ergeht es Euch denn, Gabriel? Gabriel. Ich halt mich noch. Das wollt' ich eben sagen. ' Ernst. Nun setz Dich Bernhard, und erzähle treulich. Wie Du gefunden hast die große Welt. Bernhard. Die Frage, Vater, ist nicht unbedeutend; Doch will nach Kräften ich Bescheid Euch thun. Die sich're Schulbank hatte ich verlaffen Und diesem Hause kaum Ade! gesagt, , Da fühlt' ich meine Pulse stärker pochen, Ich wußte wahrlich nicht, wie mir geschah. Mir wollt' die Fremde anfangs nicht behagen U,rd Sehnsucht schnürte mir den Busen zu. — Ernst. Das hat Dein erstes Schreiben treu geschildert. Doch wie genasest Du? Bernhard. Die Zeit ist Arzt. : Gabriel. Ganz recht! ganz recht! Das wollt' ich eben sagen. Bernhard. Ich nahm mich wacker zu den Wissenschaften: Und Hab' mit Lob die Prüfungen bestanden. - Ernst. Bei Deinem Fleiße war'S vorauSzuseh'n. — Nun möcht ich wissest, was Du sonstgetrieben; Denn lustig lebt ein Bruder Studio. Bernhard. Wohl lebt in Saus und Braus manch' flotter Bursche; Was mich betrifft, so war ich nimmer froh. Ernst. Wie faß' ich das? Denn, wie ich mich besinne, Da war mein Bernhard stets ein munt'rer Kauz. Bernhard. Es gibt so manche ernste Ueberraschung, Die uns're Munterkeit zu Schanden macht. Ernst. Was ist denn Dir, mein Liebster, widerfahren. Daß Du darob den Frohsinn eingebüßt?