Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 7 Nr. 1 Selbst-Ein a ii c i p a t i o n! Odessa, den 11. (23.) December 1885. Unsere „Zionsfreunde" haben eine» unersetzlichen Bei tust erlitten. Der Vertreter und Geschäftsführer des „Montefiore-Verbandes" in Palästina. Herr Abraham Muyal in Jaffa ist am 8. (20.) d. M. vei schieden. Ungeachtet seines schweren Leidens, das ihn nur zu oft ans Krankenbett fesselte, war er seit der Abreise des Herrn Wissotzky unermüdlich bemüht, den seiner Fürsorge empfohlenen Colonisten in Petkack . TkUrwak, Katra (Gederak) und Jessud Hamaalek durch Verschaffung ihrer Bedürfnisse, sowie durch Rath und That dienlich zu fein; Gerade in der Mitte seiner segensreichen Thätigkeit traf ihn der Tod. Tief ist die Wunde, die uns dadurch geschlagen, um so tiefer, je weniger wir darauf vorbereitet waren. Glücklicherweise meldet uns der Telegraph, daß Herr Dr. Hirsch, Director der Ackerbauschule in Bosck Pinak provisorisch die Geschäfte übernommen hat. — Es wird uns zum Trost und zur Beruhigung gereichen, wenn dieser bewährte Mann unseren armen Colonisten seine ersprießliche Thätigkeit auch in Zukunft als definitiver Nachfolger des Herrn Muyal wird widmen wollen. Wolosilt*), (Wilnaer Gouvernement) 13. December 1885. Ich bin in die angenehme Lage versetzt, sämmtlichcn Zionsfreunden dadurch eine große Freude zu bereiten, daß ich ihnen die Mittheilung zukommen laste, daß hier die Grmüther aller jüdischen Einwohner für die Idee der Colonisation Palästinas sehr erregt sind. An der Spitze steht der alte, ehrwürdige Rabbiner und Leiter der berühm ten Wolosiner desokivak, Naftali Zwi Jehuda Berlin, der ein prachtvolles, hebräisches Schreiben an seine hiesigen Stammesgenossen erließ, in welchem von der Wichtigkeit der Colonisation für das ganze Judenthum (mit Beweisen aus der Bib'l) gesprochen wird. Die Sensation, die diese Schrift Hervorbrachte, ist unbeschreiblich, so daß bald darauf ein Verein gegründet wurde, dem sich alle Einwohner anschloßen. Man kann deshalb hoffe», daß jetzt viele unserer Mitbrüder dem Beispiele unseres Hochweiseu und Großen folgen und von nun an, ihre Bemühungen der „Colonisation" schenken werden, damit dieselbe größere Fortschritte mache zum Wohlc ganz Israels. — Die Jesckiwak-3iingft sind fa st alle für die Idee der Colonisation begeistert, ein Umstand, der für die Zukunft als von großer Wichtigkeit betrachtet werden muß, da die Jesckiwak gegen 350 Talmudjünger zählt, welche von etwa z w e i h u n d e r t und noch mehr verschiedenen Städten des r u s s i s ch e n Reiches zusammengekommen sind. Ein jeder Talmudjüuger. der nach mehrjährigem Aufenthalt Wolosin verläßt, wird gewiß aufrichtig bestrebt sein, für die Verbreitung der Colonisationsidee Sorge zu tragen. Josef Marcuse. (Aus der Colonie Rosch Pinah). wird dem „Hakazeletk“ geschrieben, daß der Unterricht im Hebräischen den Colonistenkindern in spagnolischer Aussprache seit zwei Monaten ertheilt wird, wobei täglich eine Stunde für Hebräisch-Sprechen verwendet wird und spricht der Correspondcnt des „Habazeletk-4, der eben der Lehrer des Hebräischen ist, die Hoffnung aus. daß die Kinder zu vollständigen Hebräern aufwachsen werden, das Land ihrer Nation bebauend und die Sprache derselben redend. Auch im Französischen machen die Kinder stetige Fortschritte und werden sie auch diese Sprache vollends beherrschen. Am 2. Tewetk wird die Colonie ihr dreijähriges Gründungs¬ *) Wir brachten die Nachricht schon in voriger Nummer, veröffentlichen aber die Correspondenz wegen einiger neuer intereffanter Details. . Die Redaction. fest feiern.— Aus Paris langte eine Dampfmühle ein. — Die vermögenderen Colonisten haben sich Ziegen und Schafe gekauft. (Verein „Jeschnath Israel".) I» Saffed wurde im Monate Siwan des vergangenen Jahres ein Verein unter dem obigen Namen gegründer, dessen Statuten uns vorliegen. Er bezweckt in der galiläischeu Stadt Saffed, in der die Nothlage eine drückende ist, eine geordnete Armen- und Krankenpflege einzuführen u. zwar durch Gewährung ärztlicher Hilfe (womöglich durch Errichtung eines Spitals), durch Ausbildung von Waisen- und Armenkindern zu einem redlichen Lebeusberufe, durch Stellenverschaffnng für jüdische Arbeitsuchende, durch Errichtung eines Greisenasyls und durch Verabreichung von Almosen an Hilfsbedürftige. Seinem edlen human-nationalen Zwecke gemäß kennt der Verein keinen Unterschied zwischen Aschkenasim, Sephardim und Moghrrbim. Die ordentlichen Mitglieder zahlen eine beliebige Anfuahmsgebühr und einen monatlichen Beitrag von mindestens 50 Paras. Wer 200 Frcs. spendet, wird „Stifter" des Vereines und wer 50 Frcs. spendet, „beständiges Mitglied" desselben. — Wir empfehlen diesen Verein allen „ZionSfreunden" zur Unterstützung. Jede Spende nimmt der Verein mit größtem Danke an. Briefe sind zu richten an Jacob Israel Efrussi, caissier de la societe „Jesckuatk Israel“ a Saffed, pr. Beyrutk, Syrie, poste Ottomane. Literarisches. Sichrem Moscheh betitelt sich die Trauerrede, die der frühere Rabbiner von Zolkiew und jetztige Rabbinatsvcrwefer von Krakau. R. Chaim L. Horowitz in Krakau anläßlich des Ablebens Moses Montefiorie's gehalten hat und die jetzt sein Schwager Herr Israel Kräsucki und Schüler H. Mendel Pamm herausgegebe» haben. Die geist- und gehaltreiche Rede schließt mit einem warmen Aufruf zur Unterstützung der Bewegung für die Colonisation Palästina's, wie denn auch der Ertrag der Brochüre diesem edlen nationalen Zwecke gewidmet ist. Es freut uns nur, daß wieder ein Rabbiner, dessen strenge Religiosität über allen Zweifel steht, offen für die Colonisationsbewegung Partei genommen hat. Briefkasten der Redaktion. Herrn S. F. in Belgrad. Ihre Correspondenz in nächster Nummer. Besten Gruß! Herrn A. A—n in Li bau Berichte und Correspondenzeu sind nnS sehr erwünscht. Herrn D. M. in kzernowitz. Die betreffende» Siatute»- paragraphe sind bei „A. J.“ noch nicht eingesügt. Dazu ist der Beschluß einer Plenarversammlung nothwendig. — Bei „M.“ liegt ein solcher Beschluß vor, doch kann es noch Monate dauern, bis er die Autorisation der Behörde erhält. Lasten Sie sich davon nicht abhal» ten »nb gründen Sie dort Ihre Vereine selbstständig; Sie können sich ja dann den hiesigen anschließen. — An Herr» R. B. W. werde» wir schreiben, dagegen nicht an Frau K. — Besten Gruß! Herren B. L — n in Boryslaw und Carl II. in Wien. Ihre Näthsel gelangen zur Verwendung. Herrn E. S. R. in Ananiew. Auch Ausländer können ordentliche Mitglieder des Vereines „A. J.“ werden. Jedes Mitglied hat einen regelmäßigen Monatsbeitrag (Minimum 20 kr.) zu leisten. Herrn I. Ä—i in Brody. Correspondeuz leider nach Schluß des Blattes angelongt. Auf die anderen Anfragen folgt briefliche Antwort. — Nationalen Gruß! Löbl. Verein „B’uej Zljon“ in Jerusalem. Wegen Raummangels in nächster Nummer. Herrn H. G in Podg. Die Mitgliedskarten des Vereines „A. J.“ sind noch nicht gedruckt. — Manuscript folgt nächstens. — Beste» Gruß! Correspondeuz der Administration. Frau Dorothea Segall in St. Petersburg. Der Empjang von I Rbl. als zweimonailichem Mitgliedsbeitrag wird von der Vereinsleitung des Vereines „Mirjam" dankend bestätigt.