Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 22 (17.12.1885)
- Date
- 1885-12-17
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 23 Selb ft «©mancipatio»! Seite H > nach Judäa, der nach einigen feigen Metzeleien das Land verließ, wobei er dem Landvolk befahl, dem Jakim zu gehorchen. Dieser führte einen Kampf gegen die chaSmonälsche Partei, sah aber bald ein, daß er den Kürzere» ziehe» werde und erbat sich wiederum vom Könige Hilfe. Auf dresc Bitte hi» zog Nikanor iu Judäa ein, veranstaltete eine Zusammenkunft mit J-hudah, wobei ein Vertrag geschloffen wurde und'trat geradezu in ein Freundschaftsverhältniß zu feinem Gegner. Nach einer kurzen Zeit der Ruhe erhielt der syrische Feldherr oo» seinem Könige auf Verleumdung des Jakim die strikte Weisung, Makkabi gefangen zu nehme». Jehudah merkte bald in dem veränderten Benehmen seines Freundes, was da vorgehe und zog sich in's. Gebirge, zurück. Es kam zum Treffen bei Lskar-8odulom, das zu Uagunsten der, Syrer ausging Nikanor zog sich nach Jerusalem zurück, wo er den'Priester» die Zerstörung des Tempels audrohte, falls sie nicht darnach trachten würden, ihm Jehudah ausznliesern und verließ dann die Stadt, um den Kamps fortzusetzen. Die Schlacht bei Adasa, von 3000 Nationalen geliefert, schloß mit einem gläizciiden Siege Jehudah's. Selbst Nikanor fiel. Durch diese Schlacht war Jehudah wieder Her: von Jerusalem. Im Frühjahre ISO rückte eine neue Geiahr heran» der Blutmensch BäkchideS erschien wieder in Judäa. Die Schlacht bei Eleasa schien die Frucht aller früheren Siege mit einem Male zu vernichte». Beim Anblicke des 22.000 Maun starken, feindlichen Heeres zerstreute sich Jehudah's Heer bis auf 800 Tapfere. Den gewiffe» Tod erwartend, kämpfte Makkabi bis zum letzten Lcbenshauche. Ec hatte als Held gelebt und war als Held gestorben. Die ihn überlebenden Brüder setzten das Befreiungswerk fort, und erreichten das langersehnte Ziel, die Unabhängigkeit. Jehudah Makkabi war es, der einen damals und leider gar zu oft auch später vergeffenen oder sogar verhöhnten Gedanken im Volke der Hebräer zur Geltung brachte, den Gedanken der Selbsthilfe — Selbsthilfe im edelsten Sinne des Wortes, den Gedanken der Auloemancipation, wie sie auch jetzt dem jüdischen Volke so nöthig wäre. Er trat durch dieses Programm in Gegensatz zu den von der Wirklichkeit ganz abstrahirenven Chaffidim. die auf übernatürlichem Wege eine Wendung der Diuge zum B.fferen erwarteten, er trat a»ch in Gegensatz zn jenen Indifferente», die den Untergang des Volkes für gewiß erklärten und mit den Händen in der Tasch: diesem ruhig eutgegensahen. Gegenüber den Chaffidim, die blos die religiöse Eigeuthümlichkeit betonten, hob er als zweites, ebenbürtiges Moment die Volkseigenihümlichkeit hervor, gegenüber den Hellenisten drang er ans ein jüdisches Volksthum. Jehudah Makkabi war aber auch der Mann dazu, diesem Gedanken Anerkennung zn verschaffe», seine Landsleute mit der Begeisterung zu erfülle», die ihn ganz beseelte. Immer und überall hat, das weiß man. die Beredlsamkeit mächtig gewirkt und mehr noch als der kunstvoll rhetorisch geschmückte Redefluß des auf der Tribüne stehenden Staatsmannes gehen dtwenigen .begeisterten Worte zn Herzen, die der Feldherr vor der Schlacht in kriegerisch-kräftiger Weise an die Kämpfer richtet. Solche Worte entscheiden oft das Glück ganzer Völker und in solchen Worten war Jehudah Meister, nmiowehr war er es, als er sprach, wie er fühlte und dachte. Wie sagte er nicht vor der Schlacht von Lotst-Norou? Nicht die Menge macht den Sieg, sondern die Gottergebenhelt; Nicht im Unrechte sei», ist eine starke Macht." Für ihn ist Recht Macht und nicht Macht Recht. Vor der Schlacht bei EmmanS rief er aus, jetzt oder nie sei die Zeit, den Muth zn zeigen, die Freiheit sei an und für sich schon ein begehrenswerthes Git, um so begehrenswerther sei sie aber, da sie in diesem Falle auch Gewissensfreiheit bedeute; Preise, wie Freiheit, Vaterland, Gesetz und Glauben seien zu erringen. — Doch nicht blos diese momentan wirkende Beredtsamkeit, die der Dolmetsch der tiefiunersteu Ueberzengung Jehudah's war, befähigte ihn zur Leitung des VolksaufstandeS. Auch seine eigene persönliche Tapferkeit, sein Heldenmuth, seine Todesverachtung feuerten zur Nachahmung an, erzeugten jene» Ungestüm im Angriffe, durch den BesreiungS- und Glaubenskämpfer sich anszeichnen und durch den sie das Uebergewicht über die Feinde erlangen. Die Tapferkeit Makkabi's hebt schon der alle Mothithiahn auf dem Sterbebette hervor, sie ist verbürgt durch die Erzählung, baß I hudah den Apollonius eigenhändig getödtet und fortan deffen Schwert in allen Schlachten getragen habe, mag auch die Erzählung selbst in den Bereich der Legende gehören, seine Tapferkeit erscheint aber in dem herrlichsten Lichte durch die Art, wie der edle Jehudah gestorben. „Die Sonne möge eS nie bescheine»,« sagte er, .daß ich die Schmach dem Tode vorzöge« und ließ sich mit 800 Mann in einen Kampf rin gegen 22.000 aus der anderen Seite. Nach einem verzweifelten Angriff auf den rechten Flügel des feindlichen Heeres ward er elngeschloffen. Er machte Halt und focht wie ein Löwe, so lange, bis er verwundet niedersank. Man meine aber nicht, daß nur dsc verblendenden Eigenschaften eines begeisternden Redetalents und einer imponirenden Tapferkeit Jehudah zum Sieger machten und gar kein intellectuelles Moment dabei mitgespielt habe. Ein kurzer Blick durch die Geschichte des sechsjährigen Kriege» zeigt uns überall eine rechte Benützung der Gegenwarr und eine Planvolle Vorsorge für die ZukunsU Die lichtvollste Glorie umgibt aber die Gestalt deS Helden aus dem jüdischen Alterthunie, wenn man bedenkt, daß er sich in dem blutigen Handwerke eines langjährigen Krieger» einkindlich, reine Seele bewahrt bat. Seine Frömmigkeit war natürlich weit enifernt von dem Bombast, den die Chaffidäer auf die jüdische R-ligion gehäuft halten. Auch als großer Mann ein echte» Kind seiner Zeit, ließ er jeder Schlacht ein Gebet vorausg-hen. aber er wußte sich dann auch zu schlagen. Der Anblick des entsetzlich geschändeten Gotteshauses brachte den Mann, den ein rasender Kampf gestählt hatte, zum Weinen. Wahrlich, er brauchte sich dieser Thränen, die die tiefe Verwundung seine» patriotische» uns religiösen Gefühles bezeugten, nicht zn schämen; folgte doch der Klage der Kampf und ging er ihr ja voraus. - Jehudah Makkabi veranlaßte ein achttägiges national-religiöses Fest, damit das Volk jenes besceligende und stolz machende Bewußtsein wieder kenne» lerne, das man „Nationalbewnßtjein« nennt. Das Volk — Die Chaffidäer eingerechnet — erkannte alle die Wohlthaten, die ihm Jehudah Makkabi erwiesen und war von Dankbarkeit, Liebe, Bewunderung zu seine», Helden erfüllt und doch hat dieser, selbstlos wie er war. nie das Bestreben gezeigt, seine Stellung in egoistisch-tyrannischem Sinne auszubeuteu, wiewohl noch dazu anzunehmen ist, daß er von der Tempelweihe angefange» bis zn seinem Tode das Hohenpriesteranit bekleidet hat, womit damals die-oberste Leitung der weltlichen Angelegenheiten verbunden war. Sage, Mythe nuü Legende haben wie ein Kranz den jüdischen Freiheitshelden nmivoben, der beste Beweis für seine Große. Und doch wurde dieser Mann später leider nur allzuw.-nig vom Volke gekannt, leider zu wenig dem Volke als leuchtendes Muster gezeigt. Die moderne Form deS Chaffidäerthnms, eine überspannte Frömmelei, nicht Frömmigkeit, einerseits, andererseits die modernen Nachahmer der Hellenisten, unsere Affimilanten und Affimilirten, haben es bewirkt, daß dieser Heros unseres Volkes nicht so bekannt ist, als er es zu sein verdient, daß das Fest, deffen jährliche Wiederkehr jeden wahre» Hebräer ohne Unterschied der GlaubenSmeinung mit Stolz und Zuversicht erfüllen und ihn die großen Männer der eigenen Nation bewundern lernen soll, daß dieses Fest eine stiefmütterliche Behandlung erfahren hat; doch es wirs anders werden, es tagt bereits; .derseloe G-ist, der J-hudah Mlkkabi zn seinen unvergeßlichen Thate» entflammte, ist von Neuem wieder ansgelebt; derselbe nationale Geist wird ein freies, einiges und brüderliches Israel schaffen. Officikllk Miiihtilungrn jüdisch-nationaler Dereine. Verein jüdischer junger Damen „Mirjam'* in Wien. Nachträglich die Name» der in's Schiedsgericht gewählten Damm: Frl. Anna Schlesinger; Fcl. Gerstmaun; Fcl. Tderese Spieg'l; Frl. Back; Fcl. «ahn. Es wird ein Diener zur Eincassiernng der MttgliedSbeiträge anfgeiiommen werden. Die Wereirrskeilrrng. . 8. Teweth. 5646. UBten, am .. _--—■ 16. Dezember 1835. verein jüdischer junget Männer „Zukunft" in Wien. Sonntaa, den 13. d. fand in Robitschek's Localitäten die erste ordentliche Plenarversammlnng des Vereines statt. Der vom Präses vorgetragene Rechenschaftsbericht *) wurde genehmigend zur Kenutniß genommen und dem abtretendeu Ausschüsse der Dank für seine bisherige Mühewaltung pcotocollarisch auSgedrückt. Beim dritte» Punkte der Tagesordnung (Wahl der Bereinsfuuclionäre) konnte eine Einigung bezüglich der aufgestellten Caiidldaten nicht erzielt werden und wurde die Versammlung nach vierstündiger Dauer geschloffen. _ *) A „ nt er Jun g der Redaktion: Der vorgetragene Rechenschaftsbericht enthält sehr interessante Date», welche nicht nur das rasche Umsichgreifen der jüdisch-nationale» Idee, in Oesterreich und speciell in Wien constatiren. sondern auch Zeug aiß ablege i» welch' große Fortschritte dieser erst fünf Monate bestehende Verein gemacht , hat. Sollte eS uns der Raum gestatte», so werden wir in nächster Nummer einen kleinen Auszug auS dem Berichte veröffentlichen.