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Selbst-Emancipation · 1885-12-17 · Heft 22 (17.12.1885) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 22 (17.12.1885)
Date
1885-12-17
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 22 Se > bst » Ema n c ipationk Seite 9 U: Die Erscheinung. «Ballade von R. A. Brandes^ Aus dein Jargon übersetzt von F . . d. An» blauen Ejimmel gold'ne Stcriilcin flimmerit, (Ein weißer Mantel hüllt die Erde ein Und Schneecr^stalle siehst Du allseits schimmern, Im Wettstreit mit dem klaren Lteriienschein, Im Wettstreit mit den Lämpchen freundlich glimmend, harmonisch zu den kichtaccorden stimmend. was eilt die Jugend mit den Rosenwanaen So hastig in den schön gezierten Saal? was sammelt sicb, geschmückt in Festesprangen, Die frohe Sippschaft heute allzirmal? Und die Menorah strahlt nt Fe,«erglänze, Umjnbelt von der Kinder Freudentänze.' Lhaiiukaflammen sind es, die wir sehen. Sie brenne» schon seit zweimal tausend Jahr', was seh' ich aber dort im Winkel stehen? Ist es ein Traumbild, oder ist es wahr? <D, blickt nur hin nach der Menorah Flammen, V, blickt doch. Jung und Alt, und blickt zusammen I Lin edler Greis mit silbergrauen haaren Und alabasterweißem Seidenbart, Gesendet scheint er von den Lngelsschaaren, So mild ist seine Stirne, lieb und zart. Allein die Gluthenaugen blitzen rollend Und seine Stimme gleicht dem Donner grollend. Er hält ein Schwert, ein blankes, in der einen, Die Thorarolle in der aiid'reu Hand; Und Tropfen Blutes kleben auf dem reinen. Dem lichtdurchwirkten, himmlischen Gewand. Es zittert jedes Herz — und jede Seele bebt, Jndeß der edle Greis der Stimme Klang erhebt: .Verfolgt, verhaßt iiiid schmählich unterdrücket. Beherrscht vom Feind, beherrscht von Griechenland, verhöhnt die kehr', das hehre Reich besieget. Bedroht von Untergang, bedroht von Schund', Gehetzt von dem Bedränger weit und breit, So ging's dem Judenthum zu meiner Zeit. .Und trotzdem hat die Schaar den Sieg erruirgen, So klein an Zahl, vom Mangel hart gequält; Doch hat die Eintracht nns'ren Kreis umschlungen, vereintes hoffen nns'ren Muth gestählt. Die Eintracht ist ein Talisman, so hold. Mehr wirket s i e, als rohe Kraft und Gold. .Zweitausend Jahre schwanden, liebe Brüde-, Seit jener Zeit, so rauh und stürmisch wild. Nun komm' ich heut' herab und schaue wieder Gebroch'nen Herzens noch das alte Bild Man schlägt, man haßt, man plündert wie jeher Mein theures Volk »nd seine Gotteslehr'l .Und die da stacker», die Lhaiiukaflammen, Sie lehren Luch in ihrer stillen Pracht, was das bedeutet, wen» wir steh'» zusammen: Die Eintracht — Hand in Hand l — sie gibt uns Macht. Denn einzeln muß der Stärkste unterliegen. Geeinigt können auch die Schwächsten siegen. „Seid einig also, stellt Euch in die Reihe, .„Maccabi 1“" Losung — „„Lhaiiuka"" Parol' l Die Thora und die Bildung führen treue, Nun kämpft mit Muth. wenn's Freiheit gelteir soll l Seid einig l Reichet Luch die Bruderhände l Seid eins und stark, dann hat die Noth ein Lude.. , - - „Sag' an, Du Geist aus blauen Aethersphäreu, wer bist Du, würdevoller, hoher Greis? Bist Du gesandt von jenen Lugelschöreu, von Gott gesandt in diesen Erdeukreis? was starrt Dein Blick mit Schnurz au die Menorah? was liegt Dir so am Herzen »ns're Thora?" .Ich war ein Held, ein Schrecken der Philister, Mathathias ist mein bekannter Nam', Mein Vater Jochanan war hoher Priester, Die Maccabäer sind mein heldeustamm. Ich kam, um Euch zur Einigkeit zu leiten Und Euch den Sinn von Lhanuka zu deute»." — Novelle von Wehemicr Wevnev. - (Forts, tzung.) „Meine Wiege _ stand in einem Städtchen Russisch- Polens. Dort war mein Vater ein angesehener Kaufmann, der in Folge seines Wohlstandes und seines Jichus die geachtete Stellung eines Bosch hakohol inne hatte. Die jüdische Bevölkerung der Stadt war die strenggläubigste, welche sich denken läßt; jede profane Bildung war ihr, verhaßt und unbekannt. Ich wuchs so auf wie meine Umgebung : Der Talmud war die Tummelstätte meines Geistes, auf welcher ich denselben übte und schärfte. Und doch unterschied ich mich in Einem von meinen-Altersgenossen; ich siudirte nrmlich auch fleißig die B:bel, welche von jenen sastgar nicht gepflegt wurde.. Das ewige Buch in seiner erhabenen Einfachheit, seiner,, sittlichen Größe, mit seiner greinen;! herrlichen -Sprache, redete , mir mehr zu B.müthe — und das Genittth hatte in meinem Wesen die Oberhand über den Verstand/ dem freilich der Talmud trotz feiner umfangreichen Ausführlichkeit und seiner MischdialecteS tusagte. Das genaue und eifrige Lesen in der Bibel halte mich sozusagen aufgeklärt; ich ahnte, daß der Mensch als Individuum und Mitglied der Gesellschaft Aufgaben haben müsse, von deren Beschaffenheit ich, der Sohn des verachteten und in seinem Verachtetsein versumpfenden Jud,»- stammes, keine Ahnung haben konnte. Ich war achtzehn Jahre alt geworden, als die napoleonische Armee den Boden meines Vaterlandes betrat. Eine französische Division quartirte sich auch in unserem Städtchen ein und die Officier« nahmen ihre Wohnung bei meinem Vater, als einem der angesehensten Bürger. Zufällig verblieben die Truppe» über eine Woche im Orte und ich hatte Gelegenheit, weltliche Sitte und die Beschäftigung mit de» Künsten und Wissenschaften bei anderen zu sehen. Einige von den Officieren vergessene Schriften erregten die -Sehnsucht in mir, sie zu verstehen, und ich schlich mich mit - ihnen zu einem rm Orte wohnender» i «■roaBMämawitsiBsaaaaii^^ niu.. - -• av. wnt&

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