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Selbst-Emancipation · 1885-12-02 · Heft 21 (2.12.1885) · p. Seite 9

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 21 (2.12.1885)
Date
1885-12-02
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 S e l b st - E m a n c i p a t i o n! Seite 2 Alakkabi's Geist. I» Gau Eben mallen woiiiietrimken Reine Seelen ohne Zahl, Reine Seelen, d.iieu länast versunken Ist das ird'sche Ianiinerthal. Auf dein höchsten Frcudengipfel stehend, Athmen sie die ksiinmelsluft, Und des ewigen Gottes Hoheit sehend, Trinken sie de» Gottesdnft. Line uuter ihnen aber trauert, Fühlet nicht des Lümmels Freud'. Wehe, auch in» Paradiese dauert Fort der Erde Schmerz und Leid? „Craure nicht, Makkabi's kseldenseele. Denn Dich nahm der Himmel aus; Nicht für Klageruf ist diese Stelle, Stör' nickt Lden's Freudeulauf i" „Großer Weltenvater, Gott, verzeihe, Wenn ich breche Dein Gebot; Auch des Paradieses Wouueweihe Macht mich für mein Volk nicht todt. Sieh', oh sieh' hinunter, Gott, Allmächt'ger, Auf Dein Wahlvolk Israel, Sieh', wie jetzt iir Finsterniß, in nächt'ger Einst Dein leuchtend Kronjuwel l Kann ich selig schwelgen in Entzücken, In der Himmel harmonei, Wenn so lange schon ans Iuda's Rücken Ruht das Joch der Sklaverei? Gib' mir doch die Kraft des Lebens wieder, Gott, ach. nur auf kurze Zeit; Sende, sende mich zur Lrde nieder. Fort zum „euen Freiheitsstreit I Laß, ach, wieder mich mein Volk entketten, Lösen aus der Feindeshand; Auch vom Tode laß mich's wieder retten, Den es selber sich erfand!" „Seele, die Du auch in Eden leidest. Deine Klage sei gehört; Seele, die Du Himmelswonne «neidest. Deine Bitte sei gewährt! Zwar nicht sollst Du lebend wiederkehren, In das ird'sche Reich zurück. Doch als reiner Geist sollst Du bescheecen Deinem Volke neues Glück l Wieder strahle ihn, die Freiheitssonue, wieder sehe es sein Land, Wieder lebe es in Lust und Wonne Sorgenlos an Iordan's Strand l Geh' hinab und wandre. Kräfte spendend. Dorten über Land und Meer, Bis Du, Deines Volkes Unglück endend. Wieder kominst nach Eden her!" Und Makkabi's Geist auf Lrden wallet; Ueb'rall aber, wo er weilt. Tausendfach der Ruf nach Zijon schallet And des Volkes Wunde heilt. N. B-m >73 “]/$> 3 p\r» Novelle von Wehernia Mevnev. Es war an einem Jannar-Vormittage des Jahres 1868 im Lande Niederösterreich. Purpurroth leuchtete die Sonnenscheibe und verlieh dem sie umgebenden Nebel eine rosige Färbung. An den entlaubten Aesten und Zweigen der Bäume und Sträucher hingen glänzende Eiszapfen, die Verwandten der großen Eisblvcke, welche sie auf dem großen Donaustrome vorbeischwimmen sahen. Der vereiste Schnee knisterte unter den Füßen der einsamen Wanderer -77außer dem Krächzen der Raben lind dem zuweilen ertönenden Schüsse eines Waidmaunes das einzige Geräusch, welches die Stille der winterlichen Landschaft unterbrach. Und wie die Wanderer eilten vor Kälte! Der Mann aber, der eben herankam, ging recht langsam. Nicht etwa, daß er die Kälte verachtet hätte; nein, er konnte, nicht schneller? gehen — vor Alter und Schwäche. Sehen wir ihn uns genauer an : Seine Gestalt ist schlank, aber, gebeugt; sein Gesicht gefurcht und gerunzelt, von einem langen, weißen, zerzausten Barte umgeben, sein Kopf kahl; durch die große Hornbrille, die auf seiner Adlernase sitzt, leuchten, von rothen Rändern umgeben, zwei schwarze Augen in fast jugendlichem Feuer hindii'ch; die blutlosen Lippen öffnen und schließen sich unaufhörlich im Selbstgespräche, und zeigen das Mangeln der Zähne. Worüber cr sich wohl mit sich selbst unt.'rhält? „Großvater, Großvater!" rief jetzt plötzlich die kräftige Stimme eines jungen Mannes, der hinter dem Greise im Eilschritt herankam, und der Angerufene wendete sich Halt machend um. „Gehen wir zusammen Großväterch-n; ich wollte anfangs. erst Nachmittags nach T. zu meiner Blümele; doch überlegte ich's mir: Wenn ich jetzt mit Dir hingehe, so kann ich erstens beim Lliujs.ii sein und bin zweitens einige Stunden länger bei meiner Braut". „Ich wollte nicht untersuchen, lieber Samuel" sagte der Alte lächelnd mit seiner angenehmen, wenn auch heisere» Stimme, „welcher der beiden Gründe Dich mehr bewogen hat, mir nachzueilen". „Du warst ja auch einmal jung. Großväterchen", antwortete der junge Mann in scherzhaftem Tone.

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