Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 20 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3092672-3092673-3092693--0263-3093202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10 S,elbst - E »nancipatio n! 9tr. 20 s Literarisches. JDe-erez awothenn von Salman David Le» w aut in. Warsckau 5645. (Der Erlös ist den Colonisten von Bisolion le-Zijon gewidmet ) Der Verfasser ist der Gründer der Colonie Bischon le-Zijon und hat sich in dieser Beziehung unübertreffliche Verdienste erworben. In dem uns vorliegenden Schriftchen erzählt er auf sehr an» schauliche Weise die Geschichte seines zweijährigen Aufenthaltes im heiligen Lande, ist aber vor Allem bemüht, eine Selbstrechtfertigung gegen verschiedene Angriffe und Vor» - würfe zu schreiben. Diese Absicht ist ihm auch völlig gelungen, nur hätte er nicht die Ehre anderer bekannter Persönlichkeiten so angreifen sollen, als er es in der Broschüre thatsächlich thut.; vZuden als Ackerbauern. Ein Beitrag zur Lösung der socialen Frage der Jude» in Galizien von, Moritz L a za r uS. Lemberg 1885. —Die Broschüre verwirft die Vergrößerung deS jüdischen Handwerkerstandes in Galizien — er sei ohnehin groß genug — und hält nur das Acker» dauproject für eine Erlösung aus der socialen Mißlage der t dortigen Juden. — Wir haben bereits bei Besprechung der 5 culmrellen Unternehmungen der Wiener Jsr. Allianz nn Osten der Monarchie unsere Stellung gegenüber den Bestrebungen zur Einführung deS Ackerbaues unter den galizischen Juden ktargrlegt und fügen dem hinzu: Eine verhältnißgemäße Bctheiligung der Juden am Ackerbau, wie sie der Verfasser verlangt und erhofft, wird ebenso wenig in Galizien wie übe, Haupt wo in Europa, möglich sein und zwar vermöge - von national-ökonomischen Thatsachen, die das Resultat historiicher Entwicklung sind und auS ethnographischen Grün-!? den. (Wir werden auch demnächst in einem längeren sachlichen \ Artikel auf diese Frage zurückkommen.) — Bia» darf also s keine allzu großen Hoffnungen in dieser Hinsicht hegen und. j. muß sich mit dem auch nicht zu verachtenden Nutze» zuf> rede» geben, daß durch den jüdischen Ackerbau in Europa!! der Beweis der Fähigkeit der Juden zur Landwlrthjchaft I geliefert werden dürfte vnd ein, wenn auch kleiner Theil unseres Volkes einer Beschäftigung obläge, die keinen An» ls grrffen, was ihre sittliche Qualität betrifft,. auSgesetzt ist. f — ■ Immerhin find die Auseinandersetzungen deS Herrn ß > LazaruS, die übrigens in einer klaren Sprache geschrieben I, sind, nicht unbeachtet zu lasten. § Rischon lemikra von Michael Wolf, Lein» I berg 187,8. Eine treffliche Fibel, die, war nie genug lobend |: - hervorgehoben werden kann, darauf sieht, daß daS Kind itz die Grundlagen der hebräische» Sprachkenntniß erhält. i Pulsschläge 3 Novelle von " WeHerrrice ferner. . (Schluß.) >i Sternberg sah mit einigem Schrecken die Wirkung ß seiner Worte und fast bereute er schon, dieselben gesprochen | zu haben. Sie mußten zwar unbedingt die grenzenlose Liebe 3i!- zu Rosa auS dem Herzen deS Freundes geriffen haben, aber wer bürgte dafür, daß nicht in diesem jetzt liebeleeren i jungen Manne verbissener Menschenhaß und trübe Menj. schenverachtuug Einzug halten und so jede Grundlage von p späterem Glück zerstören werden? DaS durfte nicht geschel hen und sofort wollte Sternberg mit seineui Rettungswerke beginnen. i „Weine nicht" sagte er ruhigen Toner, indem 1er auf s. Simon zntrat und seine Hand ergriff, „sei ein Mann! ß Weinen ist unmännlich." s!'. „Du hast Recht, Eduard" antwortete der Ermahnte. | „(Bott ist mein Zeuge, daß mich bisher noch nie ein Schmerz bis zu Thränen brachte, aber, war ich jetzt leide, ist zu fürchterlich, Du weißt eben nicht, wie sehr ich sie verehrte. Ich glaubte an Menschenthum und Menschen» würde, weit ich an sie glaubte. Wäre sie so edel, so rein', als ich meinte, sie wäre ewig die Leuchte geblieben, von welcher meine durch die hoffnungslose Liebe kranke Seele das nöthige Licht erhalten hätte, damit sie nicht verkümmere. Aber jetzt, nachdem ans diesem Lichtquell ein Meer von Finstermß geworden ist,-woher dann den Balsam für die wunde Seele nehmen? Wer soll mir ihn bieten? Diese elende Welt etwa mit ihren elenden Kindern, von denen dasjenige, welches ich für das beste, für einen unter die Sterblichen versetzten Engel hielt, ein böser, lebenvergiftender Dämon ist?" Der junge Mann erhob sich nach diesen Worten und ging langsam, gesenkten Hauptes im Zimmer auf und ab. Sternderg folgte mit den Augen de» schleppenden Schritten deS Freundes. ' „Richte Dich auf, Simon", sagte er nach einer kurzen Pause, in der nur die regelmäßige,» Tritte des Unglücklichen die Stille unterbrochen halten. „Woran soll ich mich aufrichten?" antwortete Berger, einen Augenblick stille stehend, bald aber seine Wanderung wieder ausnehmend. „An der Erkenntniß der Wahrheit." „Die ist es ja aber gerade, die mich niedergeschmettert hat." „Ganz mit Unrecht! Sage mir Simon, liebst Du denn jetzt auch noch diese Rosa?" „Nein." „Weil Du sie verachten mußt, nicht wahr?" „Weil ich sie verachten muß", flüsterte Simon und seufzte. „Wenn Du sie aber verachtest und nicht mehr liebst, gelte Dir alles, was vorgegänge», als ein böser Traum, den man der Morgens vergeffen muß". „Der Traum war anfangs zu süß und später zu schrecklich, als daß man seiner vergessen könnte." „Sei nicht so kindisch! Beantworte mir doch die Frage. Was wäre aus Dir geworden, wenn Dir das Schicksal keinen Rosenthal in den Weg gestellt hätte, wenn Du Rosa, diesen lebenvergiftenden Dämon, wie Du Dich selbst aurdrückst, heimgeführt hättest?" Simon schauerte zusammen. „Das wäre gräßlich, gräßlich!" murmelte er. „Siehst Du, Freund, Du bebst schon, wenn ich''nur \ von der Möglichkeit spreche und doch willst Du nicht einsehen, daß Du der Vorsehung für den Dienst danken solltest, den Dir Rosenthal geleistet bat." Sternberg hielt einen Augenblick inne, Simon schwieg. „Worüber bist Du eigentlich betrübt?" fuhr Sternberg muthiger fort, „Du solltest aufathmen, wie einer, der ein HauS ein stürzen steht, das er vor wenigen Angcnblicken verlaffen hat. Du bist ja einem entsetzlichen, unbeschreiblichen Elende entronnen, Du liebst Rosa nicht mehr, folglich kannst Dn Dich über ihren Verlust nicht grämen und wen» Du Dich darüber nicht mehr grämst. brauchst Du ja auch keinen Trost im Glauben an dieses Mädchen zu suchen." „Aber mit dem Glauben an Rosa schwand auch der y Glaube an alles Gute und Edle dieser Welt. Allmächtiger Gott, woher weiterhin Vertrauen nehmen zu den Mitmenschen, wenn man so bitter enttäuscht wurde." „Meinst' Du wirklich, daß alle Menschenkinder von dem Schlage Rosenthals und Rosa's sind?" ' „Ach, alles Gute, aller Edelsinn ist Marke; denn wer hätte in diesem Mädchen eine solche Seele vermuthet?" „Du kommst imtner wieder auf sie zurück. Wer bei diesem Mädchen eine ^solche Seele ' vermuthet hätte? Ich