Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 20 (17.11.1885)
- Date
- 1885-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3092672-3092673-3092693--0254-3093193- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Abonnements - Preise: (Postzusrndun« inbegriffen.» Fu: C ellerr.-Uiigarn: San,iäßri« N. ».«« Halbjährig I SO .«ierleijähr .. ,, Lentichland: . . Banziährig Mk. 6 6« Halbjährig „ ».so Bieriellähr. .. I 65 Rußland: ... Ganzjährig Rbl. Haidlädrig „ Bieileljähr. l.- „ die übr. Länder: Gaiizjähr. Frcs. s - ' Haldjähr. „ 1.5« Bierieljähr. „ 2 25 BF Inserate billig». "Wg Zeitschrift natian&Icu, forinlnt unil pliti[(i)ni Iiiterrjsril fos jüdischen Stammes. Krscheiut zu Anfang und Mitte jedes Monats. tvcnn ich selbst inir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? ksillel.! Zkiiiltillll und Jlbmlaiftratian: Wien. H., Weresiengaffe 7. Sprechstunde: Täglich von 5 Uhr Nachmittags Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manufcripte nicht retournirt. -1 Nr. 20. Wien, 17. November. Jahrgang 1885. Inhalt r Die Rache der Weltgeschichte. — „Assimilation" (Schluß). — Chronik. — Die Gründungsfeier des Vereines „Zukunft." — Correspondeinen. - Erez Israel. — Briefkasten der Redaction. — Correspoiideiiz der Admiiiistratiou. — Inserate. — Officielle Miilheilunge» jüdiich-naiionaler Vereine. — Litnarisches. — PulSschlSge, Novelle von Nehemia Berner. — Der Traum, von I. Feld. — Die heilige Sprache im maurische» Spanien, von Jaspis. — Räthsellösungeu. Das Abonnement kann mit jedem Tage beginnen. Agenten, die mindestens 10 Exemplare benöthigen, können vom Pränumerationsbetrag, sofern sie denselben mit der Liste der Abonnenten der Administration einsenden, 157» als Provision für sich in Abzug bringen. . Die Admin ist r ati o n der Zeitschrift . „Setbst-Grnancipalion!". Die Rache der Weltgeschichte. Es ist, als ob sich au die Worte „Rom" und „römisch" das nationale Ung'ückdes jüdischen Stammes knüpfen würde, als wenn diese Laute nicht aufhören wollten, von böser Vorbedeutung für die Geschicke des hebräischen Volkes zu sein. Das gioße Rom des Alterthums war es zuerst, welches seine verderbenschwangere Hand mit eiserner Wucht auf das hilflose Israel legte und es mitleidslos zermalmte. Das heilige Rom des Mittelalters setzte die übernoiniiieiie Rolle fort, indem es durch die Gluthen der angezündeten Scheiterhaufen und durch die Eisenspitzen der Foltei Werkzeuge mit den Ueberresten der zerstreuten Nation fertig zu werden suchte. Aber auch die Gegenwart sollte uns zeigen, daß der „lönnsche" Name noch nichts von seiner verhängnißvollen Bedeutung für den jüdischen Stamm verloren hat. Ein Volk ist erstanden, das in seiner Sprache sich selbst Römer, sein Land Romania, Römerland, nennt, thatsächlich aber mit den alten Römern nichts anderes gemein hat, als blos den Namen und die Wuth gegen die Juden. Die rumänische Nation mit ihrer dunklen Herkunft, welche eine nicht ungegründet sein sollende geschichtliche Ansicht bis auf gewisse altrömische Strafcolonien zurücksüh'rt, dieses Mischvolk, in dessen Adern das Blllt der verschiedensten Racen unvereinbar brodelt und anwidernde Geschwüre zeitigt, hat die Macht, nach Willkür und Gutdünken über das Schicksal eines großen Thcils jenes Volkes zu verfügen, das rein ist seiner Abstammung und Gesittung nach, das trotz seines Zigeunerschickjals noch riesenhoch den verkümmerten Schemen der alten Mmer, die heutigen Rumänen, überragt. Ein Schrei der Entrüstung durchzlltelte bei der. Nachricht von den letzten Ausweisungen der rumänischen Regierung die gesammte Judenheit, aber nicht nur diese, sondern auch einen großen Theil der europäischen Völker, die nicht so glücklich sind, von römischen Sträflingen abznstammen, ja sogar den besseren, edleren Theil des Herz- und gefühllosen Stammes selbst. Sollte eine Regierung — sie läßt sich noch überdies liberal betiteln — nicht wie ein giftiges Unkraut vertilgt werde», wenn sie Menschenrecht und Menschenwürde so sehr mit Füßen tritt, daß sie die körperliche und moralische Peinigung eines gaiizen Stammes systematisch betreibt und noch hintendrein darüber beleidigt lhut, daß die dem geschunden-» Opfer sich entringenden Schmerzeusschreie die üvrige Welt aus ihr schmähliches, scheußliches und schmutziges Gebühren aufmerksam mache»? Sollte eine solche Jammer- R girrung nicht ebenso aus dem Lände gepeitscht werden, wie sie die eigeborenen und einheiinischen Juden jetzt aus dem Lande jagt? Wir vertrauen darauf, daß die Zeit der Ahndung einst kommen werde, denn wir glauben an eine Rache der Wel t geschichte. Ja, diese Negierung wird gestürzt werde» und je schneller dies geschehen wird, desto reuiger werden wir die Vorwürfe/die wir der ganzen rumänischen Nation ins Gesicht schleiiderten, zurücknehmen; je mehr sich aber dieser Sturz verzögert, je länger die Rumäiren eine solche Leitung ertrage», desto Mehr wird unsere Meinung über ihre sittliche Inferiorität bestärkt werden, desto würdiger sind sie, einst dasselbe dulden, dasselbe leiden zu müssen, als unser unglücklicher Stamm, desto mehr verdienen sie einstmals unserem Wandervolke gleich von Land zu Land irren zu müssen, unstätt und flüchtig, überall um Aufnahme bettelnd, wie das gehetzte Israel. Und Ihr, Nachkommen der alte» Hebräer, schämt Ihr Euch nicht, von Rumänen gejagt z>l werden? Fällt es Euch noch nicht ein, Versuche zu machen, um dieses Uebermaß von Schande abzuschüttteln. Denket doch an den trairrigen Gegensatz: Das Volk der Rumänen auf nationalem Boden, sich selbstverwaltend» als Herren und das Volk der Hebräer heimatlos, fremd, .als Knechte! Nachum Nathan Agassi. Die nächste Nnnrcher erscheint am 2. Dezember.