Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 19 (2.11.1885)
- Date
- 1885-11-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 Nr. 19 S e l b st - E in a n c ip a t i o n! französischen Sprache unterrichtet. Herr Ascheri hofft mit Bestimmtheit durch diesen Sprachunterricht den jüdischdeutschen Jargon aus dem Munde der Kleinen zu verdrängen und ihnen das Hebräische und Französische als Umgangssprachen anzugewöhnen. So erwiese sich denn die Colonisation Palästinas nicht nur in Bezug auf die Besktzniig des nationalen Bodens, sondern auch hinsichtlich der Wiederbelebung unserer nationalen Sprache als der praktischeste Weg znr Wiedergeburt Israels.;— Wie viel man übrigens von der neuen Schule in Losest Linast nichtjüdischerseits erwartet, zeigt der Umstand, daß der Paschah von Saffed seine zwei kleinen Söhne in diese Schule gegeben hat. Ist dies nicht eine Anerkennung der iw jüdischen Stamme wohnenden Fähigkeit, Criltur zu »u breiten? (gilt Abfall.) Unliebsames Aufsehen riefen die Predigten des Stadtrabbiners von Odessa, Herrn Dr. Schwabacher hervor, die derselbe am Scbabbatb t’scbuwah und am Jom Mppurim hielt und die gegen de» Palästina - Colonisationsgedanken gerichtet waren. Dr. Schwabacher war noch im vorigen Jahre ein warmer Gönner dieser Idee. Angesichts der steten Verengerung der Assimilationspartei und des Uebertritts der bedeutendsten Juden Rußlands zu den Nationalgesinnten kann man sich über diesen Ausnahmsfall leicht trösten, wenn es auch im ersten Augenblicke unangenehm ist, einen so angesehenen Mann, als es Dr. Schwabacher ist, zu verlieren. —Das Organ drs Mendelsohn-Vereines in Frankfurt a. M., die „Populär-wissenschaftlichen Monatsblätter", eine Zeitschrift von ungefälscht assimilatorischer Währung bringt über den Fall folgendes: „Herr Stadtrabbiner Dr. Schwahacher in Odessa wird, weil er in einer Rede von Israel sagte, daß es nicht den Berns habe, ei» Volkstum zu bilden, sondern zerstreut unter den Völkern dir Lehre Gottes zu verbreiten, von rationalen Fanatikern angegriffen. Möge er nur fortfahren, im prophetischen Geiste von dem Berufe Israels zu predigen." Wir antworten darauf: Die Verfechter der jüdischen Nationalidce, die über Israel die Meinung haben, daß es als Volkstum organisirt eher die sittliche Kraft haben werde, seinem hoben Berufe gerecht znwerden, werden von den Fanatikern des Zigeunertunis, des Schachers und Wuchers, der unthätigen Frömmelei getadelt, weil sie dem Dr. 'Schwabacher, der aus Altersschwäche sich nicht zur Erkenntniß der Richtigkeit der national-jüdischen Idee emporraffen kann, seinen Abfall ein wenig übel vermerken. Mögen die Nationalen sortfahren, ohne Ansehen der Person die Zioonsseindschaft zu geißeln! Literarisches. Fibel zur methodischen Behandlung bei dem ersten Elementar des hebr. Lesens und der hebr. Sprache von Filipp K u n. — Unser geschätzter Mitarbeiter, der in den drei letzten Nummern unseres Blattes eine Artikelserie veröffentlichte, für die ihm von Seiten vieler Pädagogen und Hebräisten aus Nah und Fern die wärmste Anerkennung ausgesprochen wurde, hat eben nicht nur kritisirt und gute Rathschläge gegeben, sondern auch selbst in der von ihm angedeuteten Richtung gearbeitet. Das uns im Manuscripte vorliegende Lehrbuch weist eine musterhafte Methodik auf. Die Erlernung des Lesens ist den Kindern ungemein leicht und angenehm gemacht, indem nur bekannte Begriffe für die Hebungen gewählt werden; zugleich wird dm Kindern bei gewissen Mitlauten ihre sprachliche Bedeutung (z. B. msrn Mehrzählbildung, waw ■' Verbindung) unmerkbar zum Bewußtsein gebracht. Die zusammenhängenden Leseübüngen 'sind aus der Bibel (die ersten Capitel ’Beresehith)' und dem Gebetbuche (die wichtigstem Gebets) genommen, so daß dieses Lehrbuch, wenn es gedruckt würde, den Kindern Fibel, Gebetbuch und Bibel sein könnte und also auch i» ökonomischer Beziehung ein Fortschritt wäre. Wir würden nur wünschen, daß der Verfasser für fein Werk, welches epochemachend auf dem Gebiete des hebräi- 'chen Lehrbücherwesens zu werden verspricht, recht bald beit Verleger finden möchte. („Hameorer“. Der Wecker.) Dies der Name einer neuen Zeitschrift in jüdisch-deutschem Jargon, die von dem bekannten Schriftsteller in hebräischer und russicher Sprache, Herrn M. L. Lilienblum in Odessa redigirt verden wird und sich die lobenSwerthe Aufgabe setzt, in )en breiten Volksmassen das Nationalgefühl. und die Begeisterung für die Colonisation des heiligen Landes zu Wecken. (Die biblischen Jinsterniffe.) Dr. Eduard Mahler, Assistent der k. k. österreichischen Gradmessung in Wien, überreichte der k. k. Academie der Wissenschaften eine Abhandlung unter obigem Titel, in welcher er, der vereits früher in einer sehr günstig aufgenommenen Schrift über die egyptische Finsterniß Untersuchungen angestellt hat, „unumstößlich sicher" als das Datum für den Auszug der Juden aus Egypten! den 27. März des Jahres 1335 vor Beginn der christlichen Zeitrechnung angibt. Viel Lärm um Nichts! Eine Frage und Bitte an Herrn Dr. Lippe in Jassy. In Nummer 12 unseres Blattes vom 19. Juli sagten wir bei Gelegenheit der Beschreibllng der Colouie Sicbron. Jacob: „Die Colouie Sichron Jacob . (früher Sämarin) wurde von dem nun selig entschlafenen Central-Comitb zur Colonisation Palästinas in Galatz (Rumänien) gegründet. (Bei den rumänischen Inden war die Flamme der Begeisterung mir ein Slrohfeuer, das bald wieder erlosch, während sie bei den russischen Juden eine unauslöschliche Fackel geworden ist").—Diese Stelle hat Sie, Herr Doctor, wie Sie im „Hamagid“ (Nr. 39 vom 8. October) er- 'zählen, bis zu Tyränen des Zornes aufgeregt. Wir erlauben uns zu f r a g e n: „Wa nt m?" — Diese Stelle hat Sie aber, Herr Doctor, auch veranlaßt, tu der „Oesterreichischen Wochenschrift" (Nr. 39 vom 16. Octob.( eine Philippika gegen die „Selbst-Emancipatiou!", die „Kadimah“ (wieso diese zu der Ehre kommt, ist uns ganz unerfindlich) und gegen den „Moiitefiore-Verband" (gegen letzteren trotz der beschönigenden Wendungen ganz deutlich) vom Stapel zu lasse». Wir erlauben uns zu f r a gen: „W a r u m?" — Sie erzählen uns in diesem Artikel. was die rumänische Judenheit für die Colonisations- Idee gethan hat. Haben wir es ab gestritten? Rein! — Sic erzählen uns. daß Sie um 3000 Frcs. reicher gewesen wären, wenn Sie der Colonisation ferne gestanden wären. Haben mit j« daran gezweifelt? Nein! — W as wo l l e n Sie also? Wozu der Lärm um Nichts? — Daß die rumänischen Juden ihre anfangs so rege Zionsthätigkeit eingestellt haben, ist ein Vorwurf, den' die wenige» Zionsfreunde-Gebliebenen in Rumänien selbst gleichfalls erheben. Sie werden doch nicht behaupten wollen, daß die. Colonisations-Bewegung in Rumänien jetzt blühe. Als erfahrener Mann, der nicht mehr zu den „Jüngeren" zählt, sondern, zu den Alten, sollten Sie doch einsehen, daß mau einen träge gewordenen Schüler, um ein „jüngeres" Beispiel, zu nehmen, nicht damit bessern kann, daß man über seine jetzige Faulheit schweigt und nur seinen früheren Fleiß belobhudelt. Wir bleiben dabei, daß die rumänische» Juden, mögt» sie auch, was wir gar nicht leugnen, die Ersten gewesen sein (um so unverzeihlicher dann ihr späteres Verhalten!) und 300.000 Frcs. zusainmengebracht