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Selbst-Emancipation · 1885-11-02 · Heft 19 (2.11.1885) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 19 (2.11.1885)
Date
1885-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«bonnemcnts - Preise: iPostzufendun,, inbegriffen.) eftetr.-Ungatn-. G-mjjähriz ft. 3.80 Halbjährig 1 80 Bierteljähr „ —.90 Ganzjährig Mk. 8.60 Halbjährig 3.30 Bierteljähr. „ 1.65 Ganzjährig Rbl. 4.— Halbjährig „ 2— Bierteljähr. „ l.— . Banzjähr. Frci. 9.— Haldjähr. 4.50 Bierteljähr. ,, 2 25 Inserate billig». . Deutschland: . Rußland: . Zeitschrift MtianaUti, fntialin md politisch«! Iotmssro des jüdischen Stammes. Erscheint zu Anfang und Witte jedes Monats. wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? hillel. JMatlian nah ^bininiftniion: Wien. U., Werefiengasse 7. | Sprechstunde: Täglich von -z—5 Uhr Nachmittags I Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht retournirt. Nr. 19. Wien, 2. November. Jahrgang 1885. Inhalt: Unsere Culturaufgabe. — „Affimilation" (Fortsetzung). — Chronik. — Correspondenzen. — Erez Israel. — Literarisches. — Viel Lärm um Nichts! — Offlcielle Mittheilungen des akad. Vereines „Kadimah“ — Officielle Mitthellungen des Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft." — Officielle Mittheilungen der Vereines „AhavasB Zijon" in Hamburg. — Briefkasten der Redaktion. — Correspondenz der Administration. — Inserate. — PulSschläge, Novelle von Nehemir Berner. — „Von der ersten Zerstörung Jerusalems bis zum Austreten Alexander des Großen" von N. Birnbaum. — Räthselausgaben. — Räthsellösungen. Unsere (Lulturaufgabe. „Mission" des jüdischen Stammes ist ein Wort, mit dem viel Unfug getrieben wurde und wird. Dieser Begriff ist für unsere Professions-Affimilanten zu einem Schlagworte geworden, in welchem sie ihre ganze neblige Gedankenverwirrung ausgedrückt glauben, mit dem es ihnen auch gelingt, so manche freie Geister und unabhängige Naturen für den Seifenblasenschaum ihrer Assimilationstheorie zu gewinnen. „Verbreitung der Gottesidee", „Versittlichung der Völker". „Herbeiführung der Menschenverbrüderungszeit" u. s. w. find die schmückenden Bänder für das „Missious"-Mäiitelcheii, das man den assimilatorischen Bestrebungen, die in Wirklichkeit ganz andere Richtungen haben, umhängt. Wenn man irgend einem solchen „Missionär" zuhört, so kommt man im ersten Augenblicke fast zur Ueberzeugung, die Vorsehung habe aus uns ein „Volk von W a^n d e rp r e d i g e r n" machen wollen. Sieht man sich aber die Sache etwas näher an, so wird freilich diese herrliche Aufgabe des „idealen Herumvagabundirens" iu einem — zu mindest ein wenig — zweifelhafterem Lichte erscheinen. Vor allem werden wir entdecken, daß das Judenthum fast ebenso viele „Missionen" hat, als „Missionäre", was doch gewiß für die Durchführung der fraglichen „Mission" eine recht fatale Geschichte rst. Der Eine läßt, die Juden die Menschheit in Gottesglänbige nniwandeln, rührt aber wahrlich keinen Fuß, um den Negern und Chinesen das Licht, zu bringen, sondern überläßt diese Mühe ruhig den Christen, welche letztere wieder schon vor zwei Jahrtausenden dem Judaismus die Gottesidee ablauschten und sie nicht heute erst von den Juden zu lernen brauchen. Der andere will, daß die Juden den Völkern die Ideen der Freiheit und Menschenwürde anerziehen, vergeffen aber, daß die europäischen Nationen, wenn sie auch einst bei uns in die Lehre giengen, jetzt bereits die Schulbubenjahre hinter sich haben und in dem bekannten Stolze der die Schule Verlassenden von unser Lehrmeisterei nichts mehr wissen wollen. Ein Dritter sieht in uns die Kämpfer der Allm^nschheit, die Vorläufer der Kosmopoliten-Epoche, die Verkünher des Tages, wo alle nationalen und religiösen Unterschiede verwischt werden» — übersieht aber, daß es der Milliarde Menschen, die national organisirt ist, viel besser geht, als dem Häuflein Juden in ihrem „glücklichen" denationalisirtem Zustande.' Die „Mission" des Judenthums wird in einem falschen Lichte gezeichnet, nur u,n die Nothwendigkeit seiner Zerstreuung zn beweisen, aber über diejenige Culturarbeit, die es wirklich vermöge seiner sittlichen und geistigen Begabung, seiner eigenthümlichen historischen Stellung nnd seiner Raceneigenschaften zu vollführen hat, wird hartnäckig geschwiegen, um nicht die nationale Idee und den Ziongedanken aufkommen zu lassen. Freilich die vsrschiedenen „Missionen" des Judenthums gestatten ja nebenher eine gewisse leibliche Behaglichkeit trotz des Hepp-Hepp- Geschreies von allen Seiten, denn man kann ja für die heilige „Mission" plappern und dabei mit dem vorgeworfenen „Schachergeist" sein Abkommen finden; dagegen verlangt die unbequeme Zionsidee, daß man sich einer „Mission" widme, nicht blos mit dem Munde, sondern auch mit dem Herzen, wobei man natürlich nicht zum Nebenvergnügen dem „Götzen Mammon" räuchern kann. Es ist wahr und die Geschichte des jüdischen Volkes bezeugt es: die Hebräer scheinen dazu bestimmt zu sein, der Welt sittliche Wahrheiten zu schenken. — Es ist unser Stolz — unh dieser tröstet uns im Elend — daß der größte Theil ver modernen Civilisation unser Erzeugniß ist. Unser Geist, der jüdische, hat aus den sittlichem und socialem Tohu -wabohu des Alterthums alle die regelmäßigen Formen moderner Gefittllng herauskristallisirt. Das ist eine Arbeit, die wir gethan haben, und wobei uns nichts mehr zu thun übrig bleibt. Die Mängel der europäischen Cultur können wir nicht beheben, weil ihr Urgrund in nicht zu erhellenden Schattenseiten des arischen Bölkercharalters liegt; wir können es nicht, wie wir wegen unserer semitischen Eigenart nicht im Stande sind, den arischen Theil der modernen Cultur vollends in unS aufzunehmen. Unsere b es andere Culturrolle ist also hier im Occidente ausgespielt und wir haben nicht einmal mehr den — practisch genommen — freil ich sehr fadenscheinigen Trost, den Mitmenschen zu Liebe zu leiden. Dagegen winkt uns ein doppelt schönes Ziel, wenn W Die nächste Nummer erscheint am 17. November. ~M

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