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Selbst-Emancipation · 1885-10-16 · Heft 18 (16.10.1885) · p. Seite 9

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 18 (16.10.1885)
Date
1885-10-16
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 Selbst-Emancipa tion! Sehnsucht. Dort, wo die Leder schlank die Wolke küßt Und wo die schnelle Iordanswelle fließt Dort, wo die Asche meiner Väter ruht. Das Feld getränkt hat Ulakkabäerblut: Dies heh're Reich, am blauen Meeresstrand, Ls ist mein liebes, trautes Vaterland l Und wenn mich rohe Kraft von dorten riß, In fremde Länder grausam mich verstieß; Das kserz, es blieb in Zion noch zurück: Nach Sonnenaufgang fliegt mein feuchter Blick. Ich fleh' nach Dsten, täglich hingewandt, Um Rückkehr in das theure Vaterland. Wenn aber nach des Schicksals strengem Mund Zu früh mein Auge bricht auf fremdem Grund, So senkt mich in die kühle Gruft behend Mit meinem Antlitz nach dem- Brient, Mit meiner Stirn' nach Zion hingewandt Nach meinem theuren, lieben Vaterland. Drin will ich lauschen, lauschen in Geduld, Bis abgebüßt ist meiner Väter Schuld, Bis sich das Maß der Leiden hat gefüllt, Und ein Erlöser meine Sehnsucht flillt, Und das vertriebene Volk mit starker Hand Zurückbringt in das holde Vaterland. Dort, wo die Leder schlank die Wolke küßt, Und wo die schnelle Iordanswelle fließt, Dort, wo die Asche meiner Väter ruht. Das Feld getränkt mit Makkabäerblut, Zn dieses Reich am blauen Meeresstrand. Zn dieses liebe, traute Vaterland l F . . d. P u lsschläge Novelle von —Wehernia ferner. (Fortsetzung.) Er bat und sie — erhörte ihn. Und wie war das gekommen? Sie sah sich von den beiden jungen Männern leidenschaftlich geliebt: Bei Simon erkannte sie es an seinen Blicken und Worten, in denen eine Welt voll Hingebung und Zärtlichkeit lag; andererseits war sie klug genug, in den herabsetzenden und verächtlichen Aeußerungen, die ihr Cousin über Berger machte, die gehäßige Eifersucht zu erkennen und diese selbst auf ihre eigene Person zurückzuführen. Und aus dieser Lage, die jeder Anderen peinlich gewesen wäre, während sie selbst diese Peinlichkeit nicht einmal empfand, hatte sie eine ganz eigene Art von Ausweg gefunden, sie entschloß sich, einfach nach dem bekannten Volkssprüchworte: „Wer früher kommt, mahlt früher!" ihr Verhalten einzurichten. Gedacht, gethan! Weil Albert Rosenthal sich früher einstellte, so mahlte er denn auch — und Simon Berger, der, nichts ahnend, sich verspätet hatte, mußte natürlich, als er dann selbst ankam, die Tafel leer finden. — Ein herrliches Princip, welches da von diesem engelsschönen Mädchen aufgestellt wurde! Was würde Simon zu demselben gesagt haben, wenn er es gekannt hätte — er, der eben das Zimmer betrat, als noch der Verlobungskuß Albert's auf der reinen, weißen Stirne des „so guten" und „so edlen" Mädchens brannte. Doch er hatte weder eine Ahnung von diesem wackeren Grundsatz, noch von dem eben geschlossenen Bunde zweier Herzen, der eben aus Rücksicht auf die ältere Schwester vorläufig nicht öffentlich gemacht werden sollte, und zuvorkommend, wie gewöhnlich, begrüßte er seine Rosa. — War es nun eine Täuschung oder hatte er doch recht gesehen? — Ein spöttisches Lächeln umspielte bei seinem Eintritte die Lippen des Mädchens und ihres Coufins und die Beiden sahen sich an, als ob sie sich sagen wollten: „Nicht wahr, wir haben jetzt denselben Gedanken?" Niemals schien ihm der harte Zug um Rosa's Mund so scharf hervorgetreten zu sein; als eben in diesem Momente. Simon fühlte sich unangenehm berührt. Er wurde verstimmt und blieb es auch als ein anderer Verwandter des Hauses,

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