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Selbst-Emancipation · 1885-10-16 · Heft 18 (16.10.1885) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 18 (16.10.1885)
Date
1885-10-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Selb st-E mancipatio n! Seite 7 stina niederlaffen loütbrn. Abgesehen von der herrlichen, nationalen Seite dieses Schrittes, wäre diese Colonisirung auch dem eigenen Wohlr der. Ausgewiesenen auf's Wärmste und Eindringlichste zu empfehlen. Die Zeiten, in welchen es zedem ein Leichter war. seinen Unterhalt zu erwerben. sind Ichon längst dahin. Ueberall herrscht jetzt eine drückende Deroute der Geschäfte. Wohin sich unsere Brüder wenden, müssen sie die schmierigsten Kämpfe dnrchmache», um ihr Dasein zu fristen. Selbst die neue Welt ist schon ihren Einwanderern nicht mehr so günstig, als früher. Tagiäg'ich sehen wir viele unserer arbeitsfähigen und arbeitslustige» Brüder aus Amerika -zurückkehren, weil sie dort, trotz aller Mühe ihr tägliches Brot nicht erwerbe» können. Wozu sich also verzweifelt in de» Strudel des wildbewegten Lebens Jenseits des Oceans werfen, wenn inan in Palästina ruhig und sicher leben kann? Besonders rathsam ist die Colonisirung Palästinas für diejenigen unserer ausgrwiesenen russischen Brüder, die mach treu am Glauben ihrer Väter hänge», und andererseits aus verschiedenen Gründen ihr Geburtsland nicht betreten dürfen. Diesen steht bei ihrer Auswanderung nach den -fremden Ländern ihre Religion überall int Wege. Wo sie auch ein Unterkommen finden sollten, kann ihre Existenz nur dann gesichert sein, wenn sie den Sabbalh entweihen und andere religiöse G.setze übertreten. In Palästina rdagegen können solche Männer ganz nach den Vorschriften unserer heiligen Religion leben; nichts hindert sie dort, die Gesetze des Ewigen zu befolgen und seine Gebote zu beobachten. Mögen diese meine Worte unseren Brüdern, die der harte Schlag der Ausweisung getroffen hat. zu Herzen gehen und sie bewegen» mit vereinten Kräften an die -Colonisirung Palästinas zu schreiten. S. Epstein. Der Unterricht des Hebräischen an unseren Volksschulen, n. „Die Aufgabe der hebräischen Fibel." Einer der wichtigsten Grundsätze der modernen Pädagogik ist wohl unstreitig der: „Unterrichte anschaulich!" Dabei kommt mir unwillkürlich der einfältige LehramtS- 'Candidat in den Sinn, der gelegentlich der LehrerbefähigungS- Prüfung auf die an ihn gerichtete Frage, wie er den biblischen Geschichts-Unterricht veranschaulichen würde, ganz naiv zur Antwort gab: Wenn ich z. B. vom Abraham spreche, werde ich halt einen Abraham an die Tafel malen. Es genügt bei weitem nicht, wenn die Kinder beim hebr. Lesen bloS die gedruckten Buchstaben anschauen und lesen, bas wäre ja der „aufgemalte Abraham" vu miniature. Die Aufgabe der hebr. Fibel darf in der modernen Volksschule . keine andere sein, als die ihrer Collegin in der Muttersprache. Neben der Erzielung der mechanischen Lesefertigkeit ist auch die Aufgabe der hebr. Fibel, das Kind zum Denken anzuleiten, de» Geist des Kindes zu wecken, das Verständniß des Gelesenen möglichst zu erreichen und so das Interesse des Kindes stets rege zu erhalten, das Sprachgefühl zu wecken und systematisch den Grund zum späteren Sprachunterrichte zu legen. . Es müssen hier auch in erster Reihe den Kindern möglichst bekannte Begriffe vorgeführt werden. Seit uralter Zeit haben sich ja echt hebräische Wörter bei uns einge. bürgert,, sind den Kindern mundgerecht, werden sogar häufig von ihnen angewendet. Wie freut sich das kindliche Herz, wenn es ein bekanntes Wort findet, es wird zutraulicher. Also vom Bekannten zum Unbekannten, vom Leichten zum Schweren, daß das Kind dadurch mehr Jiltersse für den -Gegenstand hat. Daß das Verständniß das Erlernen des Lesens unterstützt, ist wohl selbstverständlich. Aus der Fibel müssen ferner die Kinder die Eigenthümlichkeiten der Sprache unbewußt kennen lernen, so daß die Sprachformen durch fleißiges Neben — rot» dies ja anfangs geschehen muß — in Fleisch und Blut übergehen. Es wird dadurch das Sprachgefühl — ohne früher Sprachlehre zit treiben — rege gemacht, und so zum spätern Sprachunterrichte vorbereitet. Anstatt also den Kindern ganz fremde, unzusammenhänaende Begriffe vorzusühren — wie es die bisherigen Verfasser durchwegs gethan— ist es meines Erachtens bedeutend praktischer den Fib'lstoff den ersten 2 Kapitel aus dem 1. Buche Mosis und den Segensiprüchen zu entlehnen, was ja die Kinder unmittelbar nach dem Erlerne» des Lesens lernen, also da«, was sie gleich vcrwerthen können. Dabei wird ein Zweifaches erzielt: Wie bekannt, müssen die Leseübungen vielemal von den Kindern gelesen werden. Damit wir beim fortwährenden Wiederholen der Leseübungen auch das Interesse der besser Befähigten stets rege erhalten, wird als Würze je ein neuer Begriff übersetzt, natürlich hören daS auch die schwächer», weniger talentirte» Schüler. Dadurch wird mit der Zeit nicht nur bei de» besser Befähigten, sondern auch beim Gros der Claffe das Gelesene geistiges Eigenthum. Das Wiederholen ist dann den Kindern nicht langweilig, sondern macht ihnen sogar Freude und sie erlernen zugleich spielend den ganzen Stoff aus der Bibel, de» sie auf dieser Stufe zu nehmen haben. Wie die Erfahrung lehrt, kennen die Kinder den Fibelstoff fast ganz auswendig. Es prägt sich also dem G dächtuisse der Kinder das ein, was innen spärec zu gute komnr. Gerade diese Zeit ist die geeignetste, den Grund zum später» Bibel- Unterrichte zu legen, um dann planmäßig und zielbewußt weiter bauen zu können. Und so ist gerade die^ Fibel dazu berufen, Lust und Liebe zu erwecken für das Stiefkind der jüdischen Volksschule: den hebräischen Unterricht. Während früher das Kind mit Furcht und Zittern die Bibel zur Hand nahm, greift es jetzt init Freude» nach derselben. Es findet ja lauter Bekanntes darin. So wird der Bibel-Unterricht leicht, regt das Kind zum Denken anweckt den Geist, schärst den Verstand und wird dem Kinde intereffant und angenehm. Die jüdische Volksschule, die in letzterer Zeit jeden Anspruch auf diesen Namen verwirkte, wird wieder in ihre alte Rechte eingesetzt, die Bibel ist dann wieder heimisch in der jüdischen Volksschule und nur so wird zur Wahrheit das Wort unseres großen Pädagogen : mi-pi olelim we-jonkim jissad’ta os; — en os ela thorah. Filipp Kun. Officielle Mittheilungen Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft" in Vien. — Unter äußerst zahlreicher Betheilung der Mitglieder ilnd deren ^Angehörigen fand am 3. d. M. in Herrenfeld'S Saallocalitäten (I., Schottenring) das vom Vereine veranstaltete Limoüatk-ll'liorali-Kränzchen statt und nahm einen allgemein zufriedenstellenden, günstigen Verlauf. — Zu Beginn der am 4. d. M. bei Roditschek (I., Wipplingerstraße) abgehaltenen Plenar-Versammluug laS der Präses ein von Herrn Dr. Rülf in Memel (Ehrenmitglied des Vereines) eingelangies Schreibe» vor, in welchen der Schreiber seinen Sympathien für den Verein in warmen Worten Ausdruck gibt. Dasselbe wurde von den Anwesenden mit stürmischem Brifalle ausgenommen. — Hierauf wurde in die Berathung der Statutenänderungen eingegangen. Dieselben wurden jedoch nicht zu Ende geführt. — Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Rudolf Halporn, Caflier, Chaskel Ehrlich, Bibliothekar, Sandor Beylos, Obmann des Auffichts-Conntes, Isidor Wien, Obmannstellvertretrr des AussichtS-Comitös, JuliuS

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