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Selbst-Emancipation · 1885-10-01 · Heft 17 (1.10.1885) · p. Seite 9

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 17 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 S elbst - Em ancipation! Seite 9 Der Spielmann. Der greise Spielmann stimmt die Leier Und schickt sich an zu frischem Sang; Denn zu der Thora Freudenfeier Geziemet froher Zubeiklang. Er greifet in der Saiten Reihen Mit kuiistgeübter, flinker Hand, Um in der Töne gold'nem Land Der Seele süße Kost zu leihen. Doch sieh! die Leier schweigt und schweiget, Ermattet sinkt die Aünstlerhand, Und aus des Spirlmanns Kehle steiget Kein Laut durch seiner Lippen Rand. Die Rechte hanget leblos nieder. Und an des Gaumens Knochenblatt Da klebt die Zunge dörr und matt. Und deshalb schweigen Klaiig und Lieder. Ihr habt erfüllt, ihr Himmelsinächte Des Babelsängers wilden Schwur: Der Spielmann rührt nicht Jung' noch Rechte, weil er vergaß an Zion's Flur. *) Und trostlos wankt der arme Sänger Und Wahnsinn wühlt in seinem Haupt. Der Ruhe Glück ist ihm geraubt Und ihm wird bang und immer bänger. Und wie er durch die Straßen irret, Da steht vor ihm ein Bretterhans, Mit Tannenreisig ist's gezieret Und Psalmensang ertönt daraus. Der Spielmann tritt hinein swr Schwelle, Er schmiegt sich an die frohe Schaar; Da wird's i» seinem Geiste klar. Vor seinen Blicken wird es Helle: Er hat die Seinigen gefunden. Die Brüder aus der alten Zeit. Die mit ihm Lust und Leid empfunden. Mit ihm gehärmt sich und gefreut. Ihm wird so wohl in ihren Kreisen, Die Rechte ist nicht mehr erschlafft. Die Zunge klingt in neuer Kraft Und göttlich tönen seine weisen. *j Siehe Psalmen C 137, 5. und 6. Ser«* p 11 lSschläge ' Novelle von - Wehernicr ferner. (Fortsetzung.) Solch' grübelnde Zweifel regten sich in der Seele des jungen Mannes, wiewohl dieselbe unter dem Banne des berückendsten Schönheitszaubers stand. Er hatte schon längst das Haus verlassen und seine» Heimweg angetreten, aber diese peinigenden Gedanken hatten ihn noch immer nicht verlassen. „Ach, sie darf nicht schlecht sein!." So rief er .ein über das andere Mal gepreßten Tones aus,, denn er fühlte, haß die Ueberzeugung von ihrem geringen Werths ihm nahe,, bereits sehr nahe gehen würde. Und dennoch hatte er keine Gewißheit! Nein! So konnte es nicht weiter gehen, er mußte sich Gewißheit verschaffen, denn das Mädchen war ihmchereits — er hätte es nicht leugnen können — lieb geworden. War sie dieser Liebe werth? Wenn nicht, so mußte er diese Zuneigung mit der Wurzel aus seinem Herzen reißen. Darum wollte er sie prüfen, bevor es zu spät wurde, bevor ihn die Leidenschaft unrettbar erfaßt hatte! Um diesen Entschluß nun auszuführen, kam Simon beinahe täglich in das Haus der Familie Katz. . Die Kühle, welche Rosa anfänglich Simon gegenüber an den Tag legte, wich allmälig unter dem Einflüsse des milden, hingebungsvollen Benehmens von Seiten des jungen Mannes. Nicht mehr leuchteten ihre schwarzen Augen in starrem Glanze, wenn sie sich auf ihn richteten, sie strahlten vielmehr eine belebende Wärme aus, die Entzücken in sein Herz goß. Er war nicht mehr der Neuling, der Fremdling, wenn er in's Haus kam, er war ein Sohn der Familie geworden. Er glaubte alle Mitglieder derselben erkannt, er glaubte auch Rosa begriffen zu haben. Wie jedes Unglück sie rührte, jede Niedrigkeit sie verletzte! Sie war seelengut trotz des' herrischen Zuges um den Mund, der

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