Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 15 (2.9.1885)
- Date
- 1885-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements - Preise: (Postzuscndung inbegriffeu.) II Für Lkslrrr.-Ungarn: Banzjätzrig ff. 3.66 ' Halbjährig „ I 80 «iertkljähr .. -.90 leuilchland: . . Banziährig Mk. 6.00 Halbjährig .. 3.30 «i-nrliähr. ,. l es iußland: . . . Ganzjährig Rbl. *— Halbiäbrig „ 2.— | «irrlrijähr. l.— if übr. Länder: Sanziähr. FrcO. 9.- Haldjähr. «ierteljähr. Zeitschrift für die nationalen, sonnten und politischen Interessen des jüdischen Stammes. Erscheint zu Anfang und Witte jedes Monats Wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht beute, wanil denn? ksillel. Kediltiill initi Allmiffistmtiiill: j| | Wien. II., Fherefiengaffe 7. Sprechstunde: || Täglich von <*—5 Uhr Nachmittags II Unfrankirte Briefe werden nicht U angenommr» und Manuscripte I nicht retournirt. I Nr. 15. Wien, 2. September Jahrgang 1885. Inhalte Die Klänge der Erlösung..— Wohin und Woher? — Die Nebelritier Galiziens und ihr Sport. — (Feuilleton). — Chronik. — Correfpondenzen. — Erez Israel. — Officielle Mitiheilungen des Vereines „Zukunft." — Officielle Mittheiluugen des „Ahavits» Zijon“. — Brieskasten der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Au unsere geehrten Leser. — Avis. — Moniefiores Trouerfeier. — MontefioreS Vermächtniß. — Beilage: Jugendlehre. — Pulsschläge. — Die Schale. — MiScelle». '— Literarisches. — Räthsel. — Anagramm. — Pcrmutatious-Räthsel. — Auslösung deS ArithmogriphS. — Auflösung de» SilbeuräihselS. — Auflösung der Charade. __ Die heutige Nummer ist wegen Beröffentli- 1 chung des ausführlichen Berichtes der vom Verein | „Zukunft" veranstalteten Montefiore - Trauerfeier ausnahmsweise um einen halben Bogen stärker. In Folge besten ist auch eine Verspätung in der Fertigstellung deS Blattes eingetreten, was die P. T. Abonnenten gütigst entschuldigen wollen. Die Alänge der Erlösung. Posaunenklänge verkünden uns den Anbruch eines neuen Jahres. Dringen sie, einander überhastend und stoßweise aus dem Widderhorne hervor, dann vermeinen wir ein krampfhaftes Aechzen und Schluchzen zu hören; wenn aber gleich darauf ein Heller, schmetternder Schall dem Schofar enthällt, dann dünkt er unserem Ohre rin mahnender, weckender, hoffnungerfüllender Ruf zu sein. Alljährlich wiederholt sich's: Wieder dieselben hastenden, stolpernden Töne — die vergangenen Jahre waren ja so reich an Seufzer und Schluchzen; wieder dieselben Hellen, kräftigen Klänge — die kommenden Jahre werden ja wohl Heilung und Trost bringen. Und doch, so oft ein Jahr um war, sah das ewige Israel sich getäuscht, stets mußte es sich sagen: Auch dieses war thränenreich wie seine Vorgänger; wird nicht, auch das neue unsere Hoffnungen unerfüllt taffen, wird es nicht auch nach seinem Verlaufe zu den vergangenen schlechten Jahren gezählt werden müssen? Soll denn die. Sehnsucht nach Besserung nie gestillt werden, soll denn in der That die erwartete schönere Zukunft nur ein trügerisches Luftbild sein, das dem einsamen Steppenwandercr immer gleich entfernt bleibt? Und wenn man auch, bisher keine entschiedene Antwort auf diese Fragen geben konnte, bei dieser Jahreswende vermag man es; denn schon das vergangene Jahr war nicht' mehr ein solches, daß es ungehört verurtheilt, daß es leichthin zur „düstern Vergangenheit" gerechnet werden könnte. Und wenn wir es auch nicht als ein lichtvolles in die Geschichte unseres Volkes einreihen können, als einen Uebergang von Nacht zum Licht müssen wir es. bezeichnen, als das erste Morgengrauen des sonnigen Zukunftstages. Ja, es ist wahr, die Stimme des Judenhafles ist noch, lauter geworden in diesem Jahre und erfüllte den ganzen Erdkreis. Die Leiden unseres Volkes sind noch schmerzhafter, seine Lage ist noch drohender geworden. Der Antisemitismus raste einem verheerenden Sturme gleich daher und stürzte die schwachen Bäumchen, , die jüdischen Errungenschaften der Gleichheitsaera, eines nach dem andern. Und doch, mitten durch das Heulen des tosenden Orkaues hörte man'bereits'daS liebliche Säuseln der Heilesbotschaft. — Wenn wir zurückblicken auf das verstoßene Jahr, so können wir mit Genugthuung die Fortschritte der nationalen Bewegung im Judenthum verfolgen, wir können uns daran trösten für alle Uebel. die uns trafen, denn die Realisirung der jüdisch-nationalen Ideen wird ja endlich ganz die Quelle des Unglücks verstopfen. Die Leide» Israels in diesem Jahre haben für uns nicht mehr die schreckliche Bedeutung, die sie an und für sich haben sollten, denn diese Leiden waren freudenschwanger. Die a n t i s e m i t i s ch e n D r a n gsale sind die Wehen, die der Wiedergeburt unserer Nation voran gehen. So laßt uns auch für das kommende Jahr die Pein des Judenhasses unringeschüchtert erwarten, taßt uns sie verächtlich ertragen; es wird nicht mehr lange däuern, den» ein anderer Geist weht durch die junge Generation unseres Volkes. Während die Assimilanten durch schnöde Ueberläuferei Rettung suchen und nicht finden, suchen wir in uns selbst das Heil, in unserer sittlichen und materiellen Stärkung durch den nationale» Gedanke»: Möge auch in diesem Jahre die Ueberzeugung immer mehr Platz greisen, daß es n n r eine nationale Lösung der Jude »frage gebe, daß eine direkte Abwehr gegen den Antisemitismus eine erfolglose Sisyphusarbeit ist und nur in der Erreichung der nationalen Endziele die wirksamste Bekämpfung desselben liege. Wird aber diese Erkenntniß immer mehr durchgreifen, dann wird bald das Morgengrauen in die lichtere Morgendämmerung sich verwandeln und auch diese wird dann bald weichen, dem sonnenvollen, warmen.. Tage, bei dessen Anbruch-bssokotar gadol jitaka — die erlösenden, schmetternden Töne des „großen" Schofar dem ewigen Duldervolke erklingen werden. Die nächste Nummer erscheint am 47 September.