Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 14 (18.8.1885)
- Date
- 1885-08-18
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 14. Selbst-Emancipation! Seite 9 Officielle Mitlheilungen des Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft" in Wien. Am 1. und 8. August fanden D i s c u s s i o n s- Abende statt, an welchen das von Herrn Abr. Salz aufgeworfene Thema: „Wie kann die jüdisch-nationale Idee in die weitesten Kreise des Volkes getragen werden?" behandelt wurde. Leiter dieser Discussion war Herr N. Birnbaum. Die Discussion, welche sehr interessante Momente zu Tage förderte, wurde am 8. August abgeschlossen, indem das Princip der Propaganda durch das gesprochene und gedruckte Wort (Pflege der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte und Verbreitung, resp. Unterstützung jüdisch-nationaler Tendenz-Druckschriften) als das allein richtige anerkannt wurde. — Die Commission zur Pflege nndVerbreit u n g der jüdischen Geschichte hat ihre Arbeiten anfgenomme» und in ihrer Sitzung vom 6. August Herrn Abr. Salz zum Obmann und Herrn Arnold Fruchter zum Schriftführer ernannt und beschlossen, allwöchentlich Vorträge abzuhalten, und zwar in der Weise, daß im Laufe eines Jahres die ganze jüdische Geschichte durchgenommen werde. — Am 15. August eröffnet- Herr N. Birnbaum den Cyclus dieser Vorträge mit einer Vorlesung: „Die Einleitung in die jüdische Geschichte." — Samstag den 22. d. M., *',8 Uhr Abends, wird Herr Arnold Fruchter die „Aeltere Geschichte des jüdischen Stammes bis zur Zerstörung des ersten Tempels" vortragen. (Local: Khuner's Restauration.) — An den kommenden Samstagen folgen dann Borträge des Herrn Spielmann: „Von der Zerstörung des ersten Tempels bis zu den Makkabäern" und des Herrn Abr. Salz: „Die makkäbäischen Freiheitskämpfe." — Soweit ijj das Programm vorläufig festgestellt. — D e r h e b r ä i s ch e S p r a chu u d S p r e ch- Club hat ebenfalls seine Thäligkeit begonnen. In seiner am 12. d. M. stattgehabte» Sitzung wurden Herr N. Birnbaum zum Obmann, Hnr S. Knöpfelmacher zum Obmann- Stellvertreter, Herr Spielmann zum hebräischen und Herr Ph. Fruchter zum deutschen Schriftführer gewählt und folgende Beschlüsse gefaßt: Der hebräische Unterricht wird in drei Cursen ertheilt werden. Im ersten Curse werden die Elemente der hebräischen Sprache gelehrt, der zweite Curs ist für weiter Fortgeschrme bestimmt, während im dritten Curse das moderne publicistische und belletristische Hebräisch gepflegt, sowie hebräische Conversation versucht werden wird. An der Leitung des Clubs nehmen die Besucher des zweiten und dritten Curses theil. Außer diesen drei hebräischen Cursen wird ein Talmudcurs errichtet. Die Vorlesungen beginnen nach den Feiertagen und werden Zeit und Ort der Einschreibungen demnächst bekannt gegeben werden. Die Commission zur Veranstaltung einer Montef i o r e - T r a u e r f e i e r hat die nöthigen Borbereltungen bereits getroffen: Die Trauerfeier wird Dienstag den 25. August 1885 in Hernfeld'S Localitäten, I., Schottenring 17 (Eingang Börsegaffe 5), stattfinden. Eintritt 50 kr., für Mitglieder und deren Angehörige die Hälfte. Das Reinerträgniß ist dem Montefiore-Berb a n d e z u r C o l o n i s a t i o n P a l ä st i n a S gewidmet. Anfang 8 Uhr Abends. Karten find bei den Veremsmitgliedern zu bekommen. — In der am 13. d. M. stattgehabte» Ausschuß- Sitzung wurde ein eigenes Comitv zur Veranstaltung *) Variante statt des bekannten: Vernichte den Tod für u. s. to. Anm. d. Uebers. einer Gründungsfeier bestellt und erscheinen gewählt die Herren: N. Birnbaum, O. Bretholz, L. Feldbaum, A. Fruchter, PH. Fruchter, A. Salz, I. Samek, G. Schloß, A. Seeleufreund, I. Seidel. — Der Bibliothekar erlaubt sich die höfliche Bitte an das P. T. Publicum zu richten, den Verein durch Bücherspenden zu unterstützen. — Bei der am 15. d. M. in Khuner's Restauration abgehaltenen Pleuai Versammlung wurden die Geschäftsordnungen für den Ausschuß und die Plenarversammlungen genehmigt und eine Streitsache der günstigen Erledigung zugesührt. Hierauf wurden an Stelle des zurückgetretenen Obmannes und des Obmann-Stellvertreters des Aufsichts- Comitös die Neuwahlen vorgenommen und erscheinen gewählt die Herren: Josef Mond (Obmann) und Philipp Fruchter (Obinann-Slellvertretei). — In die Berathung und Beschlußfassung über vorgejchlagene Statutenänderungen konllte nicht eingegangen werden, da die nothwendige Zahl von zwei Drittel aller Mitglieder nicht anwesend war. Sitzungen im Laufe der folgenden zwei Wochen: Dienstag den 18. August, 7 Uhr Abends: Gründungsfeier- Comits. — ‘4 8 Uhr: AgitationS-Comitä. — 3jß Ubr: Ausschuß-Sitzung. Mittwoch den 19., '4 8 Uhr Abends: Hl Curs des Sprach- und Sprechclubs. (Berathung.) — 8 Uhr: Talmudcurs. (Berathung.) Donnerstag den 20.. 7 Uhr Abends : Montefiore« Trauerfeier-Comitö. — '',8 Uhr: Commission zur Pflege und Verbreitung der jüdischen Geschichte. Sonntag den 23., 3 Uhr Nachmittags: Montefiore-Trauerfeier-Comitv. Montag den 24., 7 Uhr Abends: Hebräischer Sprach- und Sprechclub. — '48 Uhr Abends: Ausschuß- Sitzung. Donnerstag den 27., 7 Uhr Abends: Montefiore-Trauerfeier-Comit«. — '/,8 Uhr Abends: Ausschuß- Sitzung. ™ . 5. Ellul 5645. Wien, am 16. August 1885. Für die Vereinsleitung Lazar Rathhaus, Schrisksührer. Rudolf Feldbaum, Präses. Literarisches. („Hajahaduth“) betitelt sich eine seit 7. Juli 1885 monatlich zweimal erscheinende von Herrn R. A. Brandes und F. M e s a ch in Lemberg trefflich redigierte, in reinem Hebräisch geschriebene Zeitschrift. Weniger behagt uns ihre Richtung, weil die Redaction die Unentschiedenheit gnasi selbst eingesteht. In der Programmentwicklung wurden die andern jüdischen Blätter beschuldigt, daß sie an jedes neue Blatt mit der Frage herantreten: Gehörst Du zu uns oder zu unseren Feinden? Seid Ihr Nation aljuden oder Affinulantcn? Orthodoxe oder Reformer? Die „Lgggchaäutlr" gehört nun — wie sie sagt — keiner dieser Partheien an, sondern dem ganzen Judenthum. Das ist eine Phrase, Man kann über diejüdischeNation nur in zweierlei Weise denken, mehr weniger national oder mehr weniger assimilatorisch; und über die jüdische Religion wieder nur in zweierlei Weise, mehr weniger orthodox oder mehr weniger sorschriltlich. Hat nun ein Blatt die materiellen Interessen der Juden zu behandeln, so muß es sich für Nationaljudenthum oder Assimilation, hat eS die religiösen Interessen zum Gegenstände, so muß es sich für Orthodoxie oder Fortschritt entscheiden. Unentschiedenheit ist unmännlich