Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1885-08-18 · Heft 14 (18.8.1885) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 14 (18.8.1885)
Date
1885-08-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3092672-3092673-3092687--0178-3093111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WHIl W WIM l1IIM.li>» I ' ...| II I J'.MI i' l'l I MM i I 9ir. 14. Skl b st- E ma n c i p at i on! Seite 7 len sich winden zu sehen; denn wer sollte ihn anklagen? Die Juden thun dies gewiß nicht! Sie bemühen sich nicht «inmal, über eine Presse zu verfügen, welche ihre Interessen vertbeidigen soll, welche den Jnvectivrn der rumänischen Presse die Spitze brechen soll, welcbe, wen» sich eine gewisse Bukarests rumänische Zeitung, die sich nicht entblödet. „academische Zeitung" sich schimpfen zn lassen, wie die Personification der Ignoranz den Pöbel im buchstäblichsten Sinne des Wortes gegen den Inden aufhetzt, — derselben beimleuchten soll, wie sie es in ihrer Beschränktheit verdient! Kurz, Nichts geschieht seitens der Juden, um sich gegen Beschimpfungen zu verwahre», um ihre Interessen, ihre Existenz, ihr Leben zu vertheidigen! Nichts, was ihren unabhängigen Sinn bethätigen soll, — Nichts als — „Sucht nach Assimilation!" Wie alles Beihörende und zur Selbsttäuschung führende, fand auch diese Ausgeburt eines verzweifelten Gemüthes leicht Ein» gang und Aufnahme bei den rumänischen Juden — wie leider auch bei denen anderer Länder. — Wie ein heilbringender Rettungsanker wurde die Idee der Assimilation umfaßt, und trotz den Enttäuschungen, die sie uns bescheerte, wird sie immer mehr genährt! Gründeten nicht einige jnnge Juden vor mehreren Jahren einen Verein „Romauisarsa" mit der offenen Tendenz der Assimilation?! Uno was war das Ende? Hohn und Spott! Der richtigste und natürlichste Lohn derer, die sich selbst zu verleugnen streben! Verhöhnt und verspottet vom Christen, verachtet vom echten und rechten Inden, welcher niedrige Schmeichelei verschmäht! Sind wir Juden, die wir Jahrtausende der herbsten Verfolgungen überstanden haben, die wir Rad und Scheiterhaufen mit kühnem Auge entgegensahen, sind wir heute schon so geschwächt, daß uns ein Mittel wie die Assimilation nicht zu niedrig, nicht zu sklavisch Vorkommen soll! Sind wir^nr dieser langen Reihe von martervollen Jahren nicht genug gestählt worden, um niedrigen Verfolgungen mit Verachtung entgegenzutreten? Haben wir wirklich Nichts anders gelernt als Sclaven zu sein? Sollen Ritterlein, dir im Biergluse Begeisterung suchen, sollen meineidige Lehrer und Pfaffen, sollen Leute, die zur Unterstützung von Armen gesammelte Gelder unterschlagen, sollen solche Wichte auch nur einen Schein von Ursache haben, um über unfern gekrümmten Buckel und unsere süßliche Miene zu lachen?! Liegt unser Heil, unsere Zukunft nur in Liebedienerei?! Antwortet, Assimilanten, sind wir schon io Heruntergekommen, daß wir aus eigener Kraft uns nicht mehr erhalten können?!? Fühlet ihr nicht den verachtungsvollen Fußtritt mit den Euer Aufdrängen znrückgewiesen wird?! Ehret ihr so das Andenken unserer Vorfahren, Welche freudigen Muthes in den Tod. gingen,, überzeugt den kommenden Generationen stets als leuchtendes Beispiel vor Augen zu stehen?! Muß man Euch, wie Kindern das Beispiel vom Ruthenbündel Vorhalten, um Euch begreiflich zu machen, was Einigkeit für das Volk bedeutet? Welches ist das Ziel, nach dem ihr strebt? Ein vollständiges Aufgehen in andern Völkern. Und dies soll das Ende des jüdischen Volkes sein?! Wenn nur die momentane Bequemlichkeit errungen wird, so mag um diesen Preis ein Volk, welches Jahrtausende den andern Völkern als Muster von Geduld, Glaubens- und Charakterstärke gilt, zu Grunde gehen? Wollt ihr Euch durchaus den Stempel der verabschenungswürdigsten, der ehrlosesten Selbsterniedrigung aufdrücken?! Tyuet es und ewige Verachtung Euer Lohn! Der echte und rechte Jude jedoch wird immer darnach ' Handel», was ihm stets vor Augen und im Herzen ist, nach der Lehre des Geduldigsten uilserer Weisen' Wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? Moria. Eingesendet! In Wiener jüdischen Mädchenkreisen circulirt folgender Anfruf, den wir mit Vergnügen zum Abdruck bringen: St a m mes g en o ss i n n e »! Die Auferst,hnng eines Volke« vollzieht sich vor unseren stannenden Augen; frische Lebenssäfte beginnen ihren Uiillanf im Körper des jüdischen Stammes. Immer größer wird die Zahl der Söhne Israels, welche die Anschmiegung an fremdes Volksthum als schmählich ansehen und zu den eig-»en Traditionen und Znknnftshoffnungen begeistert zurückkehren. Sollen nun wir hinter diesen edlen Söhnen unseres Stammes zurückbleiben und uns nicht vielmehr erinnern, daß wir die Pflicht haben, unserem Namen „Töchter Zions" z>l entsprechen? Dürfen wir daran vergessen, daß es eine Mirjam und eine D e b o r a h gegeben hat? Sehet die Frauen und Mädchen anderer Völker — wie diese an ihrem Volksthume hängen und nehmt Euch ein Beisviel an ihnen! Kommt, laßt uns Kämpferinnen werden für Juda's nationale Ehre, für unseres Stammes nationale Zukunft; laßt uns nach den Worten der heiligen Schrift den jüdischen Männern „Gehilfinnen" sein, nicht nur im individuellen Streben, sondern auch auf dem Kampfplätze für unsere nationale Wohlfahrt! Beremigen wir uns, hebräische Mädchen, zu einem Schwesterbunde, geben wir diesem irgend einender verschiedenen, erhabenen nationalen Zwecke, beweisen wir dadurch, daß das jüdische Weib, oas in der Bibel so oft zu einer Jdealgestalt geworden, von seiner sittlichen und geistigen Höhe nicht herabgesunken ist! Welche von Euch, theure Stammesschwestern, diesem jüdischen Mädchenverrine in neu entflammter Liebe zu unserer Nation beitreten will, wolle diesen ihren Entschluß durch eigenhändige Namensfertigung auf diesem Bogen bekannt geben. (Folgt eine Reihe von Unterschriften.) Wir begrüßen diese Vereinsgründung als.einen weiteren Fortschritt auf der Bahn zn unserem erhabenen Ziele und würden nur gerne sehen, wenn die jungen Dame» unter den verschiedenen nationalen Zwecken die „Uiiterstütznng der Colonisatiou Palästinas" wählen würden, als einen Vereinszweck, dem sie am leichtesten Nachkommen können und der auch der praktischeste ist. — Unsere Redaction ist gerne bereit, Beitrittserklärungen entgegenzunehmen und die Namenseintragung in die Liste zu besorgen. (Druckfehler Berichtigung.) In die Miscelle „Die Chuetas" in Nr. 13 unseres Blattes hat sich ein sinnstörender Druckfehler eingeschliche». Es soll dort statt „hier aber nur unter einander" — „heiraten nur unter einander" heißen. Briefkasten ver Redaetio». LSbl. Redaktion des „Hamburger Fremdenblalt". Herzlichsten Da»!! Herr» Dr. S. 8. in H—S. Sehr erfreut über Ihre werthe Znschrifk nach längerem Stillschweigen. — Herzlichsten Dank für Ihre Empfehlungen, die wir benützen werden. — Notizen zu spät allgekommen. — Besten Gruß I Herrn Mal-Besch in Lemberg. Diese Zeile ist einmal in einem unangenehmen Sinne zweideutig. — Solche Berichte sind uns erwünscht. — Besten Gruß! Herrn Az. Velderg in Lemberg. M. M -Artikel ist jetzt bereits verspätet. — Der Artikel über die S. Ä. paßt nicht in uns er Blatt. Das ist eine freind-nakionale Frage und mit einer solche» soll sich ein jüdisch-nationales Blatt nicht befass:». llebcigens würde unsere Stimme Lei de» maßgebenden Factoren w-rknngSlos verhallen. Die Erreichung unserer nationalen Endziele wird uns von solchen Widerwärtigkeiten, gegen die wir machtlos sind, befreien. — Jüdisch-nalionalen Brndergruß!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.