Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 14 (18.8.1885)
- Date
- 1885-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Slbonnements - Preise: (Postzuskndung inbegriffen.! : > eslerr.-Ungarn: Ganzjährig N. 3 Halbjährig I H^bjährig .. >nd: ... Ganzjährig Rbl. 4.— >1 Halb,ädrig „!- Bierieljähr. >i. Sänket: Danzjahr. Frci. 9.— || ' Jnjerale Sillig»? -WV Zeitschrift natiüuaUa, fotialtn und xolitischrn Jnterrssrn des jüdischen Stammes. ßrscheiut zu Aufaug und Milte jedes Monats Wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? gtbattian und Administration: I | Wien, II., Werefiengaffe 7. Sprechstunde: II Täglich von <$—5 Uhr Nachmittags || Unfrankirte Briefe werden nicht | angenommen und Manuskripte nicht retournirt. | Nr. 14. Wien, 18. August. Jahrgang 1885. Inhalt: Aeußere Wohlsahri. — Wohin und Woher? — Chronik. — Correspondenzen. — Ercz Israel. — Rumäniens AntlsemitlsmuS und Judenthum. — Eingesendet. — Briefkasten der Redaction. - Corresoondeuz der Administratio». — A» die geehrten Leser. — Inserate. — Beilage: Officielle Mitiheilungen deS Vereines .Zukunft.- — Literarisches. — Seid getrost. (Gedicht). — DaS Geheimniß des j.Siwug", humoristische Slizze aus dem Hebräischen von Perez Snioleusky. — Arithmogrlph. — Silbenräihsel — Charade. — Auslösung des Diamont-Rüthsels. — Auflösung des Permutations-Räthsels. — Auflösung des Arithmogriphs. — . Rälhsel-Statistik. B^r Die Rcdaetion mid Administration der .Selbst-Emaneipatiön" befindet sich bereits Wien.H- Werestengaffe Ar. 7. Aeußere Wohlfahrt. Vorüber ist der Monat Aw mit seinen düsteren Ecrinnerungen und beruhigter, getrösteter sehen wir den kommenden Tagen entgegen. Der Gang »nserer Geschichte verheißt uns eine herrliche Zukunft; aus den vergilbten Blättern der jüdischen Chronik schöpfen wir die Hoffnung auf «in Erstehen zu neuem Leben; ahnungsvoll erwarten wir das Morgenroth einer glücklichern Zeit. Aus diesen beseligenden Empfindungen aber, die unsere Herze» vor, dem schwachmüthigen Ersterben schützen, weckt uns das.Geschrei unserer^ slammesgenössischen Gegner, — die Uhuruse der Assiinilaiiten von der einen und die Lilauereu einiger Frömmler von der anderen Seite — und mahnt uns an die Pflicht des Kampfes für unsere Principien. Genug oft haben mir Stationaljuden die Eiltjilduilgsivnth zurückgewiejen, in ihr,haben wir stets unseren größten Feind gesehen uud doch gibt es noch einen Gegner, dem wir bisher weniger Aufmerksamkeit schenkten — mit einigem Unrecht, denn er ist beinahe ebenso gefährlich als jener. Dieser zweile Feind rst — wir betonen dies ganz besonders — nicht Die Frömmigkeit, nicht die Orthodoxie, nicht ei ii mal der Chassidismus, sondeiil die Frömmelei, mag man nun unter diesem Worte scheinheiliges Augenverdrehen oder einen albernen, weltflüchtenden Neligionsidealismus versteheil. „So lange wir um irdischen Verlust jammern und nach irdischen Güter n uns sehnen, >o lange werden wir, stets Enttäuschungen erfahren. Nur aus der rechten Trauer und, der berechtigten Sehnsucht Israels erblüht sein und der Menschheit Heil", ruft den Nationaljude» ein Organ jener Partei zu, die aiis der Erde ein grobes Kloster machen möchte, aus dem Lebensfreude und Lebensgenuß verbannt sein sollen. Wir haben diese Herren einmal die Träger des „schwarz-roth-goldenen Leibzudeckels" genannt und baden ihnen damit theilweise Unrecht gelhan, denn, wiewohl sie hie und da noch immer ihr Deutschthum hervorkehren, geruhen sie dennoch, an und für sich es löblich zu finden, wenn „dem germanischen, ungarischen, russischen Nationalgefühl das jüdische entgegengesetzt" wird, aber — wenden sie ein — die Nationaljnden finden nicht „in dem naasseh w’nischma" den „treffendsten Ausdruck" für dieses Nationalbewnßtsein, sondern „diese Trunkenen verherrlichen die ä u ß e r e Wohlfahrt und-begreifen nicht Jsiael und sei» Gotlesgesetz." Nun denn, Ihr Verächter äußerer Wohlfahrt, Ihr Verschmähet irdischer Güter, Ihr habt es leicht mit Eurer Selbstverleugnung, mit Eurer Liebe zum Ueberirdischeu, da Ihr satt und so ziemlich in Ruhe gelassen in Eurer Ideenwelt leben könnt, — denjenigen aber, die unter dem Drucke orakonischer Ausnahmsgesetzc und der Herrschaft der Knutenstränge seufzen, müsset Ihr gestatten, etwas nüchterner von dem Werthe „äußerer Wohlfahrt" und „irdischer Güter" zu denken und Ihr müsset diese Erlaubniß auf Diejenigen ausdehuen, die, weniger gedrückt und gepeitscht, aus Mitgefühl für ihre Brüder in der Erlangung „äußerer Wohlfahrt" ein herrliches, erstrebenswerthes Ziel sehen. Wir können nur Leute bedauern, denen das Sklaventhum gleichgiltig ist, die iu ihrer Beschränktheit nicht einsehen, daß es keine bessere Gewähr geben kann für die Erhaltung und Ve-Pflanzung idealer Triebe im Volke als äußere Wohlfahrt und keine stärkeren Hebel für Entsittlichung und Verrohung als äußerer Druck. Freilich kommt es darauf an, was man unter „äußerer Wohlfayrt" eines Volkes versteht. Ist man so thöricht, darunter das entnervende, selbstmörderische Scheinglück der Assimilationsepoche zu begreif'n. sieht man in der Ernennung einiger jüdischer Geheimräthe und Uuiversitätsprofessoren, in der fortschreitenden Vermehrung jüdischen Großcapitals die „äußere Wohlfahrt", dann hat man in der That Recht, solche irdische Güter zu verachten. Strebt man aber nach „äußerer Wohlfahrt" in dem Sinne, daß das jüdische Volk aufhöre, das Aschenbrödel der Nationen zu sein, daß es frei von äußerem Druck unbchindkrt seine geistigen und sittlichen Kräfte entfalten könne, dann hat man sich nicht blos für das nationale Ansehen Israels, nicht blos für Ehre und Macht eingesetzt, sondern aiich für die Erhaltung seiner Gottesidee gewirkt. N i ch t d i e O r t h o d o x e u sind es, die gegen Die nächste Nummer erscheint am 2- September.