Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 13 (3.8.1885)
- Date
- 1885-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Abonnements - Preise: (Postzusendung inbegriffen.) Für CeHerr.*Ungarn: Ganzjäkrig Bi-ri-ljühr Ganzjährig Mk. Halbjährig Bierleliähr. Ganzjährig Rbl. Halbjährig Äierieljähr die übr. Länder : G-nziähr. Frei. S.— Halbjähr. Bicrieljähr. Inserate billigst. Deutschland Zeitschrift untioimlEii, socialen und politischen Interessen des jndischrn Stammes. Krscheiut zu Anfang und Witte jedes Monats Wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht beute, wann denn? Kriillllill» uui, Admiiiistkätiiin: Wien, II., ßastellezgasse Sprechstunde: Täglich von ^—5 Uhr Nachmittags Unfrannrte Briefe werden nicht angenommen und Manufcrlpte nicht retourmrt. Nr. 13. Wien, 3. August. Jahrgang 1885. Inhalt: Sir Moses Montefiore ist nicht mehr! — Thurm der Eintracht. (Feuilleton.) — Chronik. — Correspondenzcn. — Erez Israel. — Literarisches. — Die Wiedergewinnung unseres Bodens. — Officielle Mittheilungen des Vereines „Zukunft." — Briefkasten der Redaction. — Corresoondenz der Administration. — An die aeehrten Leser. — Inserate. - Beilage: Lebenslauf des Sir Moses Monlefiore — Das Geheimnis des „Sinnig", humoristische Skizze ans dem Hebräischen von Perez Smoleusky. — Miscellen. — Arithmogriph. — Diamant'Rüthsel. — Permutations-Räthsel. — Auflösung des Diagonal-Räthsels. — Auflösung des Palindroms. — Auflösung des Rälhsels. Sir Moses Montefiore ist nicht mehr! Ueberall, wohin der allmächtige Lenker der Schicksale die Sohne des uralten vulderstammes verstreut hat, überall, wo jüdische Kerzen stets neuen Leiden entgegenbange», überall, wo Kinder Israels ihre trüben Lebenstage verfeufzen, überall wo Gebete zum ewigen, einigeinzigen welteuschöpfer in den donnerstarken Lauten der Hebräer einxorgesandt werden — dort überall fühlt mau den herben uner» setzlichen Verlust, der am (6. Aw des Jahres 56^6 das ewige Volk und mit ihm die ganze Menschheit erlitt! Der Edelste unseres gottgeliebten Stammes ist dahin; Moses Montefiore ist nicht mehr! Bei Nennung dieses Namens streicht ein wärmender, thau» ender Hauch über die vom Eissturm der Zeiten durchkälteten Herzen, gaukelt ein holder Trauin von Liebe und Friede, von Glück und Ehre in die widerwärtige Wirklichkeit hinein; bei 'Nennung dieses Namens erhebt fich, die matte Gegenwart verdunkelnd, das strahlende Lichtbild der Zukunft, sprudelt, den Durst ewiger Sehnsucht stillend, die erquickende Quelle der Hoffnung empor. Und der Träger dieses ruhmuinkränzten Namens ist aus unserer Mitte geschieden! Alle die schönen und edlen Züge, die der Eharakter des jüdischen Volkes aufweist, alle lichten Eigenschaften des hebräischen Stammes, die ihn in sittlicher Beziehung zum auserwählten Volke machen, — waren verkörpert in Moses Montefiore. Er war ein echter Sohn Israels, denn er erfaßte ganz den herrlichen Gedanken, der die jüdische Volksseele, wiekeine andere, beherrscht, den Gedanken, daß Menschenliebe und Nationalgefühl nicht Gegensätze seien, daß in dem harmonischen Zusammenwirken beider die erreichbar höchste Stufe, menschlicher Vervollkommnung liege. Dem Manne, der für seinen Garten palästinensische Erde holen ließ, auf dessen Wappen das Wort „Jerusalem" in hebräischen Schriftzeichen prangte, , der durch diese kleinen Züge eine unendlich große Liebe zu seinem angestammten Volke verrieth — diesem selben Manne schnitt der Anblick des leidenden Christen und Muselmannes eben so sehr in die Seele, als der des leidenden Juden. Moses Montefiore ließ sich von seinem heißen Nationalgefühle nicht zum blinden Haffe gegen Menschen anderer Abstammung, ließ sich von seiner allumfassenden Menschheitsliebe nicht zur Gleichgiltigkeit gegen sein Volksthum hinreißen. Ihm war die Erkenntniß dessen aufgegangen, daß es Aufgabe jedes Mannes sei, in Hinblick auf die Gegenwart für alle Menschen, soweit es sich aber um die Sicherung der Zukunft handelt blos für s e i n v o l k besorgt zu sein. Er hatte eingesehen, daß ein verstoß gegen diese Aufgabe einen verstoß gegen einen von zwei Naturtrieben, gegen das Mitgefühl oder gegen die Familienliebe, bedeute. Moses Montefiore war es, der durch sein wirken den Grund legte zur Entstehung der nationalen Bewegung iin jüdischen Volke, der durch seine aufopfernde Thätigkeit für das Land der Ahnen ein Muster ward für die Hunderttausende von Zionsfreunden, die jetzt in seinem Geiste arbeiten. Moses Montefiore, entschlummerter Fürst Deines erwachenden Volkes, gar oft in Deinem hundertjährigen Leben trat an Dich die Sorge heran, daß die Zukunft Israels nicht so sein werde, als Dein Herz sie wünschte; aber den Sxätabend Deines Lebens erhellte die Erkenntniß, daß der Same, den Du säetest, zu sprießen beginne, denn Du sahst die beginnende Einigung Deines Volkes. Moses Montefiore,. ruhe sanft nach langem Erdenleben, denn an dem Sarge, der Deine irdische Hülle umschließt, steht eine kampfbereite, nicht wankende junge Generation, die treue wacht halten will, daß Deine Ideen fortleben; die, wie Du auf Dein Adelswappen, auf ihre Fahne geschrieben hat: „Jerusalem!"