Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 12 (19.7.1885)
- Date
- 1885-07-19
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 S e l b st - E m a ii c i p a t i o n! Seite {> Rachels Klage. Sklavenketten nach sich ziehend, Von dein grimnien Feind verhöhnt, Tief in« Kerzen racheglühend Und die bleiche wang' bethräut. Kommt heran ein Ungliickszng; sein Ziel Ist das wanderclend, das Lril. Jetzt vor einem Grabeshause Geht der düst'rc Marsch vorbei, vor der fensterlosen Alans e Hebt sich an ein Wehgeschrei, vor der thcnren Stammesmutter Grab Ziehet Inda in's Exil hinab. Und das Klagen und das Meinen . Dringet in die Grabesnacht, So daß Rachel unter Steinen Jäh ans ihrem Schlaf erwacht. „Mas für Jammer", so die Ahnfrau ruft, ^.Hallt hinab in meine dunkle Gruft?" Und es dringet durch's Gemäuer Jetzt ihr himmelsklarer Blick, Sieht der Kinder, die ihr theuer Ungeheures Mißgescbick; Siehet wie das heil'ge Land sich leert von den Söhnen, die es einst genährt. Ihrem A»g' entstürzen Thränil, Inda's Mutter weint nnd klagt: „Was geschieht mit meinen Söhnen? Sag', oh Gott, denn Rachel fragt I werden niemals kehren sie zurück In das Land, wo einst geblüht ihr Glück?" Rachels Jammer hört man oben Und die Unglücksschaar erbebt. Aber auch der Feinde Toben Sich der dieser Klage legt. Auch die wilden, rauhen Krieger rührt Tief der Schmerz, den diese Mutter spürt. Inda's Volk, cs ziehet weiter, weiter fort von Rachels Grab Und ei» tröstender Begleiter Ist der Mutter Abschiedsklag'. Denken wird es, wo's auch wandern soll. An den Grabesruf, der hier erscholl. Rachels Blick, er folgt den Söhne», Ihre Zähren, fließen fort; Nimmer kann sie sich gewöhnen An des Schicksals hartes Wort. „Sag', allmächt'ger Gott, denn Rachel weint! werden nimmer meine Söhn' vereint?" „Klag' nicht l" spricht die Kimmelsstiinme, „Sieh, es komint noch einst die Zeit, wo erlöst von Feindesgrimme Juda kehrt zurück befreit. Klag' nicht, heinme Deiner Thränen Lauf 's gibt ein wiederseh'» — mein wort darauf l" Rachel horcht dein Trostesklange Und der Thränenstrom versiegt. Nimmer ist ihr Herz so bange, weil sie sich in Hoffnung wiegt. Rachel wartet — nnd nicht schläft sie ein — Auf der Kinder wiederkehr'nde Reih'n. Achtzehnhundert Jahre flössen In den Stroin der ew'gen Zeit Rachels Söhne, sie genossen Nichts von Glück und viel von Leid. Und vergessen war das theure Land, wo der Mutter Grabgewölbe stand. Endlich aber ward die Liebe, Die schon fast erstorben mar. wieder wach; mit heil'gem Triebe Geht gen Zion eine Schaar. Sehnsucht treibt sie nach Kanaans Strande, Liebe zieht sie hin zum Palmenlande wieder zieh'n vorbei die Söhne An der theuern Mutter Grab. Diesmal eine Freudenthräne Fließt von Rachels Aug' hinab. - was einst Gott verkündet, wird jetzt wahr, Denn zurücke k ehrt der Kinder Schaar.; -• N. B-,n. -Bemerkungr Die Sage von der „weinenden" Rachel wurde geflissentlich aus der Zeit nach der ersten Zerstör»«-: Jerusalems in die nach der zweiten verlegt. . - i. .ri .... . * . ' ' ' v : : . ' r. : . i 5: I i