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Selbst-Emancipation · 1885-07-19 · Heft 12 (19.7.1885) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 12 (19.7.1885)
Date
1885-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements - Preise: (Poflzujendun>, inbegriffen.) Für Cefterr.-Ungani: Ganziäftrig il. 3. 1 Halbjährig 1 Bierteljähr. .. — Ganz-ährig Me. 6 Halbjährig „ 3 «i-rleliähr. .. 1 Ganzjährig Rbl. 4 Halb,ädrig Bierteljähr. ie übr. Länder: Ganzjähr. " Haidjähr. „ Bierieljähr. „ UT Inserate »illlgst. 'W Zeitschrift nnlionnlrn, forinltn und pulitischkn Intereffril des jndischrii Ztammrs. Erscheint zu Kvsang und Mitte jedes Monats tvenii ich selbst inir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heilte, wann denn? Lsillel. Zkilllltiiiii uuii Pmiuifttatian: Wien, H., Kastelkezgaffe 8. Sprechstunde: Täglich von -^—5 Uhr Nachmittags Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manufcripte nicht retournirt. Nr. 12. ' Wien, 10. IM. Jahrgang 1885. Inhalt; An die gcckirtcii Leser. — Tischah b’Aw. — Indischer Volksgeist und jüdische Volkisitle. (Feuilleton.) — Flüchlige Blicke über Serbiens Judenschaft. (Feuilleton.) — Chronik. — Correspoudenzen. — Erez Israel. — Die Wiedergewinilima unseres Bodens. — Brieskasten der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Eingesendet. — Inserate. — Rachel's Klage. — Sohn und Tochter, Skizze ans de», russisch-jüdischen Leben von Perez Sniolensly. (Schlich.) — Ein Emancipirter, Skizze von Mardochai. — Miscelle». — Paliudroiii. — Näthsel. — Dingonal'Rnthsel. — Auflösung des Mlhfels. — Auflösung deS Silben-Näthsels. An die gechlien Leser! Bald wird ein halbes Jahr verflossen sein, seitdem in unserem Blatte eine Organ erstanden ist, das die jüdisch-nationale Idee itt ihrem ganze» Umfange, eonseqnent und mit Freimuts) vertritt- Die Zeitschrift hat sich in dieser kurzen Zeit.die wärmsten Sympathien erworben, bedarf aber einer noch rascheren und stärkeren Verbreitung, um den Sieg unserer Sache 'herbeizuführen. Wir richten also an alle unsere Freunde und Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, um die Vergrößerung des Äbonnentenkreises der „Selbst-Emancipation >" unablässig bemüht zu sein. Abonnements am besten per Postanweisung. Agenten, die mindestens 10 Exemplare benöthigen, können vom Pränumerationsbetrag, sofern sie denselben mit der Liste der Abonnenten der Administra- ' tion einsenden, 15°/» als Provision für sich in Abzug bringen. Die Obmänner der einzelnen Vereine der „Zionsfreunde" können, falls sie mindestens 10 Abonnenten unserem Blatte zubringen, 20°/« des Pränumerations- ' betrages der betreffenden Vereinskässe zuführen. Die Administration / . . der Zeitschrift „Selbst-Em a n c i p a t i o »!" . Tischah b’Aw. Um nahezu zwei Jahrtausende ist der jüdische Stamm gealtert frit dem entsetzlichen Tage, cm dem vor die Sonne einstigen Glückes nachtschwarzes. verderbenschwangeres Gewölle trat, an dem der Bau, welcher der Mittelpunkt einer herrlichen, beseeligenden, idealen Weltauffassung war. krachend zufommenstürztr und unter seinen brennenden Tiümmern ein. krästigls, schöpferisches und originelles Bolksthvm begrub. Mehr als achtzehn Jahrhunderte sind dahingerauscht seit dem unheilsvollen Augenblicke, da die Fackel eines gemeinen römischen Soldaten den Tempel zu Jerusalem in Brand steckte. Und doch hat dieser lange, lange Zeitraum von nahezu sechzig Generationen nicht hingereicht, das Gefühl unfäglich er Trauer aus den Herze» -der Söhne Israels zu' bahnen, aus den Herzen der Nachkonimen der Beitheidiger Jerusalems zn reißen. Jedesmal, so oft im Kreislauf der Jahre der neuitte Tag des Monates Aw wieder anbricht,, durchzuckt ein herber Schmerz die Seelen der auf dem ganzen Erdbälle zerstrenten Hebräer, ihrein Geiste entrollt sich das fürchterliche, blutige Bild der Einnahme der heiligen Stadt, an ihrem inneren Auge ziehen die Schreckensscenen der Inquisition und der Kreuzznge vorbei, die ja auch nichts anderes sind als Folgen der großen, furchlbaren Katastrophe von Jerusalem. Selbst diejenigen Geiiiüther, die die Liebe zu ihrem Stamme bereits abgelegt haben, die zu einem fremden Vol ks th u me schwören, beugen w e h m ü t h i g noch ihr Haupt vor der Achtung einflößenden Größe dieses Unglückes, und nur durch und durch verrohte Naturen vermögen dieser Erinnenliig gegenüber ganz gleichgilrig zit bleibe». Ja. die Trauer des Tischah b’Aw hat sich behauptet trotz der achtzchnhundert Jahre, die seit ihrem Entstehen verflossen sind und trotz der mannigfachen Assimilationsbestrebungen der verschiedenen-Zeiten, ja sie hat sich behauptet bei den Assrmilanten selbst, die bei allen ihren Phrasen vor der Abschaffung dieser Trauer scheu zurückweicheu, .weil sie selbst sie noch tief innen empfinden. An jedem Tischali b’Aw wird noch heute wahr, was der Psalmist nach der ersten Zerstörung Jerusalems vor beinahe dritthalbtausend Jahren am Anfänge jenes ergreifenden Klagegesangs ausrnft: „An den Bächen Babels saßen wir und weinten, als wir Zions gedachten." — Am neunten Aw weinet auch heute noch Israel, indem es Zion gedenket, nur der Ort seiner Klage hat sich geändert: Aus Babel ist die ganze Erde geworden. Am Rhein und der Donau, der Seine und der Tiber, der Weichsel lind der Wolga, den; Ganges und dem Eufrat, dem Nil. und dem Mississippi fließen die Thränen um Jerusalems Fall. Diese Thränen, sie sind ein Ehrenzeugniß für die SV" Die nii^ste Nummer erscheint am 3-August.

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