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Selbst-Emancipation · 1885-07-02 · Heft 11 (2.7.1885) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 11 (2.7.1885)
Date
1885-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements - Preise: Bierlkljähr. -.90 . . Ban-jährig M. 6.60 Halbjährig 3.3° ' Bierteljähr. l.SS . . Ganzjährig Rbl. 4.— Halbjährig „ 2.— Bi-rl-Ijähr. „ 1.— ibr. Länder: Ganzjähr. Frcr. 9.— H-lbjähr. 4.50 Bi-rieljähr. „ 2.25 Zeitschrift notionnltn, forialtn und xolitischk» Interesse» des jüdischen Stammes. ßrfchkiut zu Anfaug uud Wille jedes Monats Wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? Maltin, uud ALmillistratiaa: | Wie«, H., Kastellezgaffe 8. | Sprechstunde: Täglich von -j—5 Uhr Nachmittags u Unfrankirte Briefe werde» nicht angenominen und Manuscripte nicht retournirt. Nr. 11. Men, 2. Juli. Jahrgang 1885. Inhalt, An die geehrten Leser. — Die guten nnd die bösen Vögte. — Jüdische Nationaldichter der Neuzeit (Feuilleton.) — Chronik. — Correspondenzen. — Erez Israel. — Die Wiedergewinnun g unseres BodenS. — Eingesendet. — Briefkasten der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Inserate. — Die Hochzeitsfackel. — Sohn uud Dochter, Skizze aus dem russisch-jüdischen Leben von Peree Smolensky. — Ein Emancipirter, .Skizze von Mardochai. — Räthsel. — Silben-Räthsel. — Auflösung des Silbenräthsels. — Auflösung des magische» Buckstaben-Ouadiates. — Auflösung des Räthsels. — Auflösung deS Dlamant-Räthsels. ZN die geehrten Leser! Bald wird ein halbes Jahr verflossen sein, seitdem in unserem Blatte eine Organ erstanden ist, daS die jüdisch-nationale Idee in ihrem ganzen Umsange, conseqnenl und mit Freimuth vertritt. Die Zeitschrift hat sich in dieser kurzen Zeit die wärmsten Sympathien erworben, bedarf aber einer noch rascheren und stärkeren Verbreitung, um den Sieg unserer Sache herbeizuführen. Wir richten also an alle unsere Freunde und Gesinnungsgenoffen die dringende Bitte, um die Vergrößerung des Abonnentenkreises der „Selbst-Emancipation!" unablässig bemüht zu sein. Abonnements am besten per Postanweisung. Agenten, die mindestens 10 Exemplare benöthigen, können vom Pränumerationsbetrag, sofern sie denselben mit der Liste der Abonnenten der Administration einsenden, 15°/° als Provision für sich in Abzug bringen. Die Obmänner der einzelnen Vereine der „Zionssreunde" können, falls sie mindestens 10 Abonnenten unserem Blatte zubringen, 20°/0 des Pränumerationsbetrages der betreffenden Vereinskaffe zuführen. Die Administration der Zeitschrift „Selbst-Emancipation!" Die guten und die bösen Vögle. . Kein Mund kann beredt genug, keine Feder hinreichend klar, kein Pinsel genügend natürlich die Gedanken wiedergeben, die das Herz des Mannes foltern, welcher, tausende Meilen von seinen Lieben entfernt, auf fremder, nie gekannter Erde bei erniedrigender Sklavenarbeit, ein Spielball seiner gefühllosen Treiber, sein trauriges Leben verbringt. Welche ungeheuere, erdrückende Last von unbeschreiblichem Elend beschwert die Seele des armen Verbannten, wie sträubt und krümmt sie sich unter diesem fürchterlichen Drucke! Ein schmerzliches Wehgefühl ergreift uns, wenn wir einen Blick thnn in das trostlose Innere des Menschen, der im Exile verschmachtet; es muß sich aber vertausendfachen, wenn wir statt in die Seele eines besammernswerthen Individuums hinabsehen in die eines ganzen Stammes, dem das Schicksal der Berbannnng zu Theil geworden ist, wenn wir forschend blicken in die Volks' seeleJsraellsimOlaluLIi. Ja, macht denn das jüdische Volk alle die Leiden mit, die der Verbannte erträgt; sträubt sich wirklich seine Seele gegen den Druck, krümmt sie sich unter der Mißhandlung, ermattet sie zuweilen unter der Pein, kurz, macht sie die ganze quälende Stufenleiter von schäumender Watt, bis zum ergebenen Gleichmuthe durch? Wer im Stande ist, das zu sondern, was in den Seelen der einzelnen Söhne des jüdischen Stammes vorgeht, von dem, was in der gemeinsamen Volksseele ringet und woget, muß diese Frage bejahend beantworten. Es war vor mehr als achtzehnhundert Jahren, als Israel aus dem vaterländischen Boden herausgcrissen und in's Exil geschickt wurde. Wie die Escorte den Wehrlosen nächtlich überfällt, ihn fesselt, fortschleppt in das Land, wo ihn ein Leben, ärger als der Tod, erwartet, ebenso warf sich die römische Uebermacht tückisch aus das jüdische Volk, unterband seine Kräfte und ^raubte ihm die Heimat. Auf fremde Erde verpflanzt, fand es nicht liebenswürdige Wirthe, sondern hartherzige Vögte. Mit physischen und moralischen Schlägen trieb man Israel zur erniedrigenden Sklavenarbeit, durch ein mit verabscheuungswürdigem Raffinement, ausgehecktes System von Peinigungen drückte man diesen ewigen Stamm auf das tiefe Niveau eines sklavischen Schachervolkes herab. Namenloser Schmerz tobte aber tief im Innern des duldenden Knechtes: In den wenigen Stunden, wo es ihm gegönnt war, im enggassigen, luftarmen, lichtleeren Ghetto von der ihm aufgezwungenen Arbeit des Tages auszurasten, überkam ihn erst so recht das Gefühl seines beispiellosen Unglückes, das Bewußtsein des riesengroyen Unterschiedes zwischen den glücklichen Tagen der Vergangenheit und den traurigen der Gegenwart. Die Dichtungen Die nächste Nummer erscheint am 17. Juli.

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