Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 10 (17.6.1885)
- Date
- 1885-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements - Preise: (Postzujendung inbegriffen.) II Für Lesterr.-Ungarn: Ganzjährig ff. 3. 11 Halbjährig . ' Bierteljähr. -. ihland: . . Ganzjährig Mk. S. Halbjährig „ 3. Viertel,ähr. 1 and: ... Ganzjährig Rbl. Halb,ädrig „ 2. Bierleliähr. „ I. ir. Länder: Eanzjähr. FrcS. s. Halbjähr. 4.i ' Inserate billigst. dE Zeitschrift nntionalcn, [oitnlfn und politischen Interrssrn des jüdischen Stammes. Krscheint zn Anfang und Witte jedes Monats wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? hillel. * 8. gt&artian ruck Aiiministratiaa | Wien, II., Kastellezgaffe Sprechstunde:!! Täglich von -z—s Uhr Nachmittags Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht retournirt. Nr. 10. Wien, 17. Juni. Jahrgang 1885. Inhalt: Pränumeralions-Einladung. — Die Zukunft. — Israel und die Völker. — Volkswille. — Chronik. — Korrespondenzen. — Erez Israel. — Literarisches- — Eingesendet. — Briefkasten der Redactio». — Korrespondenz der Administration. - Inserate. Voranzei.qe. — „Siinson Rafaelowitsch". Roman voii Nehemla Berner. — „Ein Emancipirter", Skizze von Mardochai- — Miscellen. — Räthsel. — Diamam-Räthsel. — Silben-Räthsel. — Magisches Buchstaben-Quadrat. — Räthsel-Auflösung. — An alle Gesinnungsgenoffen richten wir die dringend ergebene Bitte, im Interesse der jüdisch-nationalen Sache unermüdlich für die Verbreitung unseres Blattes und für dre stetige Vergrößerung seiner Abonnentenzahl bemüht zu sein. — Neue Abonnements am besten durch Pastanweisung. — Zugleich ersuchen wir um gefällige baldige Einsendung der noch schuldigen Abonnementsbeträge. Die Administration der Zeitschrift . „S e l b st - E m a n c i p a t i o n!" Die Zukunft. Zukunft! — Giebt es noch ein Wort das in so klarer Weise so viel Unklarheit, in so scharfer so viel Ungenauigkeit, in so leichtverständlicher so viel Räthselhaftigkeit zum Ausdruck brächte? Ist es doch, als ob diese wenigen Buchstaben den Inbegriff aller Unbestimmbarkeit, die Summe aller Ungewißheit ausmachen würden! Diesem Worte gegenüber entringt sich ein Zngeständniß der eigenen Kurzsichtigkeit den Lippen des schwachen Menschenkindes; vor der Zukiiiift steht es zwischen Hoffen und Bangen, ohne entscheiden zu können, welche Empfindung die berechtigtere sei. Und doch, so ergibt sich bei näherer Betrachtung, wird diesem Worte entschieden Unrecht gcthan, wenn nian es mit Vorliebe zn einem riesengroßen Fragezeichen machen will. Gar Manchen lassen ja der abschließende Punkt und der vermittelnde Beistrich im großen Buche der Zeiten, Vergangenheit und Gegenwart nämlich, ebenso sehr im Unklaren, als eben dieses Fragezeichen selbst, als die Zukunft. Derjenige, der vorübergegangene Ereignisse nicht begreift und die Zeit, in der er lebt, nicht erfaßt, kann keinen durchdringenden Blick haben für das, was erst kommen soll. Wer, seinen Kops rückwärts wendend, nichts sieht, sieht auch dann nichts, wenn er nach vorne blickt. Damit will nicht etwa behauptet fein, daß es dem Menschengeisie je möglich werden kann, den Schleier, der über die Zukunft gebreitet ist, zu lüsten und so unsere Neugier völlig zu befriedigen; es sei damit nur gesagt, daß er im Stande ist, mit der Lauge der Einsicht in Vergangenheit und Gegenwart diese» Schleier zu benetzen, so daß er, durchscheinend geworden, uns die Umrisse der Zukunft erkeniirn läßt. So verhält es sich auch bezüglich des Schicksals des jüdischen Volkes. „Es hat sich überlebt", „Seine Mission ist zu Ende", „Es gehört in die Rumpelkammer der Geschichte" „Es ist dem Untergänge geweiht", so und ähnlich lauten die Todesurtheile des Assimilanteiigerichtshoses über den jüdischen Stamm. Könnten diese gestrengen Herrn Richter mehr als oberflächlich blicken in vergangene Zeiten und auf unsere Tage, sie würden sicherlich ihr Urtheil mildern, wenn sie .es nicht gar umstoßen würden. Wollten diese Apostel des Massenselbstmordes sich deffen erinnern, daß sie nicht die Ersten sind in ihrem Metier, sondern daß schon das jüdische Alterthum ihresgleichen anfzuweisen hatte, wollten sie weiter sich vor Augen führen, daß auch damals die auf die Vernichtung des eigenen Volkes gerichteten Bestrebungen resultatlos blieben, würden sich diese Feinde unserer Existenz die Mühe nahmen, um sich zu blicken und zu sehen, wie nutzlos ein solches Vorgehen gegenüber der antisemitischen Strömung, wie unerwünscht es den Völkern ist, würden sie überhaupt in der Geschichte der jüdischen Nation deren zähe Unvergänglichkeit tesen können, sic würden sicherlich die betretene, zu keinem Ziele führende Bahn verlassen und nicht länger die Sisyphusarbeit der Assimilation verrichten, welche noch obendrein selbstbewußten, kräftigen Naturen wenig ansteht. Jedes Blatt der Geschichte des hebräischen Stamms muß den vorurtheilslosen Leser mit der durch nichts mehr zu erschütternden Ueberzeugung erfüllen, daß das jüdische Volk nicht bloß eine große Vergangenheit hat, sondern daß ihm noch eine eben so glänzende Zukunft bevorsteht — eine glänzende Zukunft im ungekünstelten, reinen Sinne desWortes, nicht etwa in der verschwommenen. Die nächste Nummer erscheint am 2. Juli. -W»