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Selbst-Emancipation · 1885-06-02 · Heft 9 (2.6.1885) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 9 (2.6.1885)
Date
1885-06-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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♦ i ♦ ck Abonnements - Preise: jur ^eslerr.-Ungarn: Ganzjährig!l. 3. Halbjährig I „ Deutschland: . . Ganzjährig MI. S. Halbjährig , Rußland: . Äierieljähr. .. Ganzjährig Rbl. 4.— Halblädrig „ 2 Bierleliähr. „ 1. „ die übr. Länder: Ganziähr. Frcr. g H-lbjäbr. 4 ... Bierieljähr. „ 2 26 I DT Inserate SilligS. 1 Zeitschrift nationalen, forialtn und xnlitischkil Juterrssru des jüdischen Stammes. Krfcheiiit z« Anfang und Witte jedes Monats wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht beute, wanil denn? ksillel. ZrtlUtiiin uni Aimiiiistratiou: Wien» II., ßastessezgaffe 8 Sprechstunde: Täglich von ^—5 Uhr Nachmittags II Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Utanuscrixte nicht retouruirt. Nr. 9. Wien, 2. Juni. Jahrgang 1885. Inhalt» Pränumerations-Einladung. — Nationaler Forschritt. — Reichsrathswahlen und die galizisch.-n Juden. — Flüchtige Blicke über Serbiens Juden,'chait. (Feuilleton.) — Chronik. — Correspondenzen. — Erez Israel. — Literarisches. — Eingesendet. — Nachtrag. — Briefkasten der Redaetioil. — Correspoudenz Her-Ad:»iiiistralio!i. - Inserate. - Die heilige Sprache. — „Simsoil Rasaelowitsch", Roman von Nehemia Berner. — „Ein Emancipirier", Skizze von Mardochai. — Miscellen. — Räthsel. — Permutations-Räthsel. — Auflösung des RäthselS. — Auflösung deS Silben-Rüthsel. - Jene P. D. Herren Abonnenten, die den Abonnementsbetrag für das zweite Quartal noch nicht eingezahlt haben, werden höflichst ersucht, dies baldmöglichst zu thun. Gleichzeitig ersuchen wir alle Gesinnungsgenossen, im Interesse"der^Ebtarkurig^der jüdisch-nationalen Sache für die ,Verbreitung .-unseres Blattes eifrig bemüht zu sein. — Neue Abonnements am besten durch Pästanw'eisüng.' - i , -Die Admin,istra-tion - ' . ' ' s ' ' der Zeitschrift 7 , 7 , , , „S e l b st- E m a ü c i p a t i o n!" : Nationaler Fortschritt l Ganz Europa hat gewaltige Umwälzungen erfahreit und geht noch größeren entgegen durch den Sieg jener kraftvollen Idee, die ihre Träger mit feuriger Begeisterung erfüllt,.durch den Triumph des nationalen Gedankens. Die Befreiung der Deutschen vom napoleonischen Joche, die Schaffung des Neugriechenstaates, die Begründung der Einheit Italiens, die Erfüllung der Hoffnungen des Magyarenvolkes, die Proclamirung des deutschen Reiches in Versailles, das Selb'ststäiidigwerden der D'onaufürste'nthümer, die nationalen Bestrebungen der Stämme innerhalb des österreichischen Kaiserstäates, das Alles' sind Wirkungen eines, und desselben Factors, der nationalen Begeisterung, welche, indem 1 fie sich praktische Ziele steckt, für die Veredlung der Gesammtmenschheit-mehr leistet, als die schwächsinnige kosmopolitische Schwärmerei: Erst in den letzten Wochen könnte man' zweimal'die ganze Erhabenheit 'des nationalen Gedankens bewundern lernen/ das eine Mal," als'das gesammt'e' dkütsche Volk das 70.' Wiegenfest' seines' großen Staatsmannes feierte,.und' dann, als' die französtsche Station an der'Bahre ihres'erleuchtetsten'SöhneS trauerte. ' ' Die nationale Idee' ist auf ihrem'Siegeszuge zu allen Völker» gedrungen, sogar in den dunklen Erdtheil hat sie hiniibergegriffen; nur e i n Volk leistet ihr hartnäckigen Widerstand, ein Volk, dem sie mehr nützen könnte, als allen anderen — das jüdisch e. Erst nach hartem Kampfe hat sie einen verhältnißmäßig kleinen Bruchthe,! desselben erobert und dieser Bruchtheil steht mit leicht verzeihlichem Neid auf die nationalen Errungenschaften der anderen^Wlker, betrachtet mit Verbitterung die Lage seines Stammes.' Und'wie sollnicht das Gefühl der-Verbitterung in unserem Herzen anskommen? Wie sollen wir uns nicht die Fragen vorlegen: Warum gerade uns dieses Schicksal, gerade uns diese Aschenbrödelrolle? Warum gerade wir, zerstreut, versprengt in alle Zonen ohne ein einigendes, politisches Band? Warum gerade wir verdammt, nicht nur den Haß,, sondern auch Pie, V,e,r.a ch,t.u n g dfr Völker zu tragen? Warum gerade unser Stamm von einer erbärmlichen Selbstauflösungssucht/befällen?'Gibt es denn wirklich keine Rettung für unser Volksthum? Soll denn in der That es uns nie mehr ^vergönilt sein, 'die natio nale G l e i ch st e l l u n g ,zii erhalten, als Volk den Völkern zur Seite aestellt zu werden? ' " -' " In krainpfhaftem Schmerze niuß sich unser Herz zusammenziehen^ wenn wir solche/ für unseren Stamm depcH mirend wirkende Vorgänge beobachten/ wie fie gelegentlich der österreichischen Reichsrathswahlen zu Tage treten.' In eineni Bezirke der Restdestz tritt ein antisemitischer Candidat auf. Seine Lippen sprechen - ine Wahrheit aus, eine unvergängliche' Wahrheit,- an die auch'der Nationaljude glaubt — d ie nationale Be r sch i ed e n h eit der I » d e'nvon ihren nichtjüdischen Mitbürgern. Mit, demselben Athemzuge aber haucht sein Mund, wie ein Peftschlund, die eckligsten Anwürfe gegeu die sittlichen und geistigen Eigenschaften des jüdischen Stammes aus.' Zu einer Bande von Betrügern, zu einer Horde von Barbaren macht'seine giftgeschwollene Zunge unser ewiges Volk. Da-empört sich unser Inneres, wir wenden uns mit Abscheu'von diesem Manne ab. Unsere-Stimme kann dem nicht gehören, der unser Blut so beschimpft. Also geben wir die'Stimme dem Gegencandidaten? Was ist er denn? Ein „liberaler" Mann,' d. h. ein'Man», der eintritt für Aufklärung, Freiheit,- Menschenwürde, Gleichheit. Und was ist er sonst? Ein' „deutscher" Mann, d. i. ein Mann, der WT Die nächste Nummer erscheint am 17 Juni.

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