Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 8 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Selbst -Eman cipation! Ne. 8. betet? Seine Stammesgenoffen waren in Aegypten bedrück^ verhaßt, warum erhob er nicht de» Ruf: Werdet Aegypter und ihr werdet frei sei»! Warum? Weil er eben durchdrungen war von Na tionalg e fü h l und von der sittlichen Wahrheit, daß die Rettung z u m neue n Leben höher steht als die Rettung durch Selb st mo rd. Auch jetzt brauchte unser ,chwankendes, irrende« Volk einen geistesgewaltigen, trefflichen Leiter gleich Moses, aber Io kam ka-Moscheli, es erstand und es 'ersteht kaum gleich Moses ein Zweiter. Doch darf uns dies nicht zurückichrecken, daß eilt solcher Mann uns jetzt mangelt. Jst's ja «ine im Jahrtausende nur einmal gewährte Gnade, daß etn Volk einen große» Sohn wie Moses erzeugt. Was der eine Mann gewirkt durch die Rieseustälke seines Geistes und Charakters, das müffen die Besten des Volkes insgesammt leisten zur Zeit, da es Roth thut. Die Besten des Volkes müffen der Moses unserer Tage sein, sie muffen ihre Arbeit beginnen uud dabei ausharren, auch wenn sie, gleich dem Manne Moses, sicher sind, daß sie die Früchte ihrer Arbeit selbst nicht mehr sehen werden. Mas thun? Betrachtungen eines Juden über die Zukunft seiner Nation. Ibi dous, ub i xstria. u n s e r e R e t t u II g. Bl»men und ffruchie, lernt allgemeinen Ä h den allgemeinen Auseinandersetzungen und D des Artikels I will ich zu den Punkten über- - den Kern der sogenannten jüdischen Frage bilden. > - andere Völker uns affimittren wollen und Wollen und können wir es selbst? WaL die Volksmassen betrifft, so haben dieselben immer und überall einen ciltjchiedenen und gesunden Widerwillen gegen die Assimilatioiistendeiiz geäußert. Anders — die Intelligenz. Nicht nur strrbt sie, sich vom Volke 1111b das Volk von feiner organischen Basis losznreiß-n, sondern hält diese miserable und wahrhaft pathologische Joee für das einzige Rcttnngsmittel. Welch' Hohr uitd würdige Mission! Intelligente Brüder! Wenn wir einst diesen Zweck erreicht habe» sollten, so haben wir damit in vollem Maße verdient — d i e Verachtung der ganzenMensch h eit. Haben wir denn das Recht, unser Volk dem Verfalle zu überlassen, den Selbstuiord zu predigen? Mit anderen Worten: Kann die Affimilationstendenz genügend gerechtfertigt werden? Haben die Nationen, unter denen wir leben, bewiesen, daß sie höher stehen als wir, daß sie größerer Ideale fähig, ihre moralischen Grundlagen breitere seien? Denn nur dann würden mit ilnserem Untergange die Leiden Anderer sich vermindern und die Menschheit etwas gewinnen, nur dann wlirve der Assimilationsproceß unsere moralische Qualität verbessern, uns eine' größere Culturkrast geben, als wir besitzen. Lassen wir die Geschichte Vergleiche ziehen, so giebt sie uns unparteiische und unzweideutige Antwort auf diese Frage. Fassen ivir einmal die Principien, welche das praktische Leben des israelitischen Völkchens beherrschten, die Jdea'e, welche es durch seine moralischen Fortschritte vor circa 3000 Jahren schuf, etwas genauer in's Auge. Gleich Sternen beleuchten sie von der Ferne den^Veg der Wenn man das praktische Leben des Kanaan mitdem der heutigen Jude» vergleicht, so sieht man klar, wie tief eine Nation in moralischer Hinsicht fallen kann, wenn sie den moralischen Stützpunkt verliert, .ick sst ihre physische und moralische H-imat. ~ nufere Mittel zum geistigen sie größer, als damals. Die echte, grüudl.chc »nd Civilisatioii entsteht aber nur dann, wenn drei des. geistige und moralische Cultur. Die alt- Civilisation charakterisirt sich durch den über¬ Ein hebräischer Lyriker. Eine todte Sprache! so hören wir auch von jüdischer Seite sagen. Die Sprache der Bibel, aber nicht die Sprache einer sich entwickelnden Literatur. . . . Und dennoch, wenn wir uns nach dem umblickrn, was in der hebräischen Literatur in den letzten Deeennien produeirt wurde, so werden wir uus wahrhaftig dessen nicht zu schämen brauchen. Nehmen wir die Werke eines Smolenskh, Lewijohn (Adam), Mapu rc. so wird ersichtlich sein, daß die hebräische Sprache zwar von ihrer Ursprünglichkeit nichts eingebüßt hat, aber neues Leben gewounrn. Einer von denen, die der klassischen hebräischen Sprache einen neuartigen Reiz verliehen, ist Nathan Samuely, der Dichter des „Xsrrok renunim“ (Lyrische Klänge). Dem hebräischen Lyriker flicht die Mit- und Nachwelt keine Lorveerkränze, mag er mit dem Genie eines Heine begabt sein und io kommt es, daß samuely, selbst bei seinen eigenen Stammesgenossen nngekannt blieb. Enttäuscht hat Samuely seine Leyer, der er die herrlichsten Klänge entlockte, bei Seite gelegt uud von der hebräischen Literatur für die er so Schönes geschaffen, sich abgewendet. Und dennoch ist Samuely ein gottbegnadeter Dichter, ein Zauberer der.Sprache, der ihrem Metalle die schönste Form verlieh, ein echt und tief empfindender Lyriker! Ec hatte sich mit seinen Gedichten der modernen Literatur genähert uud der Einfluß Heines, dem er in Manchem so ähnlich sieht, ist bei ihm nicht zu verkennen. Daß seine lebhafte Phantasie manchmal in Uebei schwänglichkeiten ausartete, war bei der Jugend dieses Poeten nicht zu verwundern, daß aber alle seine Dichtungen nur düstere Stimmung durchzieht, daß kein fröhlicher Ton, der der Jugend besonders eigen ist, dieselbe dämpft, was Wunder > In einem kleinen galizischen Städtchen geboren, verlebte er keine freudevolle Jugend. Unter welcher Umgebung befand er sich? unter einer unwsffeuden fanatischen Menge; und daun das dumpfe Cheder! Alles das war. nicht geeignet^ die Ausgrlaffenheit der Jugend aufkommen zu laffen. — Drei Dinge sind es besonders, für die er die herrlichsten, tiefgefühltesten Accente fand: für die Natur, für seine), Vater und für die große jüdische Vergangenheit und'den Boden unserer Utväter: Erez-Jsrael. Der Geschichte unserer Nation entnahm er die Stoffe für seine mit lebhafter Darstellungsknnst gedichteten, meisterhaften Epen. Samuely hat sich, wie gesagt, von der hebräischen Literatur abgewandt und sich dem Gcurebilde aus dem jüdischen Leben in deuscher Sprache, in welchem er eine neue Seite seines Talentes zeigt, gewidmet; wenn aber Diefe. wenigen- Zeilen dazu beitragen sollten, für ihn Verehrung und Anerkennung hcrvorzurufen und ihn der hebräischen Literaturseinem eigeistlichen Gebiete, zurückzusühren, so wird ihr Schreiber jene Befriedigung empfinden, die das Bewußtseineine gute That vollbracht zu haben, hervorruft. Brody. * Hermann Menkes.