Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 8 (18.5.1885)
- Date
- 1885-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements - Preise: (Postzusendung inbegriffen.) || Für Lefterr.-Ungarn: Ganzjährig st. Halbjährig „ Bierteljähr. „ - Seuilchland r. . Ganzjährig Mk. Halbjährig Bieneljähr. .. lutzland : ... Ganzjährig Rbl. Halbiährig „ Bierieljähr. „ ie übr. Länder: Ganzjihr. FrcS. Halbjähr. „ Bicrleljähr. „ ' Injeraie billigst. ' Zeitschrift für die nationalen, fomlcn und Politischen Interessen des jüdischen Stammes. Krscheint zu Anfang uud Milte jedes Mouats Wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? Zrdaltmll ullii AdmistiMtiiia: | Wien, II., ßastellezgasse 8. Sprechstunde: | Täglich von 4—5 Uhr Nachmittags Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Utanuscripte nicht retournirt. Nr. 8. Wien, 18. Mai. Jahrgang 1885. Inhalt» Präiiumeralions-Einladuilg. — Moses. — WaS th»n? — Chronik. — Correspondenzen. — Erez Israel. — Literarisches. — Briefkasten der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Inserate. - „Simson Rafaelowitjch", Roman von Nehemia Berner. — „Ein Emancipirter", Skizze von Mardochai. — Miseellen. — Räthsel. — Arithmogriph (Hebr.) — Silben-Räthsel. — Auflösung des Diamant-Räthsels. — Auflösung des Arithmogriph. Die P. T. Abonnenten wurden höflichst ersucht, den Pränumerationsbetrag für das zweite Quartal an die gefertigte Administration einzusenden, damit keine Verzögerung in der Zustellung der weiteren Nummern eintrete. — Neue Abonnements am besten per Postanweisung. Die Administration der Zeitschrift ' „S e l b st - E m a n c i p ati 0 n!" Moses. Der bedeutenden Männer gibt es gar viele, jedes Jahrhundert besitzt sie, jede Nation hat sie aufzuweisen; aber große Zeitläuste rauichen dahin, bis rin mehr als bedeutender, bis ein gewaltig großer Mensch auftaucht unter den Milliarden von Alltagsexistenzen und glücklich das Volk dann, dem es gegönnt ist, Zusagen: Er ist unser! Geheiligt ist die so selten erscheinende Stunde, wo ein Menschenkind geboren wird, dessen Name bestimmt ist, ewig zu leben; wie ein funkelnder Stern durch unermeßliche Räume leuchtet, zu leuchten durch unendliche Zeiten. Eine heilige Stunde des Glücks für das Weltall war es, als Moses geboren ward, eine Stunde besonderen Glückes für uns, daß er als E i ne r der Unfern das Licht des Tages erblickte. Der Volksmund spricht von Moses, „unserem Lehrer", nicht von Moses „unserem Befreier"; es ist ein tiefinnerer Grund vorhanden für die Wahl dieser Bezeichnung, derselbe Grund, der uns veranlaßt hat, am Schewuoth- und nicht am Peßachfeste den größten Sohn unseres Stammes zu feiern. Ja es gehört Kühnheit, Begeisterung, Aufopferung dazu, ein Volk aus der Sklaverei zu befreien, aber mehr noch als das Alles, unerreichte moralische und geistige Kraft sind nöthig, um die Spuren zu verwischen, welche die Sklavenketten zurückgelasscn haben. Der Mann, dem es gelingen konnte, aus einer Sklav-nhorde eine Nation zu machen, eine Nation, die, nie untergehend, den größten Einfluß nehmen sollte auf alle übrigen Völker, der Mann ist gewaltig groß, sein Name ist eine Fackel für Jahrtausende. Der Gesetzgeber MoseS ist mehr für uns als der Befreier Moses. An die Stelle von Niedrigkeit hat er Selbstbewußtsein zu setzen gewußt; an die Stelle von Feigheit, Muth, an die Stelle von Stumpfsinn geistige Regsamkeit. Durch sein unvergleichliches Gesetz hat dieser gottbegnadete Mann unverlöschbaren Lebensodem dem jüdischen Volkskörper eingehaucht; die herrlichsten Wahrheiten, die er lehrte, haben an jedem einzelnen Gliede seines Stammes ihre verbessernde Wirkung ausgeübt, haben ihren veredelnden Einfluß vererbt von Geschlecht zu Geschlecht. Das mosaische Gesetz war die Grundlage des jüdischen Staates, mehr als das, es war die Bedingung seines Bestandes. So stellt sich Moses uns dar, nicht blos als Stifter unserer Religion, sondern auch als Begründer unseres V 0 l k s t h u m s, so ist Moses nicht nur unser erster und größter Prophet, er ist auch unser erster und größter Nationalheros. Und doch wird der Name Mosis mißbraucht, nur Bestrebungen damit zu bezeichnen, die auf Vernichtung unseres Volkes hinzielen. Man stellt die „mosaische Lehre" entgegen dem „jüdischen Volke"; wie weit entfernt man sich doch durch diesen Vorgang von den Absichten Mosis! Als wenn es möglich wäre, zu bestimmen, wo bei diesem Manne der von der Gottesidee begeisterte Prophet aufhört und der für sein Volksthum erglühende Staatsmann anfängt, als wenn es nicht aller Welt klar wäre, daß es Moses ebensosehr um die volkswirthschaftlichc als geistige Glückseligkeit seines Stammes zu thun war. Es kann kein stärkeres Beweismittel gegen die sogenannten „Deutschen und .Slaven mosaischen Glaubens" gefunden werden, als das Vorgehen Mosis selbst. Am ägyptischen Hofe ausgewachsen, von ägyptischer Cultur rings umgeben, der ägyptischen Bildung theilhaftig geworden — warum that er das nicht, was unsere Assimilanten thun, warum schnitt er den Faden, der ihn mit seinem Stamme verband, nicht entzwei? Wenn ihm das Licht einer neum Gotteslehre aufgegangen war, warum betrat er nicht den Weg der heutigen Assimilanten und wurde nicht ein Aegypter, der den einig-einzigen Gott an- BQT Di? nächste Nummer erscheint am 2. Jnni.