Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 7 (1.5.1885)
- Date
- 1885-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 7 Selb st- Emancipatio»! Seit-' 11 Anna hatte sich nicht getäuscht. Es war wirklich Jsmene, welche helfend eingegriffen hatte. Simson hatte ihr von Benjamin's Seelenzustand erzählt. Sie erschauerte, wenn sie daran dachte, daß dieser junge Mann, der sie sympathisch berührte, mit einein Mädchen, wie Fräulein Klatt, sich verheiraten müßte. Ans ihre Bitten streckte Harry, dem große Baarmittel zur Disposition standen, das Nöthige vor und das Bankhaus Jacques Rafaelowitsch war vor dem Aeußersten, vor dem Bankerotte bewahrt, wenn auch seine Lage noch eine sehr kritische war. Der Banquier hätte zwar durch das Zustandekommen des Hsiratsprojectes sein Hans in dem alten Glanze fortführen können; jetzt mußte er sich mit dem Fortbestand desselben begnüge», aber er war im Herzen froh, daß sein Sohn diese Ehe nicht eingehen mußte. (Forts.tzung folgt.) (Ain (Arnaner^rrlev. Skizze von Mardochai. (Fortsetzung.) Das Zimmer, in welches Dr. Maier geführt wurde war mit ausgesuchter Pracht möblirt. Au dcn Fenstern schwere, seidene Vorhänge, die einen rosigen Schimmer auf die im Halbdunkel stehenden Gegenstände warfen. Die Wände mit französischen Landschastsgemälden bedeckt, zwischen den beiden auf den Garten hinausgehenden Fenstern ein Spiegel, der bis auf den Boden reichte und in feinen geschliffenen Rändern die sonderbarsten Zerrbilder zeigte, rechts ein Damastsopha aus drapfarbenem Zeuge mit einigen Fauteuils und einem großen auf vier sphlnxartigen 'Figuren ruhenden Tische, links ein Flügel von Erard, ein Pult mit sehr elegant gebundenen und in musterhafter Ordnung nebeneinander aufliegenden Notenheften, in der Mitte ein Kronleuchter aus fein geschliffenem Glase mit reich vergoldeten Bronze-Armen, der just von den zwischen :bnt Falten der Vorhänge durchgleitenden Sonnenstrahlen . getroffen, in hundert und abermals hundertfachem regenbogenfarbenem Glanze aufleuchtete. Beim Eintritte Dr. Maier's hob sich eine schlanke -Mädchengestalt von der Seite einer am Sopha hingelehnten älteren Frau. Es mar Helene, in der That, ein reizendes Geschöpf von vielleicht siebzehn Jahren mit Hellem goldig schimmernden Haar, blauen Ange»' und einem frischeirosigen Teint. Sie trat dem Angekommenen um einige Schritte entgegen und mit der Frage: „Dr. Maier? —" worauf sie ein bejahendes Kopf- .nicken zur Antwort erhielt — geleitete sie ihn zur kranken Mutter. .Diese litt . . wie gewöhnlich au Migräne, ein Uebel, das man leichter erklären, als heben kann. Die Kranke wußte auch, daß sie nur nach langer Cur eine Befferuug zu erwarten habe und wünschte nur irgend ein Mittel, das ihre Nerven beruhigte und ihr ermöglichte zu schlafen — da sie ganze Nächte hindurch kein Auge schließen konnte. Dr. Maier verorduete Morphium und nach einigen Gemeinplätzen über das Wetter, den Curort, die Gäste .. beurlaubte er sich mit dem Versprechen, morgen wieder zu ckommen. Nach einigen Tagen war er ziemlich vertraut mit der .Familie geworden. Er erfuhr, daß der Vater Helenen's, ein reicher Banquier aus Frankfurt, sich von seinen Ge- -schüft mit etlichen Hunderttausend zurückgezogen und hier in diesen climatischcn Curort nur d-irch Zufall verirrt habe, und sich auch nur durch Helenen's Eigensinn, die sich in den .Kopf setzte, hier einige Monate zu bleiben, bestimmen ließ fein Haus hier aufzuschlagen.' ' Helene gefiel dem Dr. Maier ausnehmend in ihrer überschäumenden Jugendlust und durch ihr erstaunliches Wissen. Sie kannte mehrere Sprachen, hatte Naturforscher, Geschichtsschreiber unb Philosophen gelesen, war unbefangen und originell im Urtheil, sprach sehr schön und richtig, zeichnete Landschaften und porträtirte nicht schlecht — vor Allem aber pflegte sie Musik. Sie hatte ein seltenes Tongedächtniß. Sie spielte Hunderte von verschiedenen Volksarien auswendig, besonders aber russische und ungarische National-Mclodien. Mit großer Technik und innigem Gefühl gab sie auch die Werke großer deutscher Tonmeister, namentlich Schumann's wieder. Dr. Maier mußte oft singen. Seine Stimme war wenig geübt, aber er mußte sich fügen. Sie begleitete ihn am Clavier. Langsam gewöhnte sich der junge Arzt an diese Gesangstunden und es fehlte ihm etwas, wenn Helene indisponirt war. Inzwischen schrieb er auch dann und wann au Mirjam, aber immer seltener, und er konnte es sich nicht verhehlen. daß von Tag zu Tag ihr Bild mehr in leiner Seele verblaßte. Mirjam mochte es fühlen, daß sie ihm gleichgiltiger geworden ist, denn sie beantwortete blos seine Briefe und bestürmte ihn nicht mehr — wie sie es Anfangs that — um häufigere und ausführlichere Berichte. Die Saison ging zu Ende. Vom Gebirge kam häufiger und häufiger ein rauher Wind, der die Wipfel der Bäume tief zu Boden neigte, das grüne Laub mic seiner Kälte durchzog und es welken und fallen machte. (Fortsetzung folgt.) Misceli'en. (Ein Schlaukopf.) Zn dem Vorsteher einer kleinen jüdischen Gemeinde in Ober-U»garn kam einmal ein reisender „Melamed" zu Gaste. Da es gerade Freitag Abend war, so sind der Vorsteher den Gast zur Abendmahlzeit, welche Einladung dieser seibstv rsiändl-ch auch aunahm. Nachdem man aus dem Tempel nach Hanse gekommen, begab man sich zu Tische, der Hausherr verrichtete das „Kiduschgebet" und jetzt kamen die üblichen Fische aus den Tisch. Der hausherrliche Gemeindevorsteher, der den Geizhais, als welcher er im Orte ansgerusen ivar, auch bei dieser Gelegenheit nicht unterdrücken konnte, legte jedem der Familienangehörigen wohl rin schönes Stück Fisch auf den Teller, dem Gast jedoch wies ee blos die Hälsie eines Kopfstückes zu. Nun begann Alles Messer und Gabel in Bewegung zu setzen — Alles aß, nur d r Gast saß bewegungstos, über seinen Teller gebeugt, und nur gaaz leise murmelnd, vor seinem halben Kopfstücke. Eine Wen« beobachtete Um dec Hausherr, daun fragte derselbe dcn Gast verwundert, warum er denn nicht esse? Dieser blickte ans, räusperte sich verlegen und sprach: ^„Das ist eine eigenthümliche Geschichte, lieber Vorsteher. Als ich nämlich heute Früh auf dem Wege H etzer eine Brücke paffirte, fiel nur mein Tefickinbentelchen sanimt Inhalt in'- Wasser. Ich frage nun das halbe Kopfstück da, weiches sich doch wohl in diesem Wasser befunden haben muß, ob es nichts von meinen Tefillin gesehen. Und da sagt es tute eben, daß es wohl etwas davon wisse, jedoch nicht weiter sprechen könne, da es nur einen halben Mund habe; daß es aber bestimmte Auskilnfl werde geben könne», wenn die andere Hälfte des Kopfstückes zu ihm auf den Teller gelegt würde." — Der Hausherr verstand den Wink und legre chm, ohne ein Wort zu sprechen, die andere Hälfre des Kopfstückes ans den (Humoristisches.) A.: Was sind die Engländer in Egypten? — 93.: Nun? — A.: Sie sind dort die elfte Plage.