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Selbst-Emancipation · 1885-03-16 · Heft 4 (16.3.1885) · p. Seite 9

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 4 (16.3.1885)
Date
1885-03-16
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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S e,I:.b st-E ma n c i Patron! Nr. 4. Die vier Noch flimmerte in -nebelgrauer Fern' Im Düsterschein der kalte Morgenstern, Kaum lüftete des Schläfers bleiche wang' Des kühlen Vstwind's weh'n, so leis und bang. Als schon die Vögte mit entmenschten Hiebe» Den Juden zu dem harten Frohne trieben. Und gegen Himmel einen Schmerzensblick Das Vpfer wendet; duldsam, in's Geschick Sich fügend baut sodann mit Angst und Schweiß Dem strenge,» Pharo Städte Jsra'ls Fleiß. - Doch immer scheint der herbe Druck zu wenig Und immer neue Pein ersinnt der König. So hingerissen von dem Hochmuthswahn Linst kündigt er den rohen Schergen an r „Dies ist »»ein unabänderlicher Schluß, Daß Iacob's ganzer Stamm verderben muß;' Und wird ein Iudenknabe nur geboren. So sei er in den Wellen Nil's verloren!" verzweifelnd brach so manches Mutterherz, Und Gott erhörte ihren tiefen Schmerz; Lr lenkte gnädig sie mit starker Hand Hinweg von der vernichmng sich'rem Strand Und stellte an die Spitze der verirrten Iochebed's großen Sohn, den guten Hirten. Drum strahlt das peffachfest in schönster Pracht, Drum jubelt Israel in der Sedernacht: Ls strömt im Wonnefluß des Liedes Lust' Und rascher schlägt das Herz in jeder Brust: Begeistert stimmt zu». Saug der frohe Zecher, Kredenzt der Freiheit seinen?r st en Becher. Doch wie die Lbb' und Fluth in stetem Streit, So wechselten Iehuda's Freud uud Leid: Hinweg »ach kurzer Ruh im Heimatland' -Vertrieb man sie „ach Babels fernem Strand Und traurig hangen in den Weidenzweigen, Des Tempels Zierde, der Leviten Geige». verstummt war Psalmensang und Saitenspiel Nur Heimweh war das einzige Gefühl Und manche bittre Schmerzenszähre quoll. Dochendlich war: das Maß der Leiden voll Und holde Freiheit dürft' uns wieder winken: Drum laßt uns froh den zweiten Becher trinken l Becher. Und siehe! Isra'ls treuer Unglücksstern, Lr blieb auch diesmal nicht zu lange fern: Denn aus des Haffes giftgeschwoll'nem Born Lrgoß sich über sie des Hamans Zorn, Und was nur Jude, sollt ermordet werden Und spurlos ausgerottet von der Lrden. Die Noth war groß I Ls betet und kasteit Sich Kind und Greis in Gottergebenheit Und gnädig zog uns wieder Gottes Hand Hinweg von des Verderbens jähem Rand Und reichlich flößen uns're Freudenzähren. Deshalb laßt uns den dritten Becher leeren l Nicht lange schien des Friedens Sonnenpracht, Sie wich des Misgeschickes wüster Nacht: Vernichtung droh't das span'sche Tribunal Dem edlen Duldervolk von Gottes Wahl. Und was sich weigert, Taufe anzunehmen. Das mußte sich zum Wanderstab bequemen. So irrten lange sie von Larid zu Land, Gehaßt, verfolgt, gepeinigt und verkannt, A»f Schritt und Tritt von Feinden schwer bedrängt Und schließlick in das Ghetto eingezwängt, verschmachtet lagen sie an Geist und Gliedern Und ohne Trost, die arnien Glaubensbrüder. Zwar drang vom Westen her der Gleichheitsruf, Der auch für Juda endlich Hilfe schuf. Und Menschenrechte vor dem Lrdenthron verlieh uns Habsburgs großer, milder Sohn, Allein der Blinde kann das Licht nicht blicken. Der Freiheitsstrahl, er konnte nur berücken. Denn Juda brach mit der Vergangenheit, Hat selbst dem Untergange sich geweiht. Ls wollt' von Iudeneinheit nichts versteh'», woll't in der Völker Menge nntergeh'n; Und was die Scheiterhaufen nicht vermochten. Das hat der Freiheitsfirahl so leicht erfochten. Doch als des voskes Geist gesunken war. Da rafft' empor sich eine Brüderschaar, Die der Nation Lrrettungs-Aussicht schuf: „Lmancipirt Luch selbst", erklingt ihr Ruf. So füllet mir doch rasch zum vierte» Male Mit Rebensaft die schäumenden Pokale l

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