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Selbst-Emancipation · 1885-03-16 · Heft 4 (16.3.1885) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 4 (16.3.1885)
Date
1885-03-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4. Selbst-Emancipation! Seite 7 ihr auch ihr schweres Kreuz. Der natürliche Wunsch aller, uud in doppeltem Maße ihrer Eltern, die Tochter unter die Haube zu bringen, stieß auf ungemein große Schwierigkeiten. Nicht als ob es ein Mangel an Freiern war., im Gegentheil, das Geld der Eltern und das nicht unschöne Lärvchen der Tochter zog eine rcspectable Menge von Bewerbern um ihre Hand an, aber in jedem derselben entdeckte die Tochter etwas Jüdisches, was sie durchaus nicht mochte. In einem deutschen Badeorte erst, welchen das .Fräulein Tochter mit ihren Elter», der feinen Sitte gemäß, jeden Sommer besuchte, entdeckte das Fräulein ihr Ideal, einen jungen Mann, au dem jeder Zoll ein Christ war, .an dem es und auch die Eltern Gefallen fanden; es ward ihm von letzteren nahegelegt, daß er um die Hand der Tochter werben möge, er aber zögerte, küildigte vorerst seinen Besuch in ihrer Heimat für December an, welche Pause er benutzen will, die Einwilligung seiner Eltern einzuholen. Die Cur wurde beendigt, die Heimreise angetreten, -auch der ersehnte December kam, dessen letztes Viertel den .erwarteten Gast brachte. Er meldete pflichtgemäß seinen Besuch an, es wurde ihm zu Ehren ein Abend veranstaltet, selbstverständlich wurde nicht ein jüdischer Gast, nur lauter Christen zu demselben geladen. Es war eine fröhliche Gesellscha r, man musicirte, spielte Karten, conversirte, endlich wurde die Gesellschaft zum Nachtmale gebeten. Die Thüren des Speisezimmers öffnen sich, jeder führt seine Dame zu Tische, der deutsche Gast führt das Fräulein des Hauses am Arme. Im Eßzimmer überraschte die Gesellschaft — es war eben Weihnachten — ein wunderschön aufgestellter Christbaum. Beim Anblick desselben that der fremde Gast, als ob er an etwas erinnert würde, entwand seinen Arm dem des Fräuleins, entschuldigte sich mit der ausgesuchtesten .Höflichkeit, daß er au etwas Unaufschiebbares, Dringendes erinnert würde und deshalb zu seinem Bedauern sofort - die Gesellschaft verlassen müsse. „Vielleicht können Sie sich vertreten lassen?" fragte die Schöne. „Unmöglich, mein Fräulein," sprach er mit allerchristlichster Grazie; „ich muß die Chanukalichter anzünden, an die ich durch die Lichter am Baume hier erinnert wurde." — Mit dieser schönen Pointe schloß die Erzählung, welche die Zuhörer in die heiterste Stimmung versetzte. Herr Samuciy will seine Erzählungen gesammelt in einem Buche herausgeben; möge kein Freund von schönen Charakterschilderungen es .unterlassen, sich dieselben, anzuschaffen. (Lemberger „Israelit".) Dichtungen von Dr. Joachim Jacob Unger. (Zweite, vielfach vermehrte Auflage.) Jglau. Anton Bayer. 1885. Die erste Auflage erschien vor mehr als dreißig Jahren. Seitdem hat sich die Zahl der Gedichte um vierzig vermehrt. Man könnte dem Verfasser nur gram sein, daß es nicht noch mehr geworden sind. Die Gedichte entzücken durch Gehalt und Sprache; dem Feinschmecker für unverfälschtes Hebräisch sind sie ein Genuß. Merkwürdige Gewandtheit zeigt der Verfasser in Gelegenheitsdichtungen. Auch durch besonders nette Ausstattung empfiehlt sich das Werk. Hnmoresten von M. Weitzmann. Wien 1884. Der Verfasser ist ja hinlänglich durch seinen stylgewandten Gebrauch der hebräischen Sprache bekannt. In den uns vorstiegenden Werkchen hat er sich aber eine besonders dankbare Aufgabe gewählt, die er auch meisterhaft gelöst hat. Wie kaum eine Sprache eignet sich die hebräische für kurze -Epigramme und humoristisch-sinnige Anecdoten. Solche, mnd Lwar äußerst gelungene, bietet uns nämlich das Werkchen. Lefchön Lemudim. Leichtfaßliche, und kurze Regeln in Form eines Gedichtes als Leitfaden der hebräischen Grammatik. H. L. Teller, Lehrer der hebräischen Sprache an/der israelitischen Schule in Bottuschan. 1884. Uns liegt das erste HeH dieses Weckes vor, welches über den Nikud handelt. Der Verfasser hat seine Aufgabe in trefflicher Weise gelöst. Dem verhältnißmäßig trockenen Gegenstände hat Herr Teller eine reizende poetische Gewandung zu gebe» gewußt. Die zierlichen hebräischen Verse sind ain besten aeeignet, die mannigfaltigen Regst» dem Gedächtnisse einzuprägen. Von Bedeutung ist auch die Vorrede, in welcher der Verfasser auf die Pflege der hebräischen Sprache als eine nothw.-udige Bethätigung des wiedererwachte» jüdischen Natioualgesühles hinweist. (Sir Moses Montefiore Bart.) Ein Lebensbild. Zum Andenken an die Vollendung seines 100. Lebensjahres aus dem Engl-schen des Mr. Israel Davis in's Deutsche übersetzt von Dc. Josef Fiebermann. Mit den Bildnissen Sir Moses und Lady Judith Montefiores. Frankfurt a. M. 1884, Selbstverlag des Uebersetzers. 48 S. gr. 8. Pr. 40 Pf. Diese Broschüre, ein Sondecabdruck aus der „Jüdischen Presse", behandelt von allen bisherige» Biographien am ausführlichsten den Lebensgang des berühmten Menschenfrelucdes. Die Schrift Mr. Jsr. Davis hat zu fast allen Biographien Montefiore's welche im vergangenen Jahre in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind, das Material geliefert. Sie enthält übrigens nicht blos die Thatsachen aus den Leben des großen Philanthropen, sondern auch wichtige Mittheilungen aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts, namentlich solche, welche das Judenthum und seine Erhebung über die alten, tiefgewurzeltcn Vocurtheile betreffen. Das Wichtigste allerdings ist, daß wir endlich im Zusammenhang und in einer längst gewünschten Ausführlichkeit über den Mann unterrichtet werden, welchen die ganze Welt nennt, und der durch seine nationalen Großthaten, die Lauterkeit seines Charakters, die Größe seines Einflusses und sein selten hohes Alter geradezu zum „Resch. Gelutha" geworden ist. „Der arme Poet" von Kotzebne und Schiller's „Resignation". In's Hebräische übersetzt von Isidor Brüftiger. Lemberg 1384. Ehrenpreis. Die Uebersetzung kann, was die Qualität des Hebräischen betrifft, als gelungen betrachtet werden. Wem das Hebräische i» dem Maße eigen ist, wie Herrn Brüftiger, der sollte seibstschöpfercsch auftreten und sich nicht der undankbaren Aufgabe der Uebertragung aus dem Deutsche» in's Hebräische zuwenden. Commercielles. (Krakauer Handelskammer.) Vorige Woche wurden in die Krakauer Handelskammer folgende Herren gewählt: Mendel Holländer, Aaron Holzer, Julius Epstein, Joseph Liban, Hermann Ringelheim nud Wilhelm März. (Nordbahn-Borlage.) In der am 12. d. M. stattgehabten Abendsitzung hes Eisenbahn-Ausschusses wurde daS neuerdings ausgearbeitete Uebereinkommen mit der Nordbahn — wie aus volkswirthichaftlichen Gründen nicht anders zu erwarten stand — mit großer Majorität angenommeu. Die der „Vereinigten Linken" angehörigen Ausschnßmitglieder gaben ein Minoritätsvotum ab, welches sich für 1>ie Verstaatlichung ausspricht. Briefkasten der Revaetion. Herrn F. in Lemberg. Einige kleine Aenderungen waren inlbedingt nöthig. Herzlichsten Dank und gesiniiungSbiüderlichen Gruß! Herrn St. in L. Sie gehen scharf in's Zeug. Ganz recht, denn diese Le»te verdienen es nicht anders. Gesinnnngsbrüderlichen Gruß! Herr« H. L. T. in Bottuschan. Ihr Räthsel nächstens. Besten Gruß! An die Herren Einsender von Räthselaufgaben. Ein« größere. Anzahl von Räthselaufgaben maßte für die nächsten Nummern hinterlegt werden, da Ueberfluß an Räthselmateriale vor- Händen ... .

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