Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 3 (2.3.1885)
- Date
- 1885-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements - Preise : iPostzusendun, inbegriffen.» Für Oesterr.-Ungarn: Gan,iährig ff. LSI Halbjährig „ I 81 Bierleljähr. —.9< Deutschland - . . Gan,jädrig Mk. S L! Halbjährig ,, 3.SI Äierieliähr. .. 1 6t „ Rußland: ... Ganzjährig Rbl. 4- Halbiadrig „ L.- „ die übr. Länder: Ganziähr. Fr'c'r. 9 Haldjähr. „ 4.5l Vierieljähr. „ 2.2k ' Inserate billigst. ■ Zeitschrift nationalen, [analen und patilischcn Interessen des jüdischen Stammes. Krfcheinl zu Anfang und Mille jedes Monats. Ivenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? kfilleh AkLactillff »iid Allmnislüatiim: | Wien. II, ßastessezgaffe 8. | Sprechstunde: | Täglich von 5 Uhr Nachmittags Unfranki'rte Briefe werde» nicht angenommen und 27Tamifcripte nicht retonrnirt. Nr. 3. Wien, 2. März. Jahrgang 1885. Inhalt; V u r i in. — Der Weg zum Ziele. — Feuilleton: Aus der Einleitung in die Gesetzgebung des Talinuds. — Cbrdnik. — Smolensky-Gedächtnißfeler in Lemberg. — Für die Hinterbliebenen Smolensky's. — Erez Israel (Anzeige.) - Arieskasten der Redaktion. — Correspondenz der Administration. — Inserate. — „Sluisou Rafaelowitsch", Roman von Nehemia Berner. — „Ein Emancipirter", Skizze von Mardochai. — Miscellen. — Arithmogriph. — Räthsel. — AnjlSiuiig des Raihsels aus Nr. 2. — Auflösung des Arithmogriphs aus Nr. 2. Unter den uns rotournirten Nummern befand sich eine Anzahl solcher, welche nicht die Namen der Absender tragen; wir sind daher dafür nicht verantwortlich, daß manche der P. T. Herren, die zurücksandten, auch die dritte Nummer erhalte und bitten solche Herren, uns nochmals, gütigst, diesmal mit Namensangabe, retourniren zu wollen. . Zugleich werden die P T. Herren, die die Zeitschrift behalten und den Abonnementsbetrag noch nicht beglichen haben, höslichst ersucht, denselben — am besten per Postanweisung — gefälligst einsenden zu wollen. Die Administration dcr Zeilschlift „Selbst-Emancipatio n." Wien, II., Castellezgasse Nr. 8. Purim. Purim ist da — der lustige Purim — das Fest des klugen Mordechai aus Susa, das F.st der schönen Königin Esther. Unter Klang, und Sang, unter lautcni Jnbel, unter munteren Maskenscherzen begehen um ein Fest, das eine Niederlage des Judenhasses feiert, begehet, es heute, wo der Judenhaß blüht au allen Ecken und Enden der Welt. . In, Angesichte der Tausende von großen und kleinen amaus, die lebend unter uns wandeln in nordischer astortracht, in der römischen Soutane, im zugeknöpften Professorenrocke, in voller Studentenwichs, im magyarischen Attila, im Jäger'schen Wollcostüme, ist es doch sonderbar. über den seit Jahrtausenden todten Ur-Haman sich lustig zu machen, weil diesem guten Manne damals sein Antisemitismus schlecht bekommen ist. In dieser Diffonanz zwischen der Begehung des Festes und de» Thatsachen der Gegenwart liegt ein gut Stück jüdischen Optimismus, prägt sich die Ansicht ans, daß keine judenfeindliche Bewegung von Dauer sein kann. Aber wahilich. jene Männer sind zu bedauern, welche diese Richtung jüdischen Optimismus begünstigen, welche für unser leidendes Volk nur die Trostesworte haben: Es wlrd wieder aufhörcn! Wie oft schon haben die Judenqnälereien wieder aufgehört?! So wie Wohlstand, Ueppigkeit und Segen, die sich auf vulkanischem Boden äußern, nur ein trügerischer Schein sind — denn ein ein-' ziger Ausbruch und all' das Eintagsglück ist dahin, als wäre es nie gewesen — so ist auch der Friede Israel» nur ein gaukelnder Traum, dem ein enttäuschendes Erwachen folgt. Wie oft bewies dies die jüdische Geschichte! „Es wird wieder aushören!" Ja. um wieder aiizufangen, und dann — um wieder anfznhöre», und dann — um wieder zu beginnen u. s. w. bis in's Unendliche. Das ist die Perspective, die uns von solchen Tröstern eröffnet wird — ein ewiges Hangen und Bangen in schwebender Pein, ein leidvoller Zwitterzustand, nicht Tod n»d nicht Leven. Also fort mit de» Predigern eines solchen Optimismus! Ein anderer, der wahre Optimismus muß es sein, den man am Purim zu verkünden hat: Nicht „Es wird wieder aufhören!" sondern: „Es wird aufhören, wenn w i r nur wollen!" Und es wolle-ii ja so viele unter uns, daß der Judenhaß bald ein Ende nehme, freilich denken sie sich das auf ihre Weise: Der Blitz kann in ein Hans nicht einschlagen, das schon längst abgetragen ist, der Judenhaß wird nicht da sein, wenn es keine Inden geben ivird, ergo: die Inden müssen trachten zu verschwinden. Der Schluß ist rich'ig, der Vorgang ist logisch correct, ob aber auch moralisch, das ist eine Frage, ans die sich schwer eine bejahende Antwort wird geben lassen. Sie wollen unter gehen, oder wie sie es nennen, aufgehen, die Herren Assimilauten — und doch besinnen sie sich keinen Augenblick, Purim zu feiern! Wie reimt sich das zusammen? Ja »och mehr, die guten Leutchen haben den Purim in Permanenz erklärt. Jahraus jahrein beliebt es ihnen, Masken zu tragen. Habt Ihr sie schon einmal gesehen, diese ewig Maskirten, diese Männer des ewigen Purims? Nun, Ihr tiefft sie allerorten au. Da BW~ Die nächste Nummer erscheint am L« März.