Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 2 (16.2.1885)
- Date
- 1885-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements - Preise: II Für Oesterr.-Nngarn: Ganzjährig il. Halbjährig „ Bierieljähr. .. - > Ganzjährig Mk. Halbjährig „ Liieneljähr. Ganzjährig Rbl. Halblährig „ Birrteljähr. le übr. Länder: Eanzjähr. c~~‘ Halbjähr. Lieneljähr. SV Jnjeralc Silligli. -D Zeitschrift uütivnslrn, somlrn und xMischrn Juterrssrü drs jüdischen Stnrnmes. Krfcheint z« Anfang und Mitte jedes Monats. wenn ich selbst mir nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann denn? Lsillel. j Krdllltiaa üuir AbmiaisKrtilin: I Wien, H., ßastellezgasse 8. Sprechstunde: Täglich von 5 Uhr Nachmittags Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manufcrixte nicht retournirt. Nr. 2. Wien, 16. Februar. Jahrgang 1885. Inhalt: Abonnements-Einladung. — Perez SmolenSky. — „Wo ist die Utopie?" — „Neu - Israel." — Chronik. — Eingesendet. — Briefkasten der Redaction. — Corresvondenz der Administration. — Inserate. — „Simjon Rafaelowitsch", Roman von Nehemia Berner. — „Ein Emancipirter", Skizze von Mardochai. - Miscellen. — Räthsel. — Arithmogriph. — Auslösung des magischen Buchstaben-Quadrats aus Nr. 1. — Auflösung des Logogriphs aus Nr. 1. — Auflösung der Charade aus Nr. 1. Die gefertigte Administration erlaubt sich höflichst darauf aufmerksam zu machen, daß jene P. 1. Herren, die auch diese zweite Nummer nicht retourniren, sondern behalten, selbstverständlich' als Abonnenten angesehen werden und in der Zusendung der weiteren Nummern an dieselben fortgefahren wird. Die Administration der Zeitschrift „S e lbst-Emancip ation." Die jüdische Nationälbewegung in ihrer modernen Gestalt hat ihren Urheber, hat einen ihrer thatkräftigsten Repräsentanten verloren. Perez (Peter) Smolensky ist irr der Nacht vom 1. auf btu 2. Februar dieses Jahres in Meran aus dem Leben geschieden. Wenn wir ihn den Urheber der modernen jüdischen Nationalb e w e g n n g nennen, so thun wir es mit vollem Rechte, denn er war in der Thal der Erste, der in seiner hebräischen Zeitschrift „Haschachar“ (Die Morgenröthe) den jüdischen Nationalgedanken in Anregung gebracht, der in dem Streben nach nationaler Einheit die Morgenröthe eines für sein Volk neu anbrechenden Tages erkannt hat. Wo gibt es auf dem Erdkreise einen Juden, der hebräisch verstünde und deu Namen Smolensky nicht gehört, den Mann, der diesen Namen trug, nicht verehrt hätte? Wer seine geistvollen Abhandlungen, seine interessanten Romane las, der mußte bewundernd aufschauen zu der Gestalt, die mit der Gottesgabe des schriftstellerischen Genies die innigste, begeistertste Liebe zu seinem Judenthume verband. Smolensk y's Jndenthum wäb aber auch nicht das phrasenentstellte, mit der Tünche der „B e rt i n e r Aufklärung" — wie der Verblichene die assimilatorische Richtung nannte — überdeckte, nicht das schwächliche, unsichere Mondschein-Judenthiim der Nu r- M o s a i st e ii. Mit der Waffe der beißendsten Ironie bekämpfte er die Träume und Hirngespinnste de: sonderbaren Schwärmer, die ihre jüdische Stammesangehörigkeit ablegen wollen wie ein abgetragenes Kleid; in den zündenften Ausdrücken malt er ein anderes Mal das nationale Judenthum und läßt die Leser die Wonne der Zukunft Israels ahnen. Perez Smolensky schrieb ein Hebräisch, wie es eben nur ein Mann schreiben konnte, der so sehr ein echter Nachkomme der.alten-Hebräer war wie er. Da ist nichts Gekünsteltes, nichts Nachgeahmtes, da ist Alles von wahrhaft jüdischem Geiste durchdrungen und doch Alles modern. Man kann kühn mit der Behauptung auftreten, daß Perez Smolensky ein Hebräisch geschaffen hat, das alle» Anforderungen einer modernen europäischen Verkehrssprache entspricht und doch an Eigenthümlichkeit nichts eingebüßt, eher noch gewonnen hat. Kein Wunder also, wenn ein solcher Mann von Denjenigen, die hebräisch lesen, aber auch jüdisch denken und fühlen, als ihr geistiger Förderer angesehen wurde; kein Wunder, wenn er gelegentlich einer Reise durch sein Heimatsland von den dortigen Inden mit Ehrenbezeugungen überhäuft wurde. In Wien selbst, wo der große Todte lebte und seine Zeitschrift herausgab, da war er freilich verhältnißmäßig wenig bekannt und das hat seine Gründe — Gründe, die zu ernstem Nachdenken an-egen. die ein eigenthümliches Licht werfen ans die westeuropäische Jndenheit im Ganzen — Gründe, die wir nennen wollen, da sich ja unser Blatt die Aufgabe gestellt hat, die ganze Erbärmlichkeit der assimilatorischen Selbstniordstheorie bloszulegen. Wie sollte dort, wo dem Heranwachsenden Kinde im elterlichen Hause vom Judenthum nichts Anderes geboten wird als ein paar elende Jargonwitze, wo es vom Hebräischen nichts Anderes lernt als ein paar in die Sprache des gemeinen Volkes übcrgegangene Ausdrücke, wie sollte dort der hebräische Schrittsteller Perez Smolensky bekannt sein? Was weiß man dort, wo das Hebräisch als ein veraltetes, übelklingendes Zeug, in dem nur (!) die Bibel geschrieben sei, den semitischen Sprachforschern überlassen wird, davon, daß in dieser Sprache viele Zeitungen erscheinen, die zu Hunderttausenden von Lesern von den modernsten Errungenschaften der neuesten MT Die nächste Nummer erscheint am 2. März. -Wv