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Selbst-Emancipation · 1885-02-01 · Heft 1 (1.2.1885) · page 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 1 (1.2.1885)
Date
1885-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 1. S e l b st - E m a ii c i p a t i o nI Jahrgang 1885. Gleich der Feier des Laubhüttenfestes, tritt auch diejenige des ihm unmittelbar folgenden Festes der Thora- oder Gesetzessreude ans den Räumen des Tempels in die Oeffentlichkeit hinaus. Ist im allgemeinen der Charakter der jüdischen Kirchenfeste in Polen, conform der in, ganzen doch noch sehr gedrücklen Lage der unter russischem Sccpter lebenden Israeliten, ein düsterer und melancholischer, so macht doch das Thora fest davon eine wohlthuende Ausnahme: an ihm waltet die Freude. Frauen nmkränzcn die Gesetzesrolle im Lehrhouse niit Blumengewinden; Maironen werfen den Knaben und Mädchen Näschereien zu. Wo die Gemeinde nicht zu groß, versammeln die Männer sich zum gemeinschasilichen Festmahle, dessen Kosten die Wohlhabenderen bestreiten und bei welchem der Becher kreist und fröhliche Lieder erschallen. Der Rabbiner nimmt die Thma in die Hand, das ganze Häuslein der Gläubigen ordnet flch zum Zuge. Uebcr den „Meister" wird von zu diesem Ehrendienste eigens erwählten jungen Leuten ein Baldachin getragen, vor und neben welchem die ältesten der Grmcinde schreiten. So geht es über die Gaffe. Wohl spotten und höhnen die Buben hinterher, treiben auch wohl Schweine, die dem frommen polnischen Juden ei» Gräuel sind, in den Zug oder werfen wohl gar eine» Stein hinein; doch vermag dies nicht, die Freude nachhaltig zu stören. Und Freude, wirkliche, »ngebeuchelte Freude herrscht an diesem Festestage, glänzt auf allen Gesichtern.' Ernste Männer und welke Greise werden zu Kindern und springen vor ihrem Kleinod einher, daß ihnen die Bärte wackeln und die langen Röcke im Winde flattern. Weit geöffnet aber sind die Psor. ten der Synagoge, in deren von Lichtern strahlendem Raume alsbald die ganze Gemeinde zu frohem Dankgottesdienste sich versammelt. Mit großer Innigkeit hängt der polnische Jude an seinem Glauben, mit nicht geringerer an seiner Familie, zumal die Eltern an den Kinder». Für diese unterzieht er sich willig de» größten Euibehrungen und Beschwerde». Bei Gefahren, welche diese bedrohen, besitzt er jenen Muib, der ihm, wo es die eigene Vertheidigniig gälte, mangeln würde. Andererseits aber zeigen auch die Kinder eine große Verehrung und Liebe für ihre Eltern, die sie, wenn sie in Roth ge. rathc», willigst nach all' ihren Kräften, ja selbst über diese hinaus, unterstützen. Auch die Geschwister hegen gemeinhin viel Liebe für einauder. Wie aber diese werktbäiige Familieuliebe, ist auch ihre große Mildthätigkeit ein schöner Zug im Charakter der polnischen Israeliten; und sie ist cs um so mehr, als sie bei der Spendung ihrer Wohlthaten, trotz des oft recht iiihuiuanen Benehmens der Christen ’ gegen sie, keinen Unterschied in der Confession machen. Die Mehrzahl der jüdischen Gemeinden in Rnffisch-Polen und Litthauen befindet sich, bei der vorwiegenden Armuth der Gemeindeglieder, in peeuniär gedrückte» Verhältnissen. Dennoch ist keine einzige Gemeinde ohne ein Krankenhaus, keine ohne ein „Lehrhaus", dessen Besucher auf Kosten der Gemeinde unterrichtet und erhalten werden. Die Beispiele, daß Leute Jahr ein, Jahr aus den vierten, ja, selbst den dritten Thcil ihres Einkommens zu wohlthätigen Zwecken ausgeheu, sin' unter deu wohlhabenderen Israeliten der Weichselländer durch" nicht selten. Somit fehlt es denn dem Charakter derselben durchaus nicht an Zügen, welche geeignet sind, uns mit anderen Eigenschaften der polnischen Juden wieder auszusöhne». Werden dieselben einst in den vollen Genuß der staatsbürgerlichen Rechte eingesetzt sein, deren freilich auch ihre christlichen Mitbürger zur Zeit im Czarenreiche noch zum Theil entbehren müssen, so wird sicher so manches schwinden, was uns heute noch von dem polnischen Juden abstößt. Hoffentlich ist diese Zeit eine nicht mehr ferne. Briefkasten der Redaetion. Die löblichen Nevactioncn der Zeitschriften, welche diese erste Nummer erhalten, werben höflichst ersucht, mit der Redaetion dieses Blattes Exemplare auszutauschen. Herrn Tr. R. B. in Lemberg. Besten Dank für Artikel und Correspondenzen; nächstens Brief. Herrn C. St. in Lemberg. Wollen Sie uns nicht auch etwas liefern? Herrn Dr. 8 . . u in Odessa. Sie erhalten Brief. Herrn Dr. M. R—cz in Paris. In einer der nächsten Nummern beginnt die Veröffentlichung. Die P. T. Abonnenten in jenen Orten, wo eS üblich ist, datz Zeitungen nicht in's Haus gestellt werden, werden höflichst ersucht, sich gefälligst von Nr. 2 ab die eiulangenden Nummern beim betreffenden Postamt abholen zu wollen. Sehr billige und gut gehende DasllM-undDrndelllhren! sind am Lager des Uhrmachers L Hrmrilh HZrmsj jj Wien, Stcröt, Wcrvienstiege 2 | zu haben. Auch werden daselbst alle Arten tionj Reparaturen, auch von Chrono- | b Metern übernommen, und wird für die | gute und proinpte Ausführung zwei Jahre I garantirt. Die Mieder-Fabrik Wien, II., Wraterstraße 21 „Zurempfiehlt alle Gattungen Mieder von in- und ausländischen Stoffen zn den billigsten Preisen, sowol en gros wie auch en detail. Ü» UßmrkMMssnHL Ein Wort an die sogenannten Zriitschrii, $lnur!i, Slngijorrii rtr. mosaischer EiluMm von einen! Studenten jüdischer Nationalität^ Exemplare L 10 kr. in der Redaclion dieses Blattes. Werrekl über die am 17. December 1884 vom akademischen Verein „Kadimah" veranstaltete A7akkabäer-Leier sammt Ansprache des Reichsraths-Abgeordnetcn und Rabbiners- Anschließend Jahresbericht des Vereines. Exemplare L lS kr. im Locale des akad. Vereines „Kadimah", Wien, l., Wiernergnfse 9. Raten Agenten werden gesucht. W i e n, H. B e z., T a b o r st r a ß e Nr. 45.___ Gin junger Mann mit guten Referenzen sucht einen Posten als Buchhalter und Correspondent am Wiener Platze. Derselbe ist auch Stenograph. Gefäll. Anfragen sind an die Expedition dieses Blattes zu richten. Herausgeber uiid verantwortlicher Rcdacteur: N. Birnbaum. Druck von Earl Burkert, IX., Maximilianplatz 1t.

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