Jahresbericht
- Journal
- Jahresbericht
- Volume
- 1914/15 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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III. Zur Schul geschieh te. In herkömmlicher Weise wurde das neue Schuljahr, das sich zu einem der ereignisreichsten in dem nun 111jährigen Bestehen der Schule gestalten sollte, am 20. April eröffnet. In den Lehrkörper trat der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Hermann Lenz, der der Anstalt zur Ableistung des vorschriftsmässigen Probejahres überwiesen wurde; ihm wurde der deutsche und französische Unterricht in einer Abteilung der Klasse V übertragen, die wegen der grossen Zahl von Schülern in diesen Fächern geteilt werden musste. Der Unterricht verlief im ersten Vierteljahr, abgesehen von vorübergehenden Erkrankungen einzelner Lehrer und Lehrerinnen, ohne wesentliche Störung, und wir konnten mit Zuversicht einer weiteren regelmässigen Schularbeit nach Ablauf der grossen Ferien entgegensehen — da griff die Kriegserklärung, die des Deutschen Reiches Kaiser zur Wahrung der Ehre und des Bestandes unseres Vaterlandes kurz vor dem Wiederbeginn des Unterrichts erlassen musste, auch in das " Schulleben nach den verschiedensten Seiten ein In weihevoller Stimmung versammelten sich am 4. August die Zöglinge im Festsaal der Anstalt, um aus dem Munde des Schulleiters die Kunde von der schweren Zeit, die über unser Vaterland hereingebrochen war, aber auch von dem einmütigen Zusammenschluss des gesamten deutschen Volkes zu Schutz und Wehr des Reiches nochmals entgegenzunehmen und auf alle die Pflichten hingewiesen zu werden, die der Jugend in der Gegenwart obliegen Alsdann wurden ihnen die Veränderungen, bekannt gegeben, die durch die Einberufung der Lehrer Frank Rothschild, Siegmund Rothschild und Dr. Hermann Lenz sowie durch die anderweitige Verwendung der Herren Dr. Eugen Gantter und Turnlehrer Andreas Volze notwendig wurden. (Ausser diesen Mitgliedern des Kollegiums waren auch noch die Schuldiener der Anstalt Linss und Woerner dem Rufe des obersten Kriegsherrn gefolgt.) Die Vertretung der genannten Kollegen im Unterricht Hess sich ohne wesentliche Schwierigkeiten regeln, da zunächst Herr Oberlehrer Prof. Dr. Kracauer, der bisher zu wissenschaftlichen Arbeiten bis auf 6 Stunden wöchentlich entlastet war, eine grössere Zahl von Unterrichtsstunden übernahm und auch die bereits im Ruhestand befindlichen Herren Prof. Dr. Kuttner und Lehrer 5. Heine mann sowie die ehemaligen Schülerinnen unsrer Anstalt, Fräulein cand, phil. Edith Cohn und die Lehrerin Fräulein Anna Adler, sich in uneigen, nützigster Weise der Schule zur Verfügung stellten; ebenso übernahmen der Gesanglehrer Moritz Hainebach und der Lehrer Selig Scheu er mann ehrenamtlich die Fortführung des Chorgesangs, letzterer auch den biblischen Geschichtsunterricht in einer Mädchenklasse, sowie alle Mitglieder des Lehrerkollegiums gern die Mehrstunden, die ihnen zur planmässigen Weiterführung des Unterrichtes überwiesen werden mussten. Auch in den darauffolgenden Monaten konnte der Lehrplan der Anstalt, abgesehen von unwesentlichen Verkürzungen, in der vorgeschriebenen Weise durchgeführt werden, so auch, als Anfang September das Königliche ProvinziaL Schulkollegium von dem Anerbieten des Schulrats, einen wissenschaftlichen Lehrer