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Jahresbericht · 1914-01-01 · 1913/14 (1914) · page 77

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Journal
Jahresbericht
Volume
1913/14 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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— 29 — es klaffen noch viele Lücken. Eine Reihe örtlich beschränkter Spezialuntersuchungen werden uns möglicherweise größere Einsicht in diese hochwichtige Frage verschaffen. Der Ausgang des Kampfes, von dem wir nur einzelne Stadien kennen, war für die Juden verhängnisvoll. Die sich in Innungen und Gilden zusammenfassenden gewerblichen und kaufmännischen Kreise der städtischen Bevölkerung schlössen sie von ihren Genossenschaften aus und suchten die unbequemen und gefährlichen Mitbewerber aus dem Gebiete des Handels völlig herauszudrängen1). Daß die Juden durch diese Einschnürung moralisch und sozial herabsinken mußten, ist selbstverständlich2). Inwieweit trifft nun diese Entwicklung, die sich in allen deutschen Gegenden, in der einen früher, in der anderen später, vollzog, auch für die Juden in Frankfurt zu? Wir wissen, daß diese Stadt schon seit der Mitte des XII. Jahrhunderts ständig von Juden bewohnt war3), und daß zu den Meßzeiten viele Juden, besonders vom Rhein (Worms), dorthin strömten, wir sind also zu der Ansicht berechtigt, daß die Frankfurter Juden, wie ihre damaligen Glaubensgenossen überhaupt, sich am Warenhandel beteiligt hatten, wenn auch direkte Nachrichten hierüber fehlen. Erst sehr spät, seit der Mitte der Regierung Ludwigs des Bayern, beginnen einigermaßen zusammenhängende Aufzeichnungen über die Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Juden, also erst zu einer Zeit, wo gerade die Gewerbetätigkeit und der Handel der Stadt einen glänzenden Aufschwung nahmen, der unter dem Nachfolger Ludwigs, unter Kaiser KarlIV., sich noch gewaltig steigerte*). Man durchblättere nur einmal die Liste der christlichen Gewerbetreibenden und Handelsleute jener Zeit, die Dietz in seinem Werke „Frankfurter Handelsgeschichte" über die verschiedenen Handelszweige, die Steuern und das Vermögen der Frankfurter Bürger für das XIV. Jahrhundert5) und für noch frühere Zeiten zusammengestellt hat! Eine stattliche Anzahl von Händlern mit Wolle und Tuch, mit Eisen, Kupfer und Edelmetall, mit Leinwand, Rauchwerk, Farbstoff, mit Hafer und sonstiger Frucht, mit Honig und Wein, mit Spezereien, mit Fischen, mit Holz usw. 1) Inwieweit Schultes Ansicht berechtigt ist, daß sich diese Entwicklung nicht ganz ohne Schuld der Juden vollzogen habe, da sie verabsäumt hatten, zum Handwerk in das Verhältnis zu treten, wie der christliche Kaufmann, der entweder selbst Produzent war oder die Handelsware bei dem ihm bekannten Handwerker bestellte und so in steter Fühlung mit ihm war, während der Jude zu seinem Unheil diesem fremd blieb; lasse ich dahingestellt. ') Siehe hierüber auch Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Frankreich und Deutschland, Band I, S. 129. 3) Siehe politische Geschichte der Frankfurter Juden, S. 4—5. *) Näheres hierüber bei Dietz, Frankfurter Handelsgesohichte, S. 141, 142, 147. 6) Von S. 144 ab.

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