Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht · 1914-01-01 · 1913/14 (1914) · page 75

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht
Volume
1913/14 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 75)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/9942709-3089782--076-3092611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 27 — erst kürzlich erschlossen worden sind1). Wir erfahren durch sie, daß jüdische Kaufleute, in Gesellschaften vereinigt, durch Kußland ziehen, um daselbst schon im voraus die ganze Produktion an Kleidern, besonders an Mänteln, aufzukaufen, daß sie aus den entferntesten ungarischen Orten Waren nach Mainz exportieren2), daß sie mit Gold und Edelsteinen3), mit Fellen und Handschuhen, mit Wein und Getreide, mit Pferden usw. handeln. Ihnen gehören Schiffe, die gesalzene Fische vom Orte des Fanges nach den Küstenstädten bringen4), wie sie überhaupt am Seeverkehr stark beteiligt sind. Sie sind stetige Besucher der Messen, besonders der zu Köln, zu Mainz und zu Frankfurt. Daß gerade Frankfurts Messen von der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts an von den Juden eifrig besucht wurden, hatte nicht zum wenigsten seinen Grund darin, daß Kaiser Heinrich IV. die Juden von Worms, die ihn offenbar in seinen schweren Kämpfen finanziell unterstützt hatten, „sowie die übrigen Wormsern" an der königlichen Zollstätte zu Frankfurt, ebenso an anderen, von jeder Zollabgabe befreit hatte5). Hier konnten die Juden den Überfluß der Ernte an Wein, Flachs, Getreide und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse gegen ihre Waren eintauschen6). So war der Jude in Deutschland bis tief ins Mittelalter in erster Keihe Kaufmann. Jude, mercator, negociator wurden als gleichbedeutend gebraucht und auf eine Stufe gestellt, wie aus zahlreichen Urkunden hervorgeht7). Ebenso spricht sich K. Elieser b. Natan aus Mainz (c. 1150) aus: . . . „Der Handel dient zu unserm Lebensunterhalt"8). Bis ins XIII. Jahrhundert hinein behaupteten die Juden ihre herrschende Stellung im Großhandel, dank den Privilegien, die ihnen von Kaisern9) und Bischöfen — ich erinnere nur an das x) Durch Moses Hoff mann in seinem Werk, Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters bis zum Jahre 1350, das auch die Beteiligung der Juden am Handel berührt. (Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen von G. Schmoller und M. Sering, 1910, Heft 152.) 2) Hoff mann L c, S. 11 und 155. 3) L. c. Nr. 159, S. 201. 4) L. c. Nr. 156, S. 199. 5) ... Teloneum siquidem, quod teutonica lingua interpretatum est zol, quod in omnibus locis regiae potestati assignatis, videlicet Franchenevurt... Judei et coeteri Uormatienaes praetereuntes debiti erant, ne ulterius solvant, remisimus. Die Urkunde ist ausgestellt Worms 1074, Januar 18. Siehe auch Boos, Urkundenbuch der Stadt Worms I, S. 47. 6) Siehe Frankfurter Handelsgeschichte von Alex. Dietz, S. 22. ') Siehe Aronius, Kegesten zur Geschichte der Juden, Nr. 122, S. 52, Nr. 168, S. 69. 8) Hoffmann L c, Nr. 47, S. 160. 9) .Siehe Aronius L.G., Nr. 170, S. 71, Absatz 4, wo es heißt, den genannten Juden ist gestattet, intra ambitum regni nostri (sc. Heinrichs IV.) libere et pacifice discurrere, negocium et mercimonium suum exercere, emere et vendere et jnullus ab eis thelonium exigat vel privatam repetat; ferner das Privileg Kaiser Heinrichs an die Wormser Juden vom Jahre 1090 L c, Nr. 191, S. 74; daa Privileg Heinrichs V. vom Jahre 1102 L c, Nr. 215, S. 99, das Privileg Friedrichs L für die Wormser Juden vom Jahre. .1157 JL c, Nr. 280, . S. 123; das Privileg vom Jahre 1182 für die Regensburger Juden, Nr. 315, S. 139.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.