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Jahresbericht · 1914-01-01 · 1913/14 (1914) · page 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht
Volume
1913/14 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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erhaltenen Friedhofinauer. Er fand auf dem heutigen Weckmarkt Substruktionen verschiedener, zweifellos mittelalterlicher Gebäude. Uns interessieren in erster Reihe diejenigen, die im Übersichtsplan mit m und n bezeichnet sind. Sie sind Reste des ältesten, am weitesten nach Norden vorgeschobenen Teils des Judenquartiers, „die gefundenen Fundierungen . .. mit den sie überliegenden Schichtungen von Abbruch- und Aufbaumaterial" sprechen nach Thomas deutlich dafür. Demnach war die Südfront der nördlichen Häuserreihe etwas weniger als 10 m vom Leinwandhaus entfernt; im Westen stieß sie auf das in unsern Urkunden öfters erwähnte Haus zum kleinen Affen, das die Affengasse im Süden abschloß (siehe Übersichtsplan)1). Im Osten erstreckte sie sich bis zur heute noch erhaltenen Mehlwage, also bis zur Fahrgasse. Die Breite der ältesten Judengasse läßt sich nicht mehr sicher feststellen, da die Anlage des neuen Kanals , der Wasserleitungs- und Gasröhren usw. die Bodenverhältnisse völlig verändert haben. Jedenfalls war die Gasse sehr schmal, wohl wenig über 2 m breit. Die jetzige Front des Leinwandhauses durchschneidet die Hausreste der südlichen Seite. Bemerkenswert ist, daß die Häuser oder vielmehr Häuschen nicht in einer Bauflucht lagen und nicht aneinanderstießen, sondern daß zwischen den einzelnen Gebäuden ein allerdings sehr schmaler Zwischenraum war. Die einzelnen Bauplätze waren unregelmäßig hofartig verbaut. In unmittelbarer Nachbarschaft dieser Häuser, auf deren Fundamente Thomas gestoßen war, dicht beim Main oder am Flusse selbst, „in der besten Gegend der Stadt", wie Johann Latomus bemerkt2), waren die weiteren Wohnsitze der Juden. Hier herrschte der regste Verkehr, ein fortwährendes Gehen und Kommen. Über die Fahrgasse strömten die von Norden und Süden kommenden Scharen; der breite Fluß, belebt durch Lastschiffe aller Art, wirkte mächtig fördernd auf den Handel zu einer Zeit, wo es an Fahrstraßen mangelte oder diese wegen der auf ihnen herrschenden Unsicherheit möglichst gemieden wurden. An Sonn- und Festtagen aber wallten die Frommen nach dem nur wenige Schritte vom Judenquartier entfernten Dom in die Kirchmessen zu Ehren des heiligen Bartholomäus. Die in diesen Festzeiten unweit der Kirche errichteten Kaufbuden, später die daraus x) Diese Gasse existierte am Ende des XVL Jahrhunderts nioht mehr, näheres bei Battonn m, S. 323. *) ... tuno [judei] optimam partem civitatis inhabitabant. Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters von Froning, S. 25, und Anonymus, L c. S. 146, intelligentes, Judeos in optimo loci situ habitantes. Dies empfanden auch nach Latomus die Geißlerscharen, als sie 1349 in die Stadt eindrangen, als „eine Verachtung des Herrn" und metzelten deshalb, um ihn zu rächen, die Juden nieder (Kracauer, Politische Geschichte der Juden, S. 40).

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