Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht · 1914-01-01 · 1913/14 (1914) · page 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht
Volume
1913/14 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9942709-3089782--054-3092589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Die Frankfurter Jndengasse von den ältesten Zeiten bis znm Jahre 1400. Die Geschichte des Frankfurter Judenquartiers zerfällt in drei scharf getrennte Abschnitte. Den ältesten Zeitraum rechnen wir von der ersten Niederlassung der Juden in der Stadt bis zu der sog. Judenschlacht des Jahres 1349, in der die Judenhäuser in Flammen aufgingen. Der zweite Abschnitt umfaßt die Jahre 1360—1462, d. h. die Zeit zwischen dem Termin der Wiedereinführung der Juden bis zu dem Jahre, wo sie auf päpstlichen Befehl ihre Häuser räumen mußten, da sie zu nahe am Dom wohnten und die religiösen Zeremonien beobachten konnten, was der Papst als ein großes Ärgernis ansah. Damals wurden sie angehalten, sich auf dem Wollgraben niederzulassen, also außerhalb der alten Stadtbefestigung in einem entlegenen, nur schwach bewohnten Teil der Neustadt. Damit hebt der dritte Zeitraum an, der ungefähr 334 Jahre währte, bis die Beschießung Frankfurts durch die Franzosen im Jahre 1796 und die Einäscherung der Judengasse dem Ghettodasein ein für allemal ein Ende bereitete1). Das älteste Judenquartier. Uber die Topographie des ältesten Judenquartiers hatten wir bei dem Mangel an Nachrichten bis vor kurzem nur eine sehr unvollkommene Vorstellung. Erst die Ausgrabungen, die der zu früh der Wissenschaft entrissene Baurat L. Thomas am Domhof und auf dem Weckmarkt2) vorgenommen hat, sowie sein Übersichtsplan3) zum ältesten Judenstadtviertel in Frankfurt a. M., den ich hier beigebe, lichten etwas das Dunkel, das bisher über dem Judenquartier gelagert hatte. Thomas' Grabungen im Jahre 1897 bezweckten die Untersuchung der 1350 erbauten alten Friedhofsmauer am Dom und die Aufklärung der Bodenverhältnisse zwischen dem ehemaligen Leinwandhaus (dem jetzigen Städtischen Museum) und der jetzigen, 1571 erbauten neuen, noch *) Näheres hierüber siehe meine Arbeit, Die Geschichte der Judengasse in Frankfurt a. M. * a) Siehe Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 3. Folge, 6. Band, S. 314ff. a) Seine Benutzung wurde mir seinerzeit vom Verstorbenen freundlichst gestattet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.