Mannheim
Compact Memory

Programm · 1912-01-01 · 1912 · p. Seite 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Programm
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
Seite 49 (sequence 48)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3089693-3089778--1545-3092469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 49 — wir das Edle und Gute erkennen und annehmen, woher es auch komme, ohne Unterschied von Partei, Religion oder Konfession. Nicht bei einseitiger Betonung von Klassengegensätzen und Hervorhebung der eigenen Interessen kann das Gute anerkannt werden und wirken, sondern dadurch, dass wir immer mehr daran arbeiten, uns gegenseitig zu verstehen und uns naher zu kommen, werden wir wahre und bleibende Kulturfortschritte erringen. In der Überzeugung, dass alle in dieser Auffassung mit den städtischen Körperschaften einig sind, vertraue ich darauf, dass die israelitischen Mitbürger auch weiter wie in diesem ersten Jahrhundert der Gleichberechtigung mit der städtischen Verwaltung gern.tätig zusammenarbeiten werden am Werke der materiellen und geistigen Fürsorge für die gesamte Bürgerschaft. So hoffe ich, dass wir aus dieser erhebenden Feierstunde alle den erneuten und gestärkten Willen mit hinausnehmen mögen, unsererseits weiter alles zu tun, damit die nachkommenden Generationen erkennen, dass wir mit allen unseren Kräften jederzeit unser Bestes zu tun bestrebt gewesen sind." — Mit dem Chore F. Mendelssohn-Bartholdys „Es kennt der Herr die Seinen" fand die Feier ihren Abschluss. Weiterhin bot die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs, die in diesem Jahre mit dem Gedenktage an den-200jährigen Geburtstag König Friedrichs des Grossen verbunden wurde, Veranlassung zu festlicher Schulfeier. Einem vom Gesanglehrer unserer Anstalt, Herrn Frank Rothschild, vorgetragenen Orgelpräludium und dem Gesang eines dreistimmigen Chorals folgte die Deklamation des Gedichts „Das Vaterland" von Ludwig Philippson. Die treffliche Dichtung möge zugleich als Erinnerung an den hervorragenden Lehrer und Führer unserer Glaubensgemeinschaft, dessen 100 jähriger Geburtstag gerade mit dem Tage der Erlangung der Bürgerrechte der Frankfurter Israeliten zusammenfiel, zugleich auch als Ausdruck der vaterländischen Gesinnung der Deutschen jüdischen Glaubens hier ihren Platz finden: Was dir gehört, lass nimmer dir entreissen — Dein deutsches Vaterland! Hier war's, wo früh dein kindlich Herz erbebte Und es der Jugend Lust und Leid erlebte, Drum ist es wohl dein heilig Vaterland. Was dir gehört, lass nimmer dir entreissen — Dein deutsches Vaterland! Hier strittest du des Lebens heilig Streiten Und musstest all das Wechselnde durchschreiten, Drum ist es wohl dein heilig Vaterland. Was dir gehört, lass nimmer dir entreissen — Dein deutsches Vaterland! Hier steh'n, die alle Schätze überwiegen, Der Eltern Gräber und der Kindlein Wiegen, Drum ist es wohl dein heilig Vaterland. So lass es nimmer, nimmer dir entreissen — Dein deutsches Vaterland! Sein Sonnenglüh'n und seine Eichenschatten, Sein Saatenfeld und seine grünen Matten, Sie sind dir eigen, sind dein Vaterland. In der darauffolgenden Festrede feierte Herr Oberlehrer Prof. Dr. Schwarz unseren Kaiser als Friedensfürst und führte dann den Zöglingen die Tätigkeit des Vereins vom roten Kreuz vor Augen. Geibels feinsinnig empfundenes „Sanssouci", vorgetragen von einer Schülerin der ersten Klasse, leitete zum zweiten Teil der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.