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Programm · 1912-01-01 · 1912 · p. Seite 35

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Journal
Programm
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
Seite 35 (sequence 34)
Language
German
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— 35 2. Schulfeste, Beteiligung: nach aussen. Ehemalige Schüler. Eine selten reiche Zahl von Gedenkfeiern und festlichen Veranstaltungen hat das gegenwärtige Schuljahr unseren Zöglingen geboten. Zunächst vereinigte die vierzigjährige Wiederkehr des in unserer Stadt geschlossenen Friedens am Friedenstage, dem 10. Mai, die Zöglinge mit dem Lehrerkollegium in unserer Aula zur würdigen Gedenkfeier. Nach dem Gesang des Hauptmannschen Chorals „Nun lasst uns Gott dem Herrn Dank sagen und ihn ehren" hielt Herr Oberlehrer Dr. Freudenberger die Festrede, in der er folgende Gedanken zum Ausdruck brachte: Der Festtag verdient schon um dessentwillen eine besondere Feier, weil der Friede am 10. Mai 1871 wohl der einzige ist, auf den wir Deutsche mit ungeteilter Befriedigung blicken können; er hat einen ruhmreichen Krieg mit dem verdienten Ende gekrönt. Der Umstand, dass dem Friedensschluss eine vierzigjährige Friedenszeit folgen konnte, beweist, dass er eine Lösung, den Abschluss hundertjähriger Kämpfe und Wirren, bedeutet. Er hat ferner das auf der Zerrissenheit Deutschlands beruhende Ubergewicht Frankreichs in Mitteleuropa gebrochen und durch die Aufrichtung des neuen deutschen Reichs das wahre europäische Gleichgewicht hergestellt. Das Ergebnis dieses Friedens ist —- wie hoch man auch die Bedeutung Bismarcks veranschlagen mag — nicht das Werk dieses einzigen genialen Mannes; es haben an diesem Ergebnis alle die Kräfte mitgewirkt, die seit Jahrhunderten an einer nationalen Wiedergeburt arbeiteten: Der brandenburgisch-preussische Staat mit seiner starken Wehrmacht, der Aufschwung des nationalen Bewusstseins, eine Folge des Aufschwungs deutschen Geisteslebens, und die wirtschaftliche Entwicklung. Die lange Friedenszeit dnrf uns indes nicht erschlaffen lassen; auch die heutige Lage Deutschlands erfordert noch eine stete, wachsame Waffen bereitschaft. — Der Gesang des deutschen Weiheliedes von Matthias Claudius, von dem Schülerchor unter Orgelbegleitung vorgetragen, beendete die Feier. Eine weitere Gedenkfeier wurde am Schultage vor dem Beginn der Michaelisferien, am 29. September, abgehalten: Der Tag, an dem vor 100 Jahren die verewigte Kaiserin und Königin Augusta geboren wurde. Die Lehrerin Frl. Charlotte Falk gab bei der Feier den Zöglingen der Schule ein Bild von dem geistig regen Leben und segensvollen Wirken der ersten deutschen Kaiserin. Die Wiederkehr des Tages, an welchem vor 100 Jahren den israelitischen Bewohnern Frankfurts die Bürgerrechte verliehen wurden, ist am 20. Dezember festlich begangen worden; über den Verlauf dieser Feier mag folgender Bericht des Herrn Oberlehrer Prof. Dr. Michel an dieser Stelle seinen Platz finden: Am Vormittag des 20; Dezembers v. Js. fand in unserer Aula die vom Vorstand der israelitischen Gemeinde veranstaltete Säkularfeier zur Erinnerung an die Emanzipation der Frankfurter Juden am 28. Dezember 1811 statt. Den Einladungen, die an die staatlichen und städtischen Behörden sowie an eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten der Stadt ergangen «waren, hatte eine grosse Zahl derselben entsprochen, und so war der Festsaal der Schule von aufmerksamen Zuhörern dicht gefüllt. Es

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