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Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 22

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Journal
Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 22 (sequence 23)
Language
German
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— 22 — selbst einräumten. Ob die Frankfurter Juden gleich denen von Speier eine besondere Einschätzungskommission — 21 Gemeindemitglieder — gehabt haben, ist uns nicht überliefert, doch ist es anzunehmen. Zur Zeit Kudolfs von Habsburg und Adolfs von Nassau1) wurde die Steuer Weihnachten entrichtet2), unter Heinrich VII. von Luxemburg aber zu Martini (11. November)3), derselbe Termin war wohl auch unter Ludwig dem Bayern üblich4). Außer von der Reichssteuer ist in den Urkunden dieser Zeit noch vom Judenzehnten die Rede. Nach dem Schwabenspiegel5) soll der Kaiser, wenn er das Reich verläßt, sein Richteramt dem Pfalzgrafen bei Rhein geben; dazu bemerkt das Gesetzbuch noch: „Er soll auch alle seine Juden, die in deutschen Landen sind, seinem Kanzler empfehlen, das ist der Bischof von Mainz, und empfiehlt er ihm die Juden nicht, so hütet er sie doch mit Recht." Also als oberster Reichsbeamter, als Erzkanzler, hatte der Erzbischof die Befugnis, den Judenschutz in Stellvertretung des Kaisers auszuüben6). Damit stand ihm zugleich ein Recht auf die Einkünfte aus der Judensteuer zu; ihm gebührte der Judenzehnte7), der zehnte Teil dessen, was die Juden dem Kaiser zu steuern hatten. Der Judenzehnte war demnach keine besondere Steuer, sondern ein Teil der Reichssteuer. Die Einnahme war weder fest, da ja die Kaiser die Judensteuern vielfach verpfändeten, verkauften oder auf sie Anweisungen gaben, noch sicher. Feindschaft gegen den Erzbischof von Mainz oder Geldverlegenheiten veranlaßten wohl hin und wieder den Kaiser, die Verpflichtungen gegen das Erzbistum nicht zu erfüllen. Schon 1297 hatte sich der Erzbischof Gerhard von Mainz darüber zu beschweren, daß ihm seit geraumer Zeit der Zehnte *) Für die Zeit Albrechts I. fehlen die Angaben, wahrscheinlich weil die Judensteuer an Mainz vergeben war. 2) Für 1286 s. Boehmer-Lau I S. 207 Nr. 513, für 1292 Boehmer-Lau 1. c. S. 308 Nr. 619 und S. 310 Nr. 622, für 1295 S. 338 Nr. 684. s) Fürs Jahr 1312 s. Lau 1. c. S. 492 Nr. 950. *) Nachweisbar für die Juden Augsburgs, s. Boehmer; reg. Ludow. Nr. 901, vom 28. Sept. 1326, ein anderes Datum dagegen für die Juden Donauwörths bei Rösel 1. c. S. 62. 6) Bei LaBsberg S. 61 und 62: vnd vert der kivnig von tvschem lande ... er sol ouoh alle sine Juden, die in tvschem lande sint, sinem kantzeler enphelhen, daz ist der bischof von Megentze, vnde enphilhet im der kvnig die Jvden nvt, er phliget ir doch mit rechte (Schwabenspiegel No. 125). (Bei Gengier mit anderer Orthographie S. 93 Kap. CV.) 8) Stobbe S.46. 7) So heißt es bei Boehmer-Lau I S. 375 Nr. 750: ... pro decima et iuribus eidem archiepiscopo racione cancellarie cedentibus ... de bonis iudeorum per Germaniam, und I. c. Band II Nr. 12 spricht Ludwig der Bayer gleichfalls:... ex racione decime sibi (seil, dem Erzbischof Peter von Mainz) de stura et exaecione iudeorum.

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