Programm
- Journal
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- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 39)
- Language
- German
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— 40 — die Bekenner des Judentunis lediglich das geistige Band der Glaubensgemeinschaft; wir besitzen nicht und wollen nicht mehr besitzen eine besondere territoriale Einheit, eine besondere Obrigkeit, die uns befiehlt, eine besondere Verfassung, der wir gehorchen, besondere Sitten und Muttersprache. Nach göttlicher Fügung sind wir zerstreut worden unter die Nationen, um in und mit ihnen für das reUgiös-sittliche Ideal, das ich soeben gezeichnet habe, zu wirken. In unserem, im deutschen Vaterlande haben sich schon im frühen Mittelalter trotz aller Verbote von Kirchenversammlungen, trotz fanatischer Eiferer die Abkömmlinge des jüdischen Stammes, an dem die Stürme der Völkerwanderung ohne jede Einwirkung vorübergegangen waren, mit den deutschen Eingewanderten zu diesem Wirken verbündet, und manch heute noch wundersam erscheinendes Zeichen dieser Verbrüderung wird uns aus den alten Gesehichtsquellen und Schreinsbüchern ersichtlich. Diesem engen Band bereiteten erst die Kreuzzüge ein, freilich jähes Ende; nicht blos der religiöse Gegensatz trennte seither beide Teile -s— auch die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden, denen seit dem lateranischen Concil von 1215 nur der fluchwürdige Wucher und der elende Hausierhandel als Erwerbszweige gelassen wurden, führte eine schroffe Scheidewand auf, die sich noch von Jahrhundert zu Jahrhundert vergrößerte und die Juden gewaltsam wieder zur fremden Nation preßte. Aber kaum war diese Gewalt vor dem Gedanken der Humanität, der in der Zeit der Aufklärung alle Nationen mit unwiderstehlicher Kraft in seinen Zauber bannte, gewichen, da zeigte es sich, wie künstlich jene Trennung gewesen war. Wie das Wasser durch die geöffneten Schleusen in gewaltiger Strömung dahinbraust, so tauchten in hellem Jubel die so lange Zurückgehaltenen in die deutsche Kultur, an deren Anfängen ihre Vorfahren mitgearbeitet, und in überraschend kurzer Zeit wurde diese Kultur ihr geistiger Besitz, fühlten sie sich, wie ehedem, als Brüder bei den Brüdern. D e r W i 11 e der Zugehörigkeit zur deutschen Nation hat seit jener Zeit die Abkömmlinge' des jüdischen mit denen anderer Stämme, aus denen unsere Nation zusammengesetzt ist, fest und unauflöslich aneinander gekettet; lediglich dieser sub jektive Wille ist und bleibt nach dem Ausspruch der hervorragendsten Forscher und Staatsmänner (eines Riehard B o e c k h, Gustav B, ü m e 1 i n, des Völkerpsychologen Moritz Lazarus, des Geographen Alfred Kirchhof, unseres Bismarck), das Merkmal des Volksbegriffs; diesem Willen, Deutsche zu heißen und zusein, verdankt diese Anstalt ihre Begründung, und sie hat diesem Willen in den mehr als 100 Jahren ihres Bestehens bei jeder Gelegenheit klaren und offenen Ausdruck gegeben. Wie hier deutsche Wissenschaft nach deutscher Art von den Lehrern gepflegt und den Zöglingen übermittelt, wie die Herzen von Generationen mit dem vaterländischen Gedanken, mit Liebe zu Kaiser und Reich erfüllt worden sind, konnte bei der Jubelfeier der Schule mit gerechtem Stolz hervorgehoben werden: Was wir auch in der Zukunft hier tun und treiben, was und wie wir hier weiter arbeiten werden, wir tun es als Deutsche für das deutsche Vaterland! Diese unsere Liebe und Treue wird in unseren Reihen indes niemals zu dem überspannten Nationalgefühl, zu dem öden Chauvinismus ausarten können, der heute