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Programm · 1909-01-01 · 1909 · p. Seite 37

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Journal
Programm
Volume
1909
Date
1909-01-01
Page
Seite 37 (sequence 36)
Language
German
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— 37 — Stelle des öden und geisttötenden Auswendiglernens, das lange Zeit das deutsche Schulwesen beherrscht hatte, suchte man von vornherein in dem Schüler ein lebendiges Interesse zu wecken für die Wissensgebiete, die ihm erschlossen werden sollten, indem man vom Nächstliegenden und Leichtf assbaren ausging, um dann, entsprechend dem zunehmenden Fassungsvermögen des Schülers, stufenweise zum Schwierigeren fortzuschreiten, immer bedacht auf eine möglichst anschauliche Darbietung, auf geistige Belebung des Lehrstoffes. Auch dies sind Grundsätze, deren Richtigkeit heilte von niemand mehr bestritten wird. Daß sie zu ihrer jetzigen Geltung gelangt sind, dazu hat diese Anstalt iii besonderem Maße mitgewirkt. Das grösste Verdienst aber haben sich die Begründer dieser Anstalt und die ausgezeichneten Männer, die ihr Werk fortgesetzt haben, zweifellos dadurch erworben, da,ß sie, durch die Errungenschaften der Aufklärungsperiode angeregt, mit bewußter Absicht die stille, aber um so nachhaltigere Arbeit der Schule in den Dienst des großen Gedankens stellten, die Schranken niederzureißen, die ihre Glaubensgenossen von der übrigen Volksgemeinschaft trennten und ihnen auf diese Weise die volle Gleichberechtigung und Gleichstellung zu erringen. Sie hatten klar erkannt, daß dieses Ziel nur erreicht werden könne, wenn es gelänge, die Jugend zu einem eindringenden Verständnis deutscher Art und deutschen Wesens limzufuhren, sie teilnehmen zu lassen an deutscher Geistesbildung und Kultur, dem Gefühl innerer Zugehörigkeit und Liebe zum deutschen Vaterland in ihrem Herzen eine Stätte zu bereiten. Dieses Ziel haben jene Männer unentwegt verfolgt, und tausendfältig ist die Frucht, die diesem Samen entsprossen ist. Wenn wir heute als schönsten Schmuck dieses Festraumes das von Künstlerhand ausgeführte Bildnis unseres Kaisers erblicken, so dürfen wir sagen, es ist mehr als ein Schmuck patriotischer Art» Es ist gewissermaßen ein Symbol dessen, was diese Schule allzeit auf ihre Fahne geschrieben hat, der Pflege vaterländischer Gesinnung und treuer Anhänglichkeit an Kaiser und Reich. Lassen Sie mich, hochgeehrte Festgenossen, zum Schluss der Anstalt noch einmal die herzlichsten Glück- und Segenswünsche für die Zukunft darbringen. Möge sie weiter blühen und gedeihen zum Segen der Jugend, zum Segen dieser Stadt und zum Segen unseres Vaterlandes. Möge der Geist, der in ihr geherrscht hat, auch ferner in ihr walten und wirken, der Geist edlen Menschentums, ernsten sittlichen und geistigen Strebens. Möge sie ihre Zöglinge allzeit heranbilden zu tüchtigen, charakterfesten, hochgerichteten, für alles Gute und Schöne begeisterten Menschen, zu vaterländisch gesinnten, deutsch denkenden und fühlenden Männern und Frauen. Das walte Gott!" Es folgte die Festrede des Herrn Direktor Dr. Adler: „Hochgeehrte Festversammlung! Von unseren Altvorderen ist uns der fromme Brauch überkommen, den Beginn eines jeden festlichen Tages im Aufblick zu dem Schöpfer alles Seins zu weihen mit innigem Dank gegen ihn, der uns diesen Tag hat erleben und erreichen lassen: Der Ewige hat, um mit dem Psalmendichter zu

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