Programm
- Journal
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- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 26)
- Language
- German
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— 27 — Ein gemischter Chor, Psalm 121 aus Mendelssohns Elias, leitete zu der Ansprache über, in welcher Direktor Dr. Adler den Gefühlen der aus dem alten Hause Scheidenden Ausdruck gab: „Meine lieben Schüler und Schülerinnen! Noch einmal — zum letzfen Male — soll dieser Eaum einer Schulfeier dienen, dem Abschied von der Stätte, in. der unsere Anstalt 63 Jahre untergebracht war. Abschied! — Welche Fülle von Herzensempfindungen birgt dieses Wort! Noch habt ihr ja glücklicherweise nicht das Gefühl kennen gelernt, das den Menschen bewegt, wenn er Abschied nehmen muß von dem, was ihm im Leben das Teuerste und Wertvollste ist, wenn es scheiden gilt von Vater und Mutter, die ihr Kind mit treuen Augen behütet und vor jeder Unbill bewahrt haben, von der trauten Heimat, in der jedes Fleckchen für uns eine köstliche Erinnerung bildet. Und doch, jetzt, in dem Augenblick der Trennung von diesem Ort, ergreift auch euch die Empfindung des Scheidens und löst in euch Gefühle der Wehmut und des Bedauerns aus. Ihr gedenket der Zeit, wo ihr das erste Mal eure unsicheren Schritte in dieses Haus gesetzt habt; ihr gedenket der Jahre, die ihr •hier zugebracht und die euch reifen liessen in Wissen und Erkenntnis. Mit dem Gefühl herzlichen Dankes erinnert ihr euch auch in diesem Augenblick all der Lehrer und Lehrerinnen, welche die geistigen Kräfte, die in euch schlummerten, zum Leben erweckt haben; ihr gedenket auch derjenigen, die von euch geschieden sind, um nach treuerfüllter Pflicht die Jahre, die ihnen noch beschieden sind, in wohlverdienter Ruhe zu verbringen; wehmutsvoll erinnert ihr euch in dieser Stunde der Lehrer und Lehrerinnen, die der Tod mitten in segensvollem Wirken dahingerafft hat, wehmutsvoll auch eurer Gefährten, die schon im Kindesalter das Ende ihres Lebens gefunden. — Freudige und traurige Erinnerungen in grosser Zahl werden so in euch wach, obwohl ihr doch nur eine kurze Spanne der Zeit erlebt habt, die diese Räume künden könnten. Mit welchem Jubel zog damals — noch leben heute einige, leider nur sehr wenige Zöglinge jener Zeit — die Knaben- und Mädchenschar aus dem engen und finsteren Compostell in das hohe luftige Schulhaus, das die israelitische Gemeinde durch den berühmten Mainzer Baumeister Opfergelt mit Aufwendung großer Kosten hatte errichten lassen und das in seinem Aufbau wie in seiner Einrichtung einzig dastand. Und der damalige Leiter der Anstalt, Dr. Heß, empfand es als besondere göttliche Gnade, daß es ihm, der 40 Jahre früher, kurz nach der Begründung der Schule, ihre Leitung übernommen hatte, im Greisenalter noch vergönnt sei, diese herrliche Umwandlung zuschauen. Die neuen Bäume brachten noch erhöhte Frische, noch regeres Leben in den Organismus der Anstalt; ungewöhnlich wuchs der Zudrang, selbst aus weiter Ferne sandten Eltern ihre Kinder nach Frankfurt, um am Philanthropin Vorbildung und Erziehung zu empfangen. Eine stattliche Reihe außerordentlich bedeutender Lehrkräfte unterstützte die Bemühungen der drei Leiter, die die Anstalt in der Reihe der Jahre hatte, Heß, Stern und Baerwald, die Schule zu immer kräftigerer Entfaltung zu bringen; dank der treuen Arbeit der Lehrerschaft ging die Einordnung des Philanthropins in die preußischen Lehranstalten ohne jede Schwierigkeit von statten, obwohl sie