Programm
- Journal
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- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 62)
- Language
- German
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— 13 — der Stadt und des Vaterlandes, .errungen und .erhalten; unsere Zugehörigkeit zur 'deutschen -Nation und unsere ernste, pflichteifrige Tätigkeit wird auch am sichersten alle Schränken, die sich uns noch entgegenstellen, beseitigen und uns oder einmal unseren Nachkommen die Mitarbeit überall da ermöglichen, wo sich die Befähigung des Einzelnen zum Wolde und Gedeihen unseres Vaterlandes verwerten lässt. . . . Mit dieser unerschütterlichen Zuversicht schreitot die Schule in das zweite Jahrhundert ihres Bestehens; mit geroehtom Stolz darf sie hierbei auf den reichen Segen zurückblicken, der von ihr seit ihrer Begründung über diese Stadt und das Vaterland ausgegangen ist. Sie hat Tausende von Schülern und Schülerinnen mit den für das Leben notwendigen Kenntnissen und Fertigkeiten ausgestattet, sie hat sie durch die gründliche Vorbildung, die sie ihnen gewährt, in den Stand gesetzt, geachtete Lebensstellungen zu erringen, es zu Ansehen und Wohlstand zu bringen. Niemals hat sie dabei den Hauptzweck der Erziehung, die Gesamthebung der Schülerpersönlichkeit. vernachlässigt, und grade aus'dieser Realanstalt ist eine stattliche Zahl von'Männern und Frauen heryorgogangen, die, erfüllt von idealer Begeisterung, edle Taten wahren Menschentums vollbracht haben. Zeugnis von diesom Geist gibt die anhängliche Gesinnung, die der Schule die früheren Zöglinge bewahrt, der Eifor, mit dem sie später für das Gedeihen der Schule als Mitglieder der Verwaltung oder als Lehrer und Lehrerinnen gewirkt, dio Bereitwilligkeit, mit der sie ihre Kraft für alle der Schule förderlichen Bestrebungen zur Verfügung gestellt haben. Rühmliches Zeugnis gibt die andauernde Dankbarkeit, die sie ihrer Bildungsstätte gezollt, die sie äussorüch in Stiftungen für die Witwen und Waisen der Lohrer, für arme Schüler und Studierende kund gegeben haben, wie sie in gleichem Umfang, kaum eine zweito Anstalt in unserem Vatorlande aufzuweisen vermag. Und über den Kreis der Zöglinge hat unsere Schule vorbildlich namentlich auf die israelitischen Gemoinden Deutschlands gewirkt, denen sie einen mustorgiitigen Religionsunterricht, einen den Ansprüchen der Zeit gemäss gestalteten weihevollen Gottesdienst gebracht hat. Diese segenbringendo Wirksamkeit der Schule ist schon in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens von klarblickenden Führern der Gemeinde erkannt worden. Als ihre Existenz durch die Verweigerung des staatlichen Zuschusses gefährdet war, sind jene Männer mit Eifer für ihren Fortbestand eingetreten und haben es erreicht, dass die israelitische Gemeinde die Anstalt als Gemeindeinstitut übernahm und in ausreichender Weise für sie sorgte. Die Erhaltung der Schule, der die Gemeinde ihre hohe Bildungsstufe, der zahlreiche Kreise ihren Wohlstand verdanken, wurde eine Ehrenpflicht der späteren Geschlechter, selbst als das Phiianthropin nicht mehr in der Lage war, wie in den ersten Zeiten, den grössten Teil der Jugend der Gemeinde zu Unterricht und Erziehung in seinen Räumen zu vereinen. Dem Wohle der Gemeinde, der Stadt und des Vaterlandes wird auch weiterhin die Arbeit * der Schule gewidmet bleiben. Wie in der Vergangenheit wird sie auch weiterhin im verrückt das Ideal festhalten, dem sie ihren Ursprung verdankt: Die Humanität. Unser Vaterland kann sich rühmen, den humanen Gedanken -am herrlichsten zur Verwirklichung gebracht zu haben. Unser Lessing hat ihm die vollendetste Gestaltung gegeben, unser Mendels- söhn hat ihn am klarsten zürn Ausdruck gebracht, unsern Goethe hat er zu dem Wunsche veranlasst, dass er der deutschen Nation heilig und wort bleiben möge. In doi* Treppenhalle unseres Schulhauses sind die Büsten von Lessing, Mendelssohn und Goethe gegenüber der Tafel angebracht, die Siegmund Geisenheimers segensvolle Schöpfung nachkommend'en Geschlechtern kündet. L essin g-Mend eissöhn-Goethe: Humanität — Aufklärung — deutsche Geistesbildung, sie mögen unsere Jugend wie in dem vergangenen so auch im kommenden Jahrhundert der Schule leiten und zu gleich edlen Taten führen wie vor nun 100 Jahren die Begründer des Philanthropins! Auf diese mit wiederholtem, stürmischem Beifall aufgenommene Rede folgte ein Chor----Psalm 150 von Lewandowski —; an den sich die BegTüssungs-Ansprachen schlössen.. '