Programm
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- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 54)
- Language
- German
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als die-mit dem Talmud und naelUalmudisohem Schrifttum als Abfall vom rochton Glauben, "ja sogar der Gebrauch 'derreinen deutschen Sprache ist verpönt, und das mit slavisehen und hebräischen Elementen durchsetzte mittelhochdeutsche Tdiom bildet die Umgangssprache der Ghettobewohner. — Da übernahmen vor 100 Jahren vier edle Männer, allen voran Siegmund Geisenheim er, die hehre Aufgabe, allen Schwierigkeiten von'aussen und innen zum Trotz auch diesen doppelt Unglücklichen die Segnungen der modernen Bildung zu verschaffen. Das Mitgefühl für die Armen, das ein Jahrzehnt früher Pestalozzi zu der Forderung veranlasst, hatte,, es müsse auch dem Aormsten die Ausbildung seiner geistigen ICräfto ermöglicht werden, das den grossen Schweizer Pädagogen zur Begründung von wahrhaften Volksbildungsstätten geführt hatte, das gleiche Gefühl beseelte, wie der „Prospeetus zu einem Philanthropin für arme Kinder jüdischer Kation" beweist. Geisenheimer und seine Genossen: „Den armen Mitbürgorn die Erreichung der grossen und ccllon Endzwecke der Menschheit zu erleichtern", die Jugend ihrer Glaubensgemeinschaft ..zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern in der grossen bürgerlichen Gesellschaft zu bilden*, dieser Idee opferten jene Männer ihre ganze Kraft und verstanden es, für sie das Interesse der „Freunde alles Guten und Edlen" zu erwärmen. Von denselben Gedanken wie Pestalozzi ausgehend, begründeten sie diese Schule, das P h il ä n t h r o p i n; mit voller Absicht gaben sie der Anstalt diesen Namen, sie prägten ihr mit dein "Namen den Geist auf, in dem sie zu wirken berufen war. Schon in den 1 ussorlichkeiton war dieneue Anstalt den Basedow-Campeschen nachgebildet. Die gleiche Kleidung der Zöglinge, die Aufstellung der jährlichen Conduitontafel mit ihren Signa diligentiae und notas pigrltiae, den Punkten und Strichen, das Sittengericht, die feierliche Hauptprüfung mit der festlichen Speisung der Zöglinge — diese und manche andere Einrichtung der Philanthropiniston wurden auch gleich hei der Begründung unserer 'Schule, eingeführt. Auch der Unterricht vollzog sich in der Art und Weise der Philanthropinisten: die Methode befolgte streng den Weg von der Anschauung zun. Bugriff, vom Begriff zum System, den Lehrplan bestimmte die Rücksicht, auf den Nutzen. Freilich trat, liier bald eine Änderung ein. Das Vorbild der Musterschule, an der Pestalozzis Schüler Gruner als Oberlehrer wirkte, das Studium der Schriften Pestalozzis bestimmte schon fünf Jahre nach der Begründung des Philanthropins den Oberlehrer Hess, die Pestalozzischo Methode auch hier einzuführen und die formale Bildung, deren Wert von den Philanthropinisten verkannt worden war, wieder nach Gebühr bei der Erziehung zu berücksichtigen. Aber diese Änderung der methodischen Grundsätze, wie alle späteren, Hess die eigenartige Richtung der Anstalt, völlig unberührt. „Aufklärung und Humanität", das war der Geist, der im Phiianthropin nach dem Willen seiner Begründer immerdar eine Stätte haben sollte. Hinweg mit den Ketten, die missverstandene Überlieferung und blinde Autorität um den Menschen gelegt haben: frei von jedem Zwang soll der Mensch sein tiefstes, sein innerstes Verlangen erfüllen dürfen und etwas Rechtschaffenes und Tüchtiges in der Welt werden — hinweg mit dem hohlen Gebäu vergangener Zeiten, den Unterscheidungen nach Stand'und Religion; Vernunft und Bildung lassen die Menschen als Gleiche, als Brüder! erscheinen, die alle von dem einen Streben erfüllt sind, einen jeden zum höchsten Glücke zu führen, ihn zum Abbild der göttlichen Allvernunft zu gestalten. Im Rahmen der Schule wurden durch diese Ideen besonders die sog. Gesinnungsfächer, der Religions- und geschichtliche wie der deutsche Unterricht beeinflusst und erhielten durch sie ihre charakteristische Prägung. Der Religionsunterricht widerspricht nach der Ansicht der Begründer und ersten Lehrer der Anstalt geradezu seinen) Zwecke, wenn in ihm die konfessionellen Unterschiede, die nur die Menschen trennen und verfeinden, den Kindern nahe gebracht -worden. Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch? Diese Frage Nathans giebt die Grundstimmung an, von der aus religiöse Fragen im Unterricht zu behandeln sind. Im zweiten Jahresbericht, der von unserer Anstalt erscheint, hallt diese Stimmung in den Worten des Oberlehrers Dr. Molitor, eines Katholiken, wieder: „Mannigfaltig sind die Vorstellungen der Menschen über ihr Verhältnis zu dem ewigen Ur. Aber in den Haupt-. stückon kommen sie doch alle überein. Es gibt nur eine einzige Menschheit, die sich in viele Nationen spaltet, von denen eine jede die andere für ihre Brüder halten wird. So gibt es auch nur. eine einzige Religion, und was wir Religionen nennen, sind nur Formen dieser einen Religion. Nur