Programm
- Journal
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- Volume
- 1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 19)
- Language
- German
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nicht die teuersten Stadtteile aufzusuchen und er gibt, seine Waren fast ausnahmslos nur gegen, bare Bezahlung ab. Viel mehr als auf diesen Momenten beruht aber die Überlegenheit der Konsumvereine in den Vorteilen, welche den Grossbetrieb vor dem Kleinbetrieb auszeichnen. Der Detailhandel ist normalerweise Kleingewerbe; die Konsumvereine sind meist Grossbetriebe, oft solche riesenhaften Umfangs. Sie vermögen infolgedessen in, grossen Mengen und zu verhältnismässig billigen, Preisen einzukaufen, und sie haben mit Geschäftskosten zu rechnen, die im Verhältnis zum Umsätze weit geringer sind als beim Kleinhandel. Die Miete beträgt bei grossen Konsumvereinen kaum l°/0,. sogar nur 2/3°/0 des Umsatzes, für den Kleinhandel wird sie auf 5—8°/0 berechnet. Die Vorteile, die die Konsumvereine dadurch besitzen, dass sie als Grosseinkäufer auf dem Markte erscheinen, steigern sich noch, wenn sie sich zu Genossenschaften vereinigen, um vom Producenten, zu beziehen oder um die "Waren in eigenen Werkstätten herstellen zu lassen. Und trotz dieser Vorteile vermag der private Detailhandel neben dem Konsumvereine das Feld zu behaupten, wie die fortschreitende Vermehrung der Handelsbetriebe beweist. Die Konsumvereine beschränken sich auf die gesellschaftlichen Schichten des Mittelstandes. Die wohlhabenden Klassen halten sich : von ihnen ferne und bleiben — ebenso wie die unter dem Mittelstande stehende Bevölkerung — als Abnehmer vdem privaten Detailhandel erhalten; überdies sind es regelmässig nur gewisse Bedarfsgegenstände, welche der Konsumverein führen kann, solche nämlich, welche von seinen Mitgliedern konstant begehrt werden. Die Thätigkeit des Konsumvereins ist demnach in der Hauptsache auf Kolonialwaren, Lebensmittel, Heizungs- und Beleuchtungsmaterial gerichtet; andere Gegenstände, welche nicht der regelmässigen Nachfrage der Mitglieder begegnen, sind im allgemeinen vom Konsum Vereinsbetriebe ausgeschlossen. VIII. Neben den skizzierten Ausschaltungsbestrebungen sind in neuerer Zeit weitere Entwicklungstendenzen auf dem Gebiete des Handels wirksam geworden, welche nicht auf eine Verdrängung sondern auf eine' Umbildung des Detailhandels alten Stils hinwirken. Werfen wir zunächst einen Blick auf diesen Kleinhandel alten Stils, wie er bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts nicht nur auf dem Lande sondern auch in den Städten fast intakt war. Derselbe zeigt ausschliesslich den Charakter des Kleinbetriebs. Der Kaufmann besitzt ein nur - geringes Kapital, er beteiligt sich selbst am Verkaufe, wenn ihm auch oft eine kleine Anzahl von Angestellten zur Seite steht. Im einzelnen Verkaufsladen auf dem Lande wird alles feilgeboten, was an fertiggestellten Waren in den Handel gelangt, und der Konsument vermag in .,seinem1' Laden alle Bedarfsgegenstände zu erlangen, mit Ausnahme derjenigen, die vom lokalen Handwerker, auf Bestellung geliefert werden. In den grossen Städten findet sich eine begonnene Differenzierung vor; es scheiden aus der bunten Menge der im Laden üblicherweise kombinirten Waren gewisse Kategorien aus:, es bildet sich das Branchengeschäft, welches die, Waren nach der Produktionssphäre und nach den Kohstoffen gruppiert, welchen sie entstammen. Es bilden sich Läden mit Textilwaren, auch Manufakturwarenhandlungen genannt, Metallwarenhandlungen u. s, w.^