Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
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Poesie"; ferner „Die baconische P oetik .verneint die lyris che Poesie; sie ist unvermögend, dieselbe zu erklären. Damit übersieht sie nicht blos eine ganze Welt der Poesie/ die existiert, gleichviel mit welchem Namen man sie bezeichnet, sondern was mehr ist, sie übersieht zugleich die unversieg-. bare Quelle aller Dichtung: . sie übersieht, was die menschliche Phantasie, erfinderisch macht und poetisch stimmt. —— — Wer die Poesie so erklärt, dass er die lyrische ausschliesst, der denkt sich Poesie, und Kunst überhaupt ohne schaffende Phantasie und Gemütsbewegung; es ist also natürlich, dass er von beiden nichts übrig behält als die Prosa" und so weiter.5 6 Wir werden im zweiten Teile unser Betrachtung noch Gelegenheit haben, auf diesen Gesichtspunkt zur Beurteilung des Verhältnisses zwischen Bacon und Shakespeare zurückzukommen. Zum Schlüsse dieser Darlegung mag aber schon betont werden, dass, von diesem Standpunkte aus betrachtet, das ganze stolze Gebäude der Bormannschen Ausführungen in sich zerfällt und die gesamte Bacon-Theorie unter seinen Trümmern begräbt. IL Würdigung der sogenannten Bacon-Theorie. Bei der. Besprechung und Widerlegung der Bacon-Theorie ist man bisher stets davon ausgegangen, die von Seiten der Shakespeare-Gegner erhobenen Einwände gegen des Dichters Anspruch auf seine Dramen zu prüfen und zurückzuweisen. Dieser Weg war auch schon durch die Angriffe der Gegner vorgeschrieben, da diese — alle gemeinsam — zunächst Shakespeare entthronten, um dann, wenn ihnen dies nach ihrem Wähne geglückt zu sein schien, einen oder mehrere der von ihnen, für diesen Zweck in Bereitschaft gehaltenen Verfasser an seine* Stelle zu setzen. Sind nun in dem ersteren Bestreben alle Shakespeare-Gegner einig, so müssen sie naturgemäss in der Wahl ihres Kandidaten für den nach ihrer Meinung erledigten Thron auseinander gehen. Aus dieser gegenseitigen Bekämpfung der früheren. Bundesgenossen ist es dann der rücksichtslosesten und mit den stärksten Scheinwäffen ausgerüsteten Partei der Baconianer gelungen, als Sieger hervorzugehen und ihrem Helden, dessen Ansprüche sie als unzweifelhaft hinstellen, zum Throne zu verhelfen. Insofern es sich demnach bei einer Würdigung der ganzen Streitfrage um die Zurückweisung der Angriffe der Shakespeare-Gegner im allgemeinen handelt, ist es ein nahe liegendes Gebot der Taktik für die Verteidiger des in seinen Rechten Bedrohten, dass sie ihre ganze Stärke gegen den gefährlichsten Feind wenden, diesen in seinem eigenen Lager angreifen .und aus seinen festen Verschanzungen herauszuwerfen versuchen. Ist uns dieses Unternehmen in der vorliegenden Frage geglückt, dann fallen alle die vielen seitens der Shakespeare- Gegner vorgebrachten, scheinbar so beweiskräftigen Argumente in sich zusammen, und das Schicksal derselben, soweit sie ehrlichen Kampf beabsichtigen, wird dasjenige sein, das schon dem geistig Bedeutendsten derselben, A. Morgan, widerfahren . 3