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Programm · 1896-01-01 · 1896 · p. Seite 16

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Journal
Programm
Volume
1896
Date
1896-01-01
Page
Seite 16 (sequence 15)
Language
German
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seines Buches die Einteilung der Poesie durch Bacon in erzählende, dramatische und parabolische dahin auslegt, dass Bacon, „nothwendig als die höchste Gattung aller Poesie diejenige anerkennen müsse, die beides, parabolisch und dramatisch zugleich ist"- und zwar deshalb, weil er die parabolische Poesie über die nicht parabolische, stelle. „Höchste Poesie wäre demnach die dramatisch-parabolische Poesie, jene Poesie, die in verhüllter Form die Geheimnisse der Wissenschaft dem Zuschauer als gegenwärtig vor die Augen führt". (S. 6.) Aber selbst wer soviel Mut besitzt, diesen zum mindesten gewagten Sprung in der Auslegung klarer Worte 51 mitzumachen, braucht noch lange nicht mit Bormanns weiteren Darlegungen einverstanden zu sein. Da es nämlich "für ihn von vornherein fest-, stand, dass Bacon die Shakespeare'schen Dramen verfasst haben kön ne, so liefert i hm eine Gegenüberstellung einiger Dramen mit einigen philosophischen Schriften Bacons bei einer meist recht weit hergeholten, oft zufälligen Übereinstimmung52 von Einzelheiten den unwiderleglichen Beweis, dass Bacon der Verfasser der Dramen sein müsse. Diese Dramen sind dann nach seiner Ansicht nichts anderes, als die Illustrationen zu den in den philosophischen Schriften niedergelegten Lehren und - verhalten sich zu diesen, wie er dies besonders von der Moral der Tragödien in ihrem Verhältniss zu der Ethik Bacoris in einem Abschnitte ausfuhrt, „wie die Praxis zur Theorie." 5s Es gehört jedenfalls eine mehr als Baconische Ansicht von dem Wesen der Poesie (s. u.) und eine merkwürdige Verkennung des unendlich grossen Abstandes zwischen dem, was man den „göttlichen Wahnsinn" in den Shakespeareschen Dramen genannt hat und der rein prosaischen Rhetorik des in Bacons Werken herrschenden Stiles dazu, um zu solchen Ergebnissen zu kommen, wie sie uns Bormann als neue Stütze der von Vergessenheit bedrohten Bacon-Theorie vorführt. Gewiss verdienen auf der einen Seite sowohl seine Geschicklichkeit in der Verwertung seines Materials als auch sein ernstes Bestreben einer wissenschaftlichen Begründung der von ihm verflochtenen Lehre Anerkennung; aber andererseits erscheint die völlige Verkennung des in den Dramen Shakespeares niedergelegten Reichtums an echter Poesie unerklärlich, die es ihm ermöglicht, letztere zu einer Magd der Philosophie Bacons zu erniedrigen (s. Anm. 57). Bekanntlich hat Kuno Fischer nach dem Erscheinen des Bormann'schen Buches den ihm von der Shakespeare-Gesellschaft gebotenen Änlass zur öffentlichen Klarstellung seiner Ansicht über das Verhältnis der beiden Geistesheroen benutzt, die auf Grund seiner früheren Gegenüberstellung beider 54 von Seiten der Baconianer 65 zu günsten ihres Helden ausgebeutet worden war. Das Buch, welches zu diesem Irrtum Anlass gab, war zu einer Zeit " erschienen, als noch niemand eine Ahnung von der Möglichkeit einer „Bacon-Theorie" hatte ~— vielleicht mit Ausnahme der Begründerin derselben. Für jeden vorurteilsfreien Leser aber kann auch nicht der leiseste Zweifel bestehen, dass der Verfasser jener klaren und grundlegenden Schrifft gerade in den=- jenigen Ansichten Bacons, auf welche Bormann seine Ausführungen aufbaut, den diametralen Gegensatz zwischen dem Philosophen und dem gottbegnadeten Dichter erkennt. „Es giebt", sagt dort Fischer (S-. 169 fg.) „für Bacon keine lyrische

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